Neue Massnahmen: So gehen Restaurants und Händler mit dem Corona-Hammer um
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Neue MassnahmenSo gehen Restaurants und Händler mit dem Corona-Hammer um

Die Sperrstunde stellt die Gastrobranche und den stationären Handel vor neue Herausforderungen. Wie gehen die Firmen mit den harten Auflagen um?

von
Raphael Knecht
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Viele Restaurants und Läden, darunter etwa manche Geschäfte im Shopping-Zentrum Sihlcity, öffnen derzeit früher als sonst.
Früher öffnen

Viele Restaurants und Läden, darunter etwa manche Geschäfte im Shopping-Zentrum Sihlcity, öffnen derzeit früher als sonst.

Sihlcity
In einer Reihe von Restaurants der Gastrogesellschaft Bindella gibts neuerdings ein Glas Prosecco pro Person gratis, wenn man zum Abendessen kommt.
Gratis-Prosecco

In einer Reihe von Restaurants der Gastrogesellschaft Bindella gibts neuerdings ein Glas Prosecco pro Person gratis, wenn man zum Abendessen kommt.

Bindella
Wegen der eingeschränkten Öffnungszeiten hat das Old Swiss House in Luzern auch das Menü angepasst. Neu gibt es das Early Dinner Menu.
Neues Menü

Wegen der eingeschränkten Öffnungszeiten hat das Old Swiss House in Luzern auch das Menü angepasst. Neu gibt es das Early Dinner Menu.

Old Swiss House

Darum gehts

  • Von 19 bis 6 Uhr gilt in der Schweiz eine Sperrstunde.

  • Zudem dürfen weniger Leute in die Läden.

  • Die Unternehmen lassen sich teils einiges einfallen, um mit den Massnahmen zurechtzukommen.

Geschäfte und Gastrobetriebe müssen früher schliessen, und weniger Leute dürfen in die Läden – der Corona-Hammer trifft viele Unternehmen hart. Manche von ihnen lassen sich aber einiges einfallen, um mit den neuen Einschränkungen umzugehen. Das sind die verschiedenen Antworten der Restaurants und Händler auf den Corona-Hammer:

Früher öffnen

Die Sperrstunde gilt von 19 bis 6 Uhr. Wenn man früher schliessen muss, muss man halt auch früher öffnen – das denken sich manche Unternehmer derzeit: Viele Läden haben neuerdings bereits früher geöffnet. In der Zürcher Sihlcity etwa öffnen Läden mit grosser Nachfrage, darunter Coop und das Spielwarengeschäft Amsler, neuerdings eine Stunde früher, um 8 Uhr. Auch manche Restaurants, die normalerweise am Abend geöffnet wären, bedienen ihre Gäste neuerdings bereits über Mittag. Dazu gehört etwa das Restaurant Adelboden vom Sternekoch Franz Wiget in Steinen.

Prosecco offerieren

In einer Reihe von Restaurants der Gastrogesellschaft Bindella gibts neuerdings ein Glas Prosecco pro Person gratis, wenn man zum Abendessen kommt. «Jetzt isst die Schweiz um 17 Uhr», lautet der Slogan der Aktion. Der Umsatz am Mittag sei bereits wegen des Aufrufs zu Homeoffice zusammengebrochen, sagt Sprecher Alexander Maycock zu 20 Minuten: «Damit uns nun nicht auch das komplette Abendgeschäft wegbricht, propagieren wir mit einem Augenzwinkern unsere ‹neue Zeitrechnung› und offerieren jedem Gast zum Abendessen ein Glas Prosecco.»

Neues Menü

Wegen der eingeschränkten Öffnungszeiten hat das Old Swiss House in Luzern auch das Menü angepasst. Neu gibt es das Early Dinner Menu. Dabei handelt es sich laut Chef Philipp Buholzer um eine verkleinerte Version des normalen Menüs. Die Auswahl entspreche den typischen Bestellungen: «Die meisten Gäste wollen eh das Schnitzel, und auch das Geschnetzelte mit Rösti ist weiterhin auf dem Menü.» Mit dem reduzierten Menü könne Buholzer einerseits Gerichte eliminieren, deren Zubereitung im kleineren Zeitfenster kaum möglich wäre. Andererseits seien die Kunden aber auch beim Bestellen schneller, weil die Auswahl kleiner sei. «Bei der Bestellung à la carte geht es oft 20 Minuten, bis überhaupt mal alle wissen, was sie wollen.»

Gebäck verteilen

Pro 10 Quadratmeter darf in grösseren Läden seit Mittwoch lediglich eine Person eingelassen werden. Bei kleineren Läden ist es ein Kunde pro 4 Quadratmeter. Die zusätzliche Einschränkung der Einlassregeln hat in einigen Fällen zu Warteschlangen vor den Läden geführt. Im Glattzentrum wurden am Samstag an die wartenden Menschen Tartufi verteilt. Das italienische Süssgebäck sei gut angekommen, sagt Sprecherin Lisa Rennefahrt. Für die Weihnachtszeit plane man, an stark frequentierten Tagen weiterhin Tartufi zu verteilen: «Wir haben nun mehrere Tausend Stück bestellt.»

Durchgehend kochen

Die meisten Restaurants bieten lediglich warme Küche am Mittag und am Abend an – viele bleiben in der Zwischenzeit gar geschlossen. Wegen der Sperrstunde haben sich Rita und Domenico Miggiano vom Gasthof Löwen in Bubikon nun entschieden, neu durchgehend warme Küche bis um 19 Uhr zu bieten. «Im Moment sind wir definitiv darauf angewiesen, so viel Umsatz wie möglich zu generieren», sagt Rita Miggiano zu 20 Minuten. Das Restaurant setzt dabei wie viele andere Betriebe nicht nur auf die Bedienung der Gäste vor Ort, sondern bietet auch Take-away an.

Happy Hour am Morgen

Im Butterbarcafe in Gossau gibt es neuerdings die Happy Hour schon am Morgen: Der Gastrobetrieb öffnet bereits um 9 Uhr die Türen statt erst am Nachmittag. Und bis Mittag gibt es zwei Biere zum Preis von einem. Besonders am Sonntag sei die Öffnung am Vormittag gut angekommen, sagt eine Sprecherin zu 20 Minuten.

Schliessen

Manche Gastronomen sehen sich nicht in der Lage, unter den gegebenen Bedingungen noch zu wirtschaften. Viele Restaurants sind darum komplett oder teilweise geschlossen – oft bis ins nächste Jahr. Für eine teilweise Schliessung hat sich etwa Roland Reutimann vom Restaurant Zum alten Schützenhaus in Schaffhausen entschieden. «Ich schliesse um 17 Uhr, das macht keinen Sinn mehr – da gebe ich meinem Personal lieber frei», sagt er zu 20 Minuten. Wenn zu diesem Zeitpunkt noch Stammgäste da sind, die etwas länger bleiben möchten, betreue er sie noch persönlich. «Aber die Küche bleibt am Abend zu.»

Härtefallprogramm

2,5 Milliarden Franken Corona-Hilfe

Der Bundesrat hat am Freitag das Härtefallprogramm um 1,5 Milliarden Franken aufgestockt. Insgesamt sollen für Firmen, die besonders von den Coronavirus-Schutzmassnahmen betroffen sind, somit 2,5 Milliarden Franken bereitstehen. Damit will der Bund die wirtschaftlichen Schäden abfedern, die durch die neuen Corona-Massnahmen entstehen.

Zudem passt der Bund das bisherige Auswahlkriterium für Härtefälle an: Bisher wurden Firmen als Härtefall gezählt, wenn ihr Umsatz wegen der Massnahmen des Bunds um mindestens 40 Prozent eingebrochen ist. Dieses Kriterium soll künftig nicht mehr zwingend erfüllt sein müssen. Welche Unternehmen genau neu ebenfalls im Rahmen des Härtefallprogramms Geld erhalten können, ist aber noch nicht entschieden. Es würden Lösungen für gesamte Branchen angestrebt, zum Beispiel für die Gastronomie, sagt Finanzminister Ueli Maurer.

Hast du oder jemand, den du kennst, Mühe mit der Corona-Zeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Tel. 147

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