Aktualisiert 18.04.2014 22:59

KarfreitagSo gedenken Christen der Leiden Jesu

Millionen Christen erinnern heute an die Kreuzigung von Jesus Christus. In Rom werden am Abend Tausende Pilger erwartet. Auf den Philippinen lassen sich Gläubige ans Kreuz nageln.

Auch vor seinem zweiten Osterfest setzt Papst Franziskus Akzente: In der bewegenden Zeremonie am Gründonnerstag wusch das Oberhaupt der katholischen Kirche zwölf Behinderten im Alter von 16 bis 86 Jahren – darunter einem Muslim aus Libyen – die Füsse und küsste sie.

Die Fusswaschung, mit der an Jesu beim letzten Abendmahl erinnert wird, übernahm Franziskus kniend und ohne Kopfbedeckung. «Wir müssen einander dienen», sagte er in seiner kurzen Predigt. Diener in Liebe zu sein sei ein Erbe Jesu, jeder solle in seinem Herzen an die anderen denken und überlegen, wie er ihnen dienen könne.

Während seine Vorgänger traditionell Priestern die Füsse gereinigt hatten, vollzog Franziskus diese Demutsgeste im vergangenen Jahr bei jungen Gefängnisinsassen. Dieses Mal hatte er sich das Zentrum einer katholischen Stiftung in Rom ausgesucht. Dort wurde er von den Behinderten, ihren Familienangehörigen und dem Personal empfangen.

Kirche als «auserwählte Geliebte»

Gemeinsam mit Tausenden Gläubigen verfolgte Franzikus am Freitagabend in Rom den Kreuzweg am Kolosseum. An 14 Stationen wurde an das Leiden und Sterben Christi erinnert.

«Jesus aus der Nähe zu folgen ist nicht leicht, denn die Strasse, die er wählt, ist der Weg des Kreuzes», erklärte der Pontifex via Twitter. Die Meditationen für den Kreuzweg hat dieses Jahr der italienische Bischof Giancarlo Bregantini verfasst, der für seine Anti-Mafia-Haltung bekannt ist.

Zuvor hatte Franziskus am Donnerstag die traditionelle Chrisam-Messe im Petersdom gefeiert. Dabei verlangte er von seinen Priestern eine «immer neue Treue gegenüber der einzigen Braut, der Kirche».

Der Pontifex verwies auf die Freude des Priesters, «sie (die Kirche) als seine auserwählte und einzige Geliebte zu behandeln und ihr immer treu zu sein». Franziskus rief die Priester zudem zur Folgsamkeit gegenüber der Kirche auf. Er nannte Frohsinn und Freude der Priester in ihrem Dienst ein kostbares Gut für alle Gläubigen.

Gewalt bei Al-Aksa-Moschee

In der Altstadt von Jerusalem zogen an Karfreitag tausende Christen in einer Prozession die Via Dolorosa entlang, um an die Kreuzigung Jesu zu erinnern. Viele Gläubige schleppten ein Holzkreuz auf dem Rücken durch die engen Gassen bis zur Grabeskirche.

An dem Ort wurde Jesu nach christlichem Glauben beigesetzt, bevor er drei Tage später auferstand. Der Andrang in der Altstadt war auch wegen des jüdischen Pessach-Fests besonders gross. Dabei wird des Auszugs der Israeliten aus der Gefangenschaft in Ägypten gedacht.

Nach den gewaltsamen Zusammenstössen der vergangenen Tage bei der Al-Aksa-Moschee begrenzte die Polizei am Freitag den Zugang zu dem Gelände um den Tempelberg, das Juden und Moslems heilig ist.

Männer unter 50 Jahren würden nicht mehr dorthin gelassen, sagte ein Polizeisprecher. Bei Zusammenstössen mit Sicherheitskräften waren am Samstag und Mittwoch Dutzende Palästinenser verletzt worden, nachdem jüdische Besucher Zugang erhalten hatten.

Blutiges Ritual auf den Philippinen

In einem blutigen Ritual zur Nachempfindung der Leiden Jesu liessen sich auf den Philippinen mehrere Katholiken ans Kreuz nageln.Den Freiwilligen wurden knapp acht Zentimeter lange Stahlnägel durch die Hände gerammt, als sie ans Kreuz genagelt wurden.

Die Zeremonie, die von der Kirchenspitze nicht gebilligt wird, findet jedes Jahr in San Fernando statt. Tausende Touristen strömen jeweils in die 65 Kilometer nördlich der Hauptstadt Manila gelegene Stadt, um das blutige Spektakel zu beobachten. (sda)

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