Aktualisiert 02.12.2018 11:52

VIP-JetsSo fliegen die Staatsoberhäupter

Schalldichte Büros, mobile Kommandozentralen und fliegende Fitnesszentren: Mit diesen VIP-Jets reisen die Regierungen.

von
mat
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«Konrad Adenauer» heisst der Airbus A340-313X der deutschen Bundesregierung.

«Konrad Adenauer» heisst der Airbus A340-313X der deutschen Bundesregierung.

AFP/kay Nietfeld
Die amerikanische Air Force One ist eines der exklusivsten Flugzeuge der Welt. Die Boeing 747-200 soll 1 Milliarde Franken kosten.

Die amerikanische Air Force One ist eines der exklusivsten Flugzeuge der Welt. Die Boeing 747-200 soll 1 Milliarde Franken kosten.

AP/Jacquelyn Martin
Theresa May reist in einem Airbus A330-200 der Royal Air Force. Kosten: 250 Millionen Franken.

Theresa May reist in einem Airbus A330-200 der Royal Air Force. Kosten: 250 Millionen Franken.

Getty Images/wpa Pool

Bundeskanzlerin Angela Merkel musste am Freitag eine Linienmaschine an den G-20-Gipfel nehmen. Einen Tag zuvor hatte «Konrad Adenauer», der Airbus der Bundesregierung, aufgrund eines Totalausfalls der Kommunikationsanlage ausserplanmässig in Köln landen müssen. Auch der Weiterflug mit einem Ersatz-Airbus war nicht möglich. Also reisten Merkel und ein kleiner Teil ihrer ursprünglichen Delegation am frühen Freitagmorgen über Madrid per Linienflug nach Buenos Aires.

Doch der Linienflug bleibt bei führenden Politikern stets die Ausnahme. So reisen die Staatsoberhäupter:

• Deutschland

«Konrad Adenauer» heisst der Airbus A340-313X der Bundesregierung. Dank seiner zusätzlichen Tanks schafft er Distanzen bis 13'500 Kilometer. Für kürzere Reisen stehen Angela Merkel einige kleinere Maschinen sowie ein Helikopter zur Verfügung. Die «Adenauer» verfügt über komplett schallisolierte Kabinen für Verhandlungen.

Fassungsvermögen: bis zu 143 Passagiere.

Kosten: 300 Millionen Franken.

• USA

«Air Force One» ist eines der exklusivsten und bestausstaffierten Flugzeuge der Welt. Die Boeing 747-200 mit der Flugnummer AF1 beinhaltet ein Grossraumbüro mit 80 Telefonleitungen und eine Arztpraxis mit zwei Operationstischen. Donald Trump besitzt daneben noch eine eigene Boeing 757, auf der sein Nachname prangt, doch als Präsident fliegt er stets in der «Air Force One». Das Flugzeug existiert zweifach – zu Ersatzzwecken und aus Ablenkungsgründen. Die Tage der Maschinen sind gezählt, die US-Regierung hat angekündigt, für das kommende Jahrzehnt zwei 747-8 als neue Air Force One umzurüsten.

Fassungsvermögen: 70 Passagiere und 26 Crewmitglieder.

Länge: über 70 Meter lang.

Kosten: angeblich 1 Milliarde Franken.

• Grossbritannien

Theresa May reist in einem Airbus A330-200 der Royal Air Force (RAF). Dieser Flugzeugtyp wird primär als Tanker eingesetzt, das andere Maschinen im Flug auftankt. Die britische Regierung hat 58 Sitze und ein Raketenabwehrsystem einbauen lassen sowie Technik zur verschlüsselten Kommunikation. Bis 2016 reisten die britischen Staatsoberhäupter noch per Charterflug, was sich als kostspieliger herausstellte. Wenn die A330 Voyager nicht vom Staatsoberhaupt genutzt wird, fliegt sie noch immer Tank-Einsätze.

Fassungsvermögen: rund 100 Economy-Sitze.

Kosten 250 Millionen Franken.

Die Königsfamilie um Queen Elizabeth II. hat ihre eigene Flotte.

