Doppelmutante B.1.617 - So gefährlich ist die indische Corona-Mutante für Geimpfte und Genesene
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Doppelmutante B.1.617So gefährlich ist die indische Corona-Mutante für Geimpfte und Genesene

Die Corona-Fallzahlen aus Indien verheissen nichts Gutes: Tag für Tag melden die Behörden Höchststände bei Neuinfektionen und Toten. Vorsichtig gute Nachrichten gibts zur erstmals in Indien aufgetauchten Virusvariante B.1.617.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Indien ist nach den Vereinigten Staaten von Amerika das Land mit den meisten Corona-Neuinfektionen.

Indien ist nach den Vereinigten Staaten von Amerika das Land mit den meisten Corona-Neuinfektionen.

REUTERS
Und die Zahlen steigen weiterhin rasant: Am Donnerstag, 29. April 2020,  vermeldete das indische Gesundheitsministerium rund 386’888 neue Covid-19-Fälle. 

Und die Zahlen steigen weiterhin rasant: Am Donnerstag, 29. April 2020, vermeldete das indische Gesundheitsministerium rund 386’888 neue Covid-19-Fälle.

Worldometers
Laut Forschenden kann das einerseits auf die Kumbh-Mela-Feierlichkeiten zurückzuführen sein, zu denen unlängst hunderttausende Menschen zusammen kamen.

Laut Forschenden kann das einerseits auf die Kumbh-Mela-Feierlichkeiten zurückzuführen sein, zu denen unlängst hunderttausende Menschen zusammen kamen.

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Darum gehts

  • Die Doppelmutante aus Indien bereitet vielen Menschen Sorgen.

  • Eine Vorab-Studie lässt nun hoffen.

  • Die indische Virusvariante scheint nicht der menschlichen Immunantwort entkommen zu können.

  • Ein Experte mahnt dennoch zur Vorsicht.

Trickst die Doppelmutante B.1.617 aus Indien die Impfstoffe aus? Diese Frage stellt sich wohl vielen angesichts der apokalytpisch anmutenden Bilder aus Indien: Leichen werden mitten auf der Strasse verbrannt. Infizierte sterben in der Warteschlange vor den Spitälern, weil es an Betten, Beatmungsgeräten, Personal und nicht zuletzt an Sauerstoff mangelt. Und die Zahlen steigen weiter an.

Der Bund setzte das südasiatische Land deshalb am 26. April 2021 auf die Quarantäneliste. Verhindern, dass die von der Weltgesundheitsorganisation als «variant of interest» gewertete Virusvariante, in die Schweiz gelangt, lässt sich so allerdings nichts mehr: B.1.617 wurde erstmals in einer Probe von Ende März im Kanton Solothurn nachgewiesen.

Erste Daten zum Impfschutz

Ob die kriegsähnlichen Zustände in Indien allein auf die Doppelmutante zurückzuführen sind, wie manch einer befürchtet, ist nach wie vor unklar. Doch mittlerweile gibt es immerhin erste Anhaltspunkte, ob B.1.617 ähnlich wie etwa die brasilianische Mutante P.1 dem durch Krankheit oder Impfung gebildeten Immunschutz beim Menschen entkommen kann.

Laut einer noch nicht von externen Fachleuten begutachteten Preprint-Studie nimmt die Wirksamkeit der Antikörper gegenüber der indischen Mutante zwar ab, aber nicht sehr stark. Das heisst: Sie kann noch immer neutralisiert werden, allerdings schwächer als andere Varianten.

Impfschutz besteht, ist aber abgeschwächt

«Wenn es sich bestätigt, sind die Daten aus dieser Veröffentlichung äusserst ermutigend. Sie deuten darauf hin, dass es keine Immunflucht gibt», kommentiert Impfstoffexperte Carlos Guzman vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig die auf dem bioRxiv-Server einsehbare Studie. «Die Variante B.1.617 wird von Antikörpern neutralisiert, die bei Personen vorhanden sind, die nach Infektionen mit dem ursprünglichen Virus und in Europa zirkulierenden Varianten genesen sind, oder von den Antikörpern, die durch Covid-19-Impfstoffe stimuliert werden», zitiert unter anderem Mdr.de Guzman.

Ähnlich positiv bewertet auch Molekularbiologe Martin Moder die Daten im ORF: «Wir haben gute Gründe davon auszugehen, dass der Impfschutz weiterhin sehr gut bestehen bleibt gegen diese Variante.» Und das besser als bei der südafrikanischen Virusvariante B.1.351, die bereits stark in Österreich zirkuliere.

Zweifel und Zuversicht

Für ein Aufatmen ist es jedoch noch zu früh, meint Andreas Bergthaler vom Forschungsinstitut für Molekulare Medizin: Die Aussagen der Studie basierten auf insgesamt zwölf B.1.617-Viren im Labor. Die Datenlage sei damit nur «spärlich – und sie schliessen auch keine in Europa gebräuchlichen Impfstoffe ein», zitiert ihn Orf.at. In der Untersuchung wurde neben der Reaktion Genesener einzig die Wirkung des Totimpfstoffs Covaxin vom indischen Hersteller Bharat Biotech geprüft. Entsprechend mahnt Bergthaler noch zur Vorsicht.

Optimistischer äussert sich Ugur Sahin, Chef von Biontech: Nach erster Einschätzung dürfte der Pfizer/Biontech-Impfstoff Comirnaty auch gegen die in Indien grassierende Corona-Mutation wirken. Die entsprechenden Tests liefen zwar noch. Er sei aber «zuversichtlich», dass das Vakzin auch gegen die in Indien aufgetretene Variante wirke.

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