«Time-out» mit Klaus Zaugg: So funktioniert Arno Del Curto
Aktualisiert

«Time-out» mit Klaus ZauggSo funktioniert Arno Del Curto

Keiner ist so erfolgreich in Playoff-Extremsituationen wie HCD-Trainer Arno del Curto (52). Legenden ranken sich um seine Führungsmethoden. Sie stimmen (fast) alle. Im Vergleich zu Del Curto ist Nationaltrainer Ralph Krueger ein Zauberer für den Kindergeburtstag.

von
Klaus Zaugg

Was Arno Del Curto von den meisten Berufskollegen unterscheidet, ist seine leidenschaftliche Kompromisslosigkeit. Mit seinen wichtigsten Spielern verbindet ihn mehr als Kameradschaft. Es sind «Zeugen Del Curtos», die mit dem Chef in moderner Blutsbruderschaft vereint sind.

Der HCD ist im guten Sinne eher eine Glaubensgemeinschaft als «nur» eine Mannschaft. Nach dem biblischen Prinzip: Wer nicht für mich ist, ist wider mich. Jedenfalls hat es in Davos in 13 Jahren noch nie einen Spieleraufstand gegeben. Ja, nicht einmal zaghafte Versuche der Spieler, die Macht des Trainers zu schwächen wie beim SC Bern.

Eine Szene, wie sie sich gemäss Gewährsleuten in der HCD-Kabine zugetragen hat, erklärt gut, wie Del Curto funktioniert:

Del Curto hält einen Vortrag. Er erklärt, er wolle Männer um sich haben, die sagen, was sie denken.

Vor dem Spiel die Matchbesprechung und die Festlegung der taktischen Route. Dann geht er von Spieler zu Spieler, schaut jedem ins Gesicht und fragt, ob er einverstanden sei.

«Reto, bist du einverstanden?»

«Ja.»

«Jan, bist du einverstanden?»

«Ja.»

So geht es weiter. Bis er zu einem Spiele kommt, dessen Name mir soeben entfallen ist.

«Bist du einverstanden?»

«Nein.»

Totenstille in der Kabine.

Und Arno sagt mit leiser, aber deutlich vernehmbarer Stimme: «Jetzt hast du verloren. Du bist nicht mehr einer von uns.»

Ganz nebenbei: Am Ende der Saison geht dieser Spieler. Er tritt in den Playoffs 2009 auch gegen Davos an.

Arno Del Curto hat auf Anfrage von 20 Minuten Online diese Episode so nicht bestätigt - aber auch nicht dementiert. Es stimme zwar, dass er ein oder zweimal pro Saison in dieser Art quasi die Vertrauensfrage stelle. «Aber ich kann mit anderen Meinungen leben und will dass man mir die Wahrheit geradeheraus ins Gesicht sagt. Ja, wer bei mir Widerspruch wagt, steigt in meiner Achtung. Ich weiss, was los ist, keiner lügt mich an.»

Und kommt, leidenschaftlich, nochmals auf die vorgängig geschilderte Szene zurück: «Sie haben einen guten und doch wieder nicht guten Informanten. Er wollte sich wahrscheinlich wichtig machen und hat die Sache nicht richtig verstanden oder böswillig weitererzählt. Manchmal ist etwas ja auch ironisch gemeint. Aber dann muss man die Intelligenz haben, um das auch zu verstehen.»

Nun, ob richtig oder böswillig weitererzählt: Die Episode illustriert Arno Del Curtos Führungsstil treffend und erklärt, warum wahrscheinlich keine andere Mannschaft einen so starken Zusammenhalt in Extremsituationen hat.

Die Methoden des HCD-Trainers sind jedenfalls durchschlagend erfolgreich. Drei Titel und vier Finals, garniert mit sieben Siege in siebten Playoffspielen in 13 Jahren - obwohl immer und immer wieder Spieler mit Nationalmannschafts- oder gar NHL-Format die Mannschaft verlassen haben - wie Lars Weibel, Benjamin Winkler, Michael Kress, Björn Christen, Patrick Fischer, Thierry Patterlini, Mark Streit, Johans Hiller oder Fabian Sutter.

Spieler kommen und gehen, der HCD und Arno Del Curtos Macht bleiben bestehen.

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