Lieblingsmannschaft(en) - So gehen Secondos mit dem EM-Dilemma um
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Lieblingsmannschaft(en)So gehen Secondos mit dem EM-Dilemma um

Ob als Secondo, Immigrant oder aufgrund der Partnerin: Vier Leser erzählen, wie sie mit der Zwickmühle umgehen, an der kommenden WM mehrere Lieblingsmannschaften zu haben.

von
Michelle Muff
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Am Freitag startet die Europameisterschaft. Für viele Personen beginnt damit auch ein Dilemma: Ihr Herz schlägt nämlich für verschiedene Mannschaften. So auch bei Ivan Audino. 

Am Freitag startet die Europameisterschaft. Für viele Personen beginnt damit auch ein Dilemma: Ihr Herz schlägt nämlich für verschiedene Mannschaften. So auch bei Ivan Audino.

Privat
«Wir schauen die Spiele jeweils als Familie – meine Frau hat ein T-Shirt mit Schweiz-Aufdruck, ich besitze alle Trikots von den Deutschen»: Victor Wolski (37) jubelt für Deutschland und die Schweiz.

«Wir schauen die Spiele jeweils als Familie – meine Frau hat ein T-Shirt mit Schweiz-Aufdruck, ich besitze alle Trikots von den Deutschen»: Victor Wolski (37) jubelt für Deutschland und die Schweiz.

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Der 29-Jährige ist in der Schweiz geboren, kommt ursprünglich aus Italien: «Ich befinde mich deswegen ein bisschen in einem moralischen Dilemma – insbesondere, da ich selber mal in der Schweizer Junioren-Nati gespielt habe.»

Der 29-Jährige ist in der Schweiz geboren, kommt ursprünglich aus Italien: «Ich befinde mich deswegen ein bisschen in einem moralischen Dilemma – insbesondere, da ich selber mal in der Schweizer Junioren-Nati gespielt habe.»

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Darum gehts

  • Mitfiebern, schimpfen und feiern – doch für welche Mannschaft jubelt man an der EM, wenn das Herz für zwei oder gar mehr Parteien schlägt?

  • Vier Leser erzählen, wie sie an der kommenden EM damit umgehen.

K. S. (27): Türkei und Schweiz

Ich komme ursprünglich aus der Türkei, aufgewachsen und studiert habe ich in der Schweiz. Bei uns zuhause wird immer stark für die Türkei mitgefiebert, da meine Verwandtschaft hier in der Schweiz einen grossen Bezug zur türkischen Kultur hat. Ich verfolge dementsprechend auch alle EM-Spiele, bei denen die Türkei spielt, mit grossem Interesse und als grosser Fan. Genauso fiebere ich aber auch für die Schweiz mit – an meinem Auto habe ich eine türkische und ebenso eine Schweizer Fahne angebracht. Ich habe Spass am Fussball und an der EM und freue mich über die Erfolge beider Mannschaften. Ausserdem verbindet die Schweizer Nati mich beim EM-Fieber mit meinen Freunden: Viele fanen ebenfalls für ihr Heimatland, wie aber auch für die Schweiz – so kann man trotzdem gemeinsam für eine Mannschaft mitfiebern. Für das Schweiz-Türkei Spiel hoffe ich, dass es einen fairen Match gibt – den Sieg würde ich beiden gönnen.


Ivan Audino (29): Italien und Schweiz

Ich bin zwar in der Schweiz zur Welt gekommen und aufgewachsen, kulturell fühle ich mich durch meine Familie, die aus Italien stammt, aber mit Italien verbunden. Bezüglich den beiden Fussballmannschaften befinde ich mich deswegen ein bisschen in einem moralischen Dilemma – insbesondere, da ich selber mal in der Schweizer Junioren-Nati gespielt habe. Auch heute spiele ich noch professionell Fussball: Hätte ich die Möglichkeit, würde ich natürlich sofort für die Schweizer Nati spielen. Dennoch werde ich beim Schweiz-Italien-Spiel nächste Woche aus emotionaler Sicht wohl Italien ein bisschen mehr anfeuern. Aber ich gönne der Schweiz natürlich trotzdem jeden Erfolg und freue mich sehr für die Nati, wenn sie gute Resultate erzielen.


Nicolas Horat (26): Portugal und Schweiz

Ich bin Schweizer, meine Lebenspartnerin stammt aber aus Portugal. Wir verfolgen die EM jeweils sehr genau: Wir legen vor EM-Beginn den Spielplan aus und schauen, wann die Schweiz und wann Portugal spielen: Diese Abende sind dann zum Matchschauen reserviert. Natürlich fiebere ich wegen meiner Freundin solidarisch auch für Portugal mit. Bei einem Konkurrenzspiel ist es jedoch klar, dass beide für ihr eigenes Land fanen. Wenn es ein faires Spiel ist, dann verläuft das auch friedlich. Wenn aber der Schiri einen Blödsinn pfeift, können wir schon auch mal sehr hitzig darüber diskutieren, ob es nun ein Foul war oder nicht. Spätestens eine halbe Stunde nach Spielende vertragen wