Pornografie und Cybergrooming: So gefährlich ist Instagram für Minderjährige
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Pornografie und CybergroomingSo gefährlich ist Instagram für Minderjährige

Nackte Frauen und anzügliche Nachrichten: Kleine Hashtag-Tricks führen schnell zu Hardcore-Pornoclips. Gegen Pornografie ist Instagram machtlos.

von
anp
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Die Recherche von 20 Minuten zeigt: Viele Männer suchen über ihre Insta-Story den Kontakt zu Usern. Die Beispiele finden sich in dieser Bildstrecke. Die betroffenen Accounts wurden danach sofort gemeldet.

Die Recherche von 20 Minuten zeigt: Viele Männer suchen über ihre Insta-Story den Kontakt zu Usern. Die Beispiele finden sich in dieser Bildstrecke. Die betroffenen Accounts wurden danach sofort gemeldet.

20 Minuten/Screenshot Instagram
Innerhalb einer Minute findet man pornografische Beiträge und Cybergrooming.

Innerhalb einer Minute findet man pornografische Beiträge und Cybergrooming.

20 Minuten/Screenshot Instagram
Instagram versucht, die Pornoflut so gut wie möglich einzudämmen. Mit automatisierten und manuellen Systemen sowie einem Community-Operations-Team, das gegen anstössige Inhalte vorgeht.

Instagram versucht, die Pornoflut so gut wie möglich einzudämmen. Mit automatisierten und manuellen Systemen sowie einem Community-Operations-Team, das gegen anstössige Inhalte vorgeht.

20 Minuten/Screenshot Instagram

Halbnackte Frauen, sexuelle Stellungen und entblösste Geschlechtsteile – das findet man auf der Social-Media-Plattform Instagram. Die Recherche von 20 Minuten zeigt: Auf pornografische Beiträge stösst man innerhalb von Sekunden.

Unter bestimmten Hashtags verstecken sich sogar Hardcore-Pornoclips. Dazu kommt: Per Instastory und Kommentarfunktion unter den anzüglichen Bildern suchen Männer gezielt den Kontakt zu jungen Frauen. Das Phänomen ist unter dem Begriff Cybergrooming bekannt (siehe Box). Trotz täglichen Löschaktionen schafft es Instagram nicht, die Unmengen an Pornografie verschwinden zu lassen.

Insta-User sind minderjährig

Rund 2,5 Millionen Schweizer nutzen die Social-Media-Plattform Instagram. Die meisten User sind zwischen 13 und 19 Jahre alt. Sie sind grösstenteils minderjährig – vor ungewollten Inhalten im Internet aber ungeschützt. Eine vom Informationsportal «Jugend und Medien» veröffentlichte Studie belegt, dass 34 Prozent der minderjährigen Frauen in der Schweiz im Internet bereits von einer fremden Person mit sexuellen Absichten angeschrieben wurden. Dabei gehe es um Sexchats und den Austausch von Nacktbildern.

Während Jugendliche in den früheren Chatrooms lediglich mit einem Alias vertreten waren, geben sie auf Instagram in Form von Bildern und der eigenen Beschreibung viel mehr Informationen von sich preis.

Simone Brunner, Abteilungsleiterin Bildung & Information von Pro Juventute, befasst sich schon lange mit dem Problem. «Immer mehr Jugendliche sind von Cybergrooming betroffen, sie müssen aufgeklärt und geschützt werden», erklärt sie. Die Einführung von Filter- und Kontrollprogrammen im Web mildere die Gefahr für Jugendliche nicht, sagt Brunner. Sie rät: «Betroffene Jugendliche sollten Beweise sichern – etwa mit Screenshots – danach den Kontakt sofort blockieren und Hilfe bei Eltern oder anderen Ansprechpersonen suchen.»

Hashtag-Tricks als Pornofalle

Instagram versucht die Pornoflut einzudämmen, mit automatisierten und manuellen Systemen sowie einem Community-Operations-Team, das gegen anstössige Inhalte vorgeht. Offensichtliche Hashtags wie etwa #sex oder #porn hat das Unternehmen schon lange blockiert. Wer es in der Hashtag-Suche eingibt, bekommt keine Ergebnisse geliefert.

Die Macher zwielichtiger Websites finden andere Wege, um ihre Bilder hochzuladen. Sobald ein Hashtag wie #Bitch oder #Sex, #instaporn oder #fuckme gesperrt ist, werden neue ins Leben gerufen. Aus #porno wird #pornös, aus #boobs wird #boobiess. Auch scheinbar harmlose Hashtags entpuppen sich als Pornofalle.

So schützt man sich - Auf Instagram sollte das Profil im Privatmodus eingestellt sein

So schützt man sich - Auf Instagram sollte das Profil im Privatmodus eingestellt sein

- Im Live-Chat sollte man zurückhaltend sein mit persönlichen Infos (Name, Alter, Telefonnummer, Adresse)

- Nicht zu viele Infos in der Biografie preisgeben

- Gesundes Misstrauen: Nicht alles glauben, was geschrieben und gezeigt wird; Profile können gefälscht sein

- Keine Nacktfotos verschicken oder auf einem ungesicherten Gerät speichern. Wenn doch, dann so, dass man nicht erkennbar ist (ohne Gesicht oder andere Hinweise)

- Aufklärungsarbeit: Intensiver Kontakt zwischen Eltern und Kind/Jugendlichen ist gefragt

Cybergrooming ist die gezielte und unerwünschte Anbahnung sexueller Kontakte durch Fremde via Internet. Fast jede dritte junge Person in der Schweiz kennt das, dies belegt eine Studie aus dem Jahr 2017.

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