• Italien

Italiens Airbus A340-500 ist im Besitz der Fluglinie Etihad, die der Regierung von Abu Dhabi gehört. Seit 2016 mietet die italienische Regierung den Jet für jährlich rund 15 Millionen Franken, wie italienische Zeitungen recherchiert haben. Angeblich ist das On-Board-Unterhaltungsangebot nach wie vor in arabischer Sprache installiert. Dafür ist der offizielle Flugzeugname sehr geglückt: Die Maschine ist als «I-TALY» registriert.

• Frankreich

Seit neun Jahren setzt Frankreich einen Airbus A330-200 ein. Die Maschine ersetzte einen Airbus A319, der 2009 nach einem einseitigen Motorenaussetzer notlanden musste.

Kosten: 270 Millionen Franken.

• Russland

Weder Boeing noch Airbus: Russlands Staatsoberhaupt fliegt in einer Iljuschin Il-96-300PU aus der Sowjetzeit. Das «PU» im Namen steht dabei nicht für Putin, sondern für das russische Wort für Kommandozentrale: «Punkt Uprawlenija». Die Maschinen dieses Typs waren nur bei Aeroflot und Cubana im kommerziellen Einsatz, dürfen sich aber rühmen, die sichersten Grossraumflugzeuge zu sein. Putins Flugzeug hat neben Büros und Schlafzimmern auch ein voll ausgestattetes Fitness-Center an Board.

Fakten: 65 Meter lang, 270 Tonnen schwer, 500 Millionen Franken teuer.

• Mexiko

Die mexikanische Regierung konnte von Boeing eine der ersten 787-8 als Schnäppchen ergattern. Der sechste je gebaute «Dreamliner» litt noch unter zu grossem Gewicht, was ihn für die kommerzielle Luftfahrt weniger attraktiv machte. Statt 220 Millionen Franken sollen die Mexikaner nur 125 Millionen bezahlt haben.

• Vereinigte Arabische Emirate

Die Abu-Dhabi-Amiri-Flotte, die für die königliche Familie sowie hohe Beamte zur Verfügung steht, besteht aus sieben VIP-Jets. Darunter eine 747-8BBJ, die ohne Innenausstattung und Sicherheitsausrüstung bereits 350 Millionen Franken gekostet hat.

• Katar

Die komplette Flotte von Scheich Hamad bin Chalifa Al Thani soll einen Wert von 1,5 Milliarden Franken haben.

• Nordkorea

Ki Jong-un reist in einer Iljuschin Il-62M. Sanktionen verbieten Nordkorea den Import von europäischen und amerikanischen Flugzeugen, weshalb dieses russische Modell zum Einsatz kommt. In einem Video von 2015 posierte der nordkoreanische Führer mitten im Flug im Cockpit der Maschine.

• Japan

Der Inselstaat besitzt zwei imposante Boeing 747-400, je eines für den Kaiser und den Ministerpräsidenten.

Kosten: Die beiden Flugzeuge sollen für rund 600 Millionen Franken erworben worden sein.

• Schweiz

Als eines der wenigen Länder setzt die Schweiz beim offiziellen Flugzeug auf Understatement. Die grösste Maschine unserer Flotte ist eine Dassault Falcon 900EX. Sie fasst nur rund ein Dutzend Passagiere. Das Flugzeug stammt aus dem Besitz von Prinz Albert von Monaco, der auf eine Falcon 7X aufgerüstet hat. Die gesamte Flotte der Schweizer Regierung wird auf 55 Millionen Franken geschätzt.

• Und zum Schluss:

«Ed Force One» ist zwar kein Regierungsflugzeug, dafür aber sonst eine Institution: Die britische Heavy-Metal-Band Iron Maiden reiste in dieser Boeing 747-400 um den Globus, mit Sänger Bruce Dickinson als Pilot. Im Juni 2016 war die Maschine auf dem Flughafen Zürich zu bewundern. Daneben standen die Flugzeuge, mit denen Angela Merkel und der damalige französische Präsident François Hollande angereist waren. Ein lustiger Grössenvergleich, wie ein «Spiegel»-Reporter auf Twitter feststellte:

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