Aktualisiert 22.01.2020 21:06

Die drängendsten FragenSo gefährlich ist das neue Coronavirus aus China

17 Tote, mindestens 440 Erkrankte – der neue Erreger breitet sich schneller aus als angenommen. Die WHO hat ein Krisentreffen einberufen.

von
Fee Riebeling
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Seit Ende des Jahres 2019 hält ein bislang unbekanntes Coronavirus die Menschen in China in Atem. Erstmals aufgetaucht war der Erreger in der Millionenmetropole Wuhan. (Im Bild: Ein Bioabfallcontainer wird aus dem Wuhan Medical Treatment Center geschoben)

Seit Ende des Jahres 2019 hält ein bislang unbekanntes Coronavirus die Menschen in China in Atem. Erstmals aufgetaucht war der Erreger in der Millionenmetropole Wuhan. (Im Bild: Ein Bioabfallcontainer wird aus dem Wuhan Medical Treatment Center geschoben)

Keystone/AP/Dake Kang
Bis Mittwoch wurden in China 17 Todesfälle und 440 Fälle Infektionen mit dem Virus gezählt.

Bis Mittwoch wurden in China 17 Todesfälle und 440 Fälle Infektionen mit dem Virus gezählt.

Keystone/AP/Mark Schiefelbein
Auch in Hongkong (Bild) gab es dir ersten zwei Fälle. Es dürfte jedoch eine Dunkelziffer geben, befürchten Experten. Auch ausserhalb des Landes sind Menschen an dem vorläufig 2019-nCo genannten Virus erkrankt.

Auch in Hongkong (Bild) gab es dir ersten zwei Fälle. Es dürfte jedoch eine Dunkelziffer geben, befürchten Experten. Auch ausserhalb des Landes sind Menschen an dem vorläufig 2019-nCo genannten Virus erkrankt.

AP/kin Cheung

Ein Ende Dezember 2019 in China aufgetauchtes Virus breitet sich überraschend schnell aus. Laut dem chinesischen Gesundheitsamt haben sich bislang 440 Personen mit dem neuartigen Erreger angesteckt, 17 verstarben infolge der Infektion.

Forscher des Imperial College London gehen nach einer Analyse sogar von 1700 Infizierten aus. Nachdem es zunächst nur im asiatischen Raum nachgewiesen worden war, wurde das Virus nun erstmals bei einem Patienten in den USA bestätigt.

Was weiss man über den Ursprung des Erregers?

Die ersten Infektionen werden mit einem inzwischen geschlossenen Fischmarkt in der chinesischen Millionenmetropole Wuhan in Verbindung gebracht, auf dem auch Wildtiere verkauft wurden. Laut dem Direktor des Instituts für Virologie an der Berliner Charité, Christian Drosten, der als Mitentdecker des Sars-Virus (siehe unten) gilt, haben die chinesischen Behörden mittlerweile einen Verdacht, von welcher Tierart der neue Erreger auf den Menschen übergesprungen sein könnte. Um welches Tier es sich handelt, wird aber erst verkündet, wenn sich der Verdacht bestätigt hat.

Um welche Art Virus handelt es sich?

Derzeit wird es von der Weltgesundheitsorganisation WHO als neues Coronavirus (2019-nCo) bezeichnet. Coronaviren verursachen oft harmlose Erkrankungen wie Erkältungen. Jedoch gehören auch Erreger gefährlicher Atemwegskrankheiten wie Mers (Middle East Respiratory Syndrome) und Sars (Severe Acute Respiratory Syndrome) dazu. An Letzterem litten Anfang der 2000er-Jahre weltweit rund 8000 Personen, von denen etwa 800 starben. Coronaviren sind dafür bekannt, sehr schnell auf neue Wirte überzuspringen.

Welche Symptome verursacht 2019-nCoV?

Das Virus löst eine Lungenentzündung aus. Berichten zufolge klagen die Erkrankten übereinstimmend über Husten, Fieber und Atembeschwerden. Es wird vermutet, dass die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit bis zu 14 Tage betragen kann.

Wie wird das Virus übertragen?

Experten der WHO und in China gehen mittlerweile davon aus, dass das Virus sich nicht nur von Tier zu Mensch, sondern auch von Mensch zu Mensch überträgt. Wie dies geschieht, ist noch offen und Gegenstand von Untersuchungen.

Wie werden Infizierte behandelt?

Da es sich um eine virale Lungenentzündung handelt, nützen Antibiotika nichts. Es können aber antivirale Medikamente verabreicht werden, die allerdings nur die Symptome lindern.

Wie kann man sich schützen?

Wie bei allen neuen Erkrankungen gibt es noch keinen Impfstoff, der Menschen vor einer Infektion mit 2019-nCoV bewahren würde. Deshalb empfiehlt die WHO, gängige Hygienemassnahmen wie Händewaschen einzuhalten und sich von Personen, die Symptome einer Atemwegserkrankung aufweisen, fernzuhalten.

Die Experten verweisen darauf, dass eine durch das neue Coronavirus ausgelöste Lungenentzündung in der Regel milde verläuft. Nach bisherigem Kenntnisstand waren alle am neuen Virus Verstorbenen bereits zuvor in einem schlechten gesundheitlichen Zustand gewesen.

Wie gross ist die Gefahr einer Pandemie?

Das ist zum aktuellen Zeitpunkt unmöglich zu sagen. Der Notfallausschuss der WHO beriet am Mittwoch, ob ein internationaler Gesundheitsnotstand ausgerufen werden muss. Bei einem solchen würde sie schärfere Massnahmen zur Bekämpfung der Seuche empfehlen. Dazu können unter anderem Grenzkontrollen und das Einrichten spezialisierter Behandlungszentren gehören. Die Entscheidung soll am Donnerstag fallen.

Doch wie der Virologe Drosten zu Spiegel.de sagte, sind die bekannten Fallzahlen «noch zu gering, um das Risiko für eine Pandemie beurteilen zu können». Auch der Leiter der Virusdiagnostik des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin, Jonas Schmidt-Chanasit, ist wenig nervös. Die Ausbreitung sei – nach bisherigem Kenntnisstand – weniger stark als beispielsweise beim Sars-Virus. Ausserdem könne das Coronavirus viel schneller diagnostiziert werden, und die Sterblichkeit sei deutlich geringer.

Warum sind offizielle Behörden dennoch besorgt?

Dies liegt vor allem am Zeitpunkt, zu dem 2019-nCoV in Erscheinung getreten ist, denn aufgrund des chinesischen Neujahrsfests am 26. Januar befinden sich derzeit einige 100 Millionen Chinesen auf Reisen. Entsprechend wächst die Gefahr einer Verbreitung des Virus.

Wie gross ist die Gefahr, sich in der Schweiz zu infizieren?

Ausgeschlossen werden kann das natürlich nicht. Allerdings schätzen Experten das Risiko derzeit als sehr gering ein. Gesundheitsminister Alain Berset sagte am Mittwoch am WEF in Davos, dass die Schweiz die Situation sehr genau verfolge. «Wir sind sehr gut vorbereitet.» Es existiere für solche Ereignisse ein Aktionsplan. Dieser werde umgesetzt, sollte sich die Situation weiterentwickeln.

Wie sich das Bundesamt für Gesundheit BAG und der Flughafen Zürich für den Ernstfall rüsten, erfahren Sie hier.

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