Überwachung und Kontrollen: So fliegen Diebe am Self-Checkout auf

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Überwachung und KontrollenSo fliegen Diebe am Self-Checkout auf

Self-Checkout-Stationen mögen weniger gut gesichert wirken, doch Migros und Coop verhindern auch dort Diebstähle – mit genauer Überwachung und Kontrollen.

von
R. Knecht
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Detailhändler müssen sich auch am Selbst-Checkout vor Diebstahl schützen.

Detailhändler müssen sich auch am Selbst-Checkout vor Diebstahl schützen.

Keystone/Gaetan Bally
Dafür verlangen Coop und Migros, dass Mitarbeiter zufällig Stichproben durchführen.

Dafür verlangen Coop und Migros, dass Mitarbeiter zufällig Stichproben durchführen.

Keystone/Christian Beutler
Das System bestimmt per Zufall, welche Kunden kontrolliert werden.

Das System bestimmt per Zufall, welche Kunden kontrolliert werden.

Keystone/Christian Beutler

Viele Schweizer benutzen in der Migros und im Coop mit Vorliebe den Self-Checkout. Für die Detailhändler stellt sich die Frage, wie sie sich bei dem neuen System gegen Diebstähle schützen können.

Um Inventurverlust zu verhindern, beobachten und kontrollieren Detailhändler ihre Kunden am Self-Checkout sehr genau. Eine Übersicht, wie das funktioniert.

Stichproben per Algorithmus

Sowohl in der Migros als auch im Coop werden Stichproben durchgeführt. Sie werden vom System verlangt. Das heisst, die Mitarbeiter erhalten die Aufforderung, einen bestimmten, zufällig per Algorithmus ausgewählten Checkout-Schalter zu kontrollieren. Sie scannen dann den gesamten Warenkorb noch einmal ein, um sicherzustellen, dass nichts ausgelassen wurde – ob absichtlich oder nicht.

Diese Art von zufälligen Stichproben mache mit über 99 Prozent den Grossteil der Kontrollen bei Coop aus, erklärt ein Sprecher. Die Migros betont, dass sich Kunden bewusst seien, dass Kontrollen beim Self-Checkout zum Standardprozedere gehörten. «Nur so können wir den Kunden diesen Service auch zukünftig anbieten und sicherstellen, dass die Spielregeln eingehalten werden», sagt eine Sprecherin der Genossenschaft.

Mitarbeiter ordnen erneuten Scan an

Als weitere Kontrollmassnahme am Self-Checkout setzt Coop seit etwa einem halben Jahr auf den sogenannten Rescan. Ein Angestellter kann veranlassen, dass der Automat von bestimmten Kunden eine Überprüfung des Warenkorbs verlangt, wie ein Coop-Mitarbeiter zu 20 Minuten sagt.

Nachdem Einkäufer auf Bezahlen drückten, komme ein Angestellter, der alle Produkte noch einmal einscanne. Das geschehe aber nur sehr selten – etwa bei Kunden, die nach einem vermuteten Diebstahl erneut in die Filiale kommen.

Ein wachsames Auge auf die Kunden

Auch in der Migros sind die Mitarbeiter angehalten, im Zahlbereich der Subito-Kassen ein wachsames Auge auf die Kunden zu haben. Ziel sei es, Missbrauch zu verhindern.

Damit es nicht zu Diskriminierung kommt, schulen sowohl Migros als auch Coop die Angestellten für den Einsatz am Self-Checkout. Erich Wunderli, Privatdetektiv und Leiter des Ausbildungszentrums für angehende Privatdetektive (SAO-Sekretariat), erklärt, dass es bei diesen Schulungen darum gehe, zu lernen, «den verdächtigen Personen anzusehen, dass sie vorhaben, etwas zu stehlen».

Wenn Angestellte bestimmen, wer am Self-Checkout kontrolliert wird, ist es laut Dominic Pugatsch, Geschäftsführer der GRA Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus, wichtig, dass ihnen klare Richtlinien vermittelt werden. «Die Unternehmen müssen die Mitarbeiter auf die Problematik hinweisen und betonen, dass jeder Konsument gleich behandelt werden muss, unabhängig von Geschlecht, Alter oder Hautfarbe.» Solche Richtlinien würden Mitarbeiter auch vor allfälligen Diskriminierungsvorwürfen schützen.

Was, wenn man erwischt wird?

Bei Migros und Coop gehe man bei Kunden, die einen Artikel nicht eingescannt haben, grundsätzlich von einem unabsichtlichen Fehler aus, sagen die Sprecher. Sie werden in den meisten Fällen aufgefordert, das Scannen nachzuholen und den Fehlbetrag zu bezahlen.

Wenn es sich aber um eine grosse Summe oder mehrere Produkte handle, gehe man in der Migros davon aus, dass der Kunde mutwillig gehandelt habe. Er könne in einem solchen Fall aus dem Self-Scanning-Programm ausgeschlossen werden. Auch eine Anzeige sei möglich. Bei Coop würden nur klare Fälle von Diebstahl geahndet.

«Am Self-Checkout ist man gestresster»

Self-Checkout - ja, oder nein?

Kontrolle von Weitem

Eine weitere Herausforderung am Self-Checkout ist die Alterskontrolle. Dafür müssen Mitarbeiter im Coop oft gar nicht mehr an das Gerät herantreten. Sie führen die Kontrolle über ein Handy durch. Schon wenn der Kunde einen Artikel mit Altersbeschränkung, etwa Bier, einscannt, wird der zuständige Mitarbeitende auf einem tragbaren Gerät informiert, sagt ein Coop-Mitarbeiter. Er kann dann bereits den Automaten freigeben. Dies geschehe nur, wenn der Kunde «eindeutig volljährig» ist, sagt ein Sprecher von Coop.

Einige Leser berichten allerdings auch davon, dass sie am Automaten ihren Jahrgang selbst eingeben konnten. Der Coop-Sprecher erklärt: Wenn der Käufer auf Bezahlen drückt, ohne das ein Mitarbeiter die Maschine freigegeben hat, müsse der Kassierer zusätzlich den Jahrgang des Kunden eingeben. Dass der Käufer das selbst tut, sei nicht vorgesehen. Der Coop-Angestellte meint, das könnte damit zu tun haben, dass der zuständige Mitarbeiter gerade keine Zeit habe, etwa weil er gleichzeitig am Abkassieren sei. Dagegen hält Coop, dass Mitarbeiter, die Self-Checkout-Kassen betreuen, nicht gleichzeitig anderen Aufgaben zugeteilt seien.

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