Familienbande: So funktioniert der Clan der C&A-Besitzer

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FamilienbandeSo funktioniert der Clan der C&A-Besitzer

Das Modehaus wird von einem streng katholischen Clan mit Ableger in der Schweiz geführt. Die Mitglieder müssen sich an ein striktes Regelwerk halten.

von
Dominic Benz
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Laut Medienberichten soll die Modemarke C&A an chinesische Investoren verkauft werden. Die Gespräche sollen bald vor dem Abschluss stehen.

Laut Medienberichten soll die Modemarke C&A an chinesische Investoren verkauft werden. Die Gespräche sollen bald vor dem Abschluss stehen.

Keystone/Steffen Schmidt
Hinter dem möglichen Verkauf steckt die Besitzerfamilie Brenninkmeijer. Sie gehört mit einem geschätzten Vermögen von rund 20 Milliarden Euro zu den reichsten Familien in Europa.

Hinter dem möglichen Verkauf steckt die Besitzerfamilie Brenninkmeijer. Sie gehört mit einem geschätzten Vermögen von rund 20 Milliarden Euro zu den reichsten Familien in Europa.

epa/Focke Strangmann
Die Familie gibt sich äusserst verschwiegen und ist darauf bedacht, dass nichts an die Öffentlichkeit dringt.

Die Familie gibt sich äusserst verschwiegen und ist darauf bedacht, dass nichts an die Öffentlichkeit dringt.

Martin Schutt

Fast jeder kennt C&A. Wer aber hinter dem Modehaus steckt, wissen die wenigsten. Kein Wunder, denn im Hintergrund agiert ein sehr verschwiegener Besitzer: die Familie Brenninkmeijer. Laut Medienberichten will sie nun die Marke C&A an chinesische Investoren verkaufen. Der Deal soll kurz vor dem Abschluss stehen.

Es wäre das Ende einer langen Geschichte, denn das Modehaus ist so etwas wie das Herzstück der Familie. Sie führt das Unternehmen in der sechsten Generation strikt nach dem Motto «Einigkeit macht stark».

Prunkhafte Anwesen in der Schweiz

Seit der Gründung von C&A im Jahr 1841 achtet der Clan penibel darauf, dass das Unternehmen und die Besitztümer in der Familie bleiben. Bisher mit Erfolg: Die Brenninkmeijers gehören zu den reichsten Familien in Europa. Ihr Vermögen wird auf rund 20 Milliarden Franken geschätzt. Zum Reich der global verankerten Brenninkmeijers gehören Hunderte von Immobilien und Beteiligungen an Firmen diverser Branchen. Gebündelt sind die Anteile in der Mutterfirma der Cofra Holding mit Sitz in Zug.

Auch sonst gibt es viel Bezug zur Schweiz. Etliche Mitglieder des ursprünglich aus den Niederlanden stammenden Clans wohnen in der Innerschweiz in mehreren tausend Quadratmeter grossen Anwesen. Auch das Oberhaupt, der 57-jährige Maurice Brenninkmeijer, hat sich in der Schweiz niedergelassen. Er führt den engsten Unternehmenskreis der Familie, die aus weit mehr als 1000 Mitgliedern besteht.

Katholizismus als Leitfaden

Die meisten von ihnen haben aber im Firmenreich nichts zu melden. Wer in den innersten Kreis aufsteigen will, muss sich an ein internes Regelwerk halten. Ansonsten droht der Ausschluss. Damit will man verhindern, dass die Familie zerfällt. Denn wenn diese zersplittere, sei auch das Unternehmen in Gefahr.

Ein zentraler Punkt dieser Regeln ist der Glaube: Die Brenninkmeijers sind streng katholisch. So kommen nur jene im Unternehmen weiter, die sich zum Glauben bekennen. Eine Scheidung gefährde zudem die Karriere, heisst es in einem Dokumentarfilm des ZDF über die Familie. Jährlich spenden die Mitglieder der Kirche grosszügige Summen. Viele Nachkömmlinge besuchen Jesuitenschulen und tragen als Teenager täglich Kleider von C&A, wie ein ehemaliger Klassenkamerad eines Brenninkmeijer gegenüber 20 Minuten sagt.

Zehn Jahre Trainingsprogramm

Klar geregelt ist auch der Umgang mit Firmenanteilen. «Anteile am Unternehmen werden nicht vererbt», erklärte Oberhaupt Maurice Brenninkmeijer der «Zeit» vor rund zwei Jahren. Auch ein Verkauf an Verwandte oder Externe ist nicht möglich. Wer aus dem Führungsgremium abtritt, veräussert seine Anteile dem Mutterkonzern Cofra. Mit dem Vermögen aus dem Erlös kann man dann machen, was man will.

Wer in der Familie ins Unternehmen einsteigen will, muss eine interne Schulung absolvieren. Diese dauert rund zehn Jahre. «Wenn meine Kinder ins Geschäft eintreten wollen, müssen auch sie sich fürs Trainingsprogramm bewerben, angenommen werden und darin wachsen», sagte Brenninkmeijer. Das sei auch der einzige Weg, um Anteilseigner zu werden.

Vorwurf der Mauschelei

Allerdings können sich nur Kinder von Eigentümern bewerben. «So sorgen wir dafür, dass die Eigentümergruppe im Einklang ist. Das ist mit am schwierigsten aufrechtzuerhalten: eine gleich gerichtete Gruppe mit ähnlichen Werten und Absichten», ergänzte der Familien-Chef. Wer es letztlich bis nach oben schafft, entscheidet ein Gremium. Kritiker stellen wegen der intransparenten Führungsstruktur immer wieder den Vorwurf der Mauschelei in den Raum.

Nach dem Hausgesetz scheiden die Brenninkmeijers mit 55 Jahren aus den operativen Geschäften aus. So ist es schon fast ein Wunder, dass der 61-jährige Ex-Rewe-Chef Alain Caparros im letzten August das Europa-Geschäft von C&A übernehmen durfte. Zudem ist er der erste Manager an der Spitze des Modehauses, der nicht ein Brenninkmeijer ist.

Frauen haben einen schweren Stand

Bis vor kurzem hatte der strenge Katholizismus auch Auswirkungen auf die Frauen in der Familie. Ihnen blieb der Aufstieg im Unternehmen verwehrt. Das änderte sich, als sich weibliche Clan-Mitglieder mit juristischer Hilfe zur Wehr setzten. Seither können Frauen Karriere machen, solange sie den Namen Brenninkmeijer auch nach der Heirat behalten, wie das «Manager Magazin» berichtete.

So ist Johanna Brenninkmeijer mit 32 Jahren als erste Frau in den erlauchten Kreis der Familie aufgestiegen. Die Karriere verlangt offenbar ihre volle Aufmerksamkeit. Der Job sei nur möglich, weil ihr Mann ihr den Rücken freihalte und die Kinder und den Haushalt übernehme, wie ein Kenner der Familie gegenüber 20 Minuten sagt.

Träge Strukturen

Halbe Geschichten sind daher im Unternehmen Brenninkmeijer nicht gern gesehen. «Und wenn man das ernst nimmt, ist es ja eine Festlegung für die ganze Karriere. Nicht nur für gute Zeiten», sagte Maurice Brenninkmeijer der «Zeit». Das Unternehmen zeigt sich denn auch in Sachen Modernität träge. «Bisher haben wir aber nur eine junge Frau im Unternehmerkreis. Es dauert eben, das liegt an unserem Modell», erklärte der Familienchef.

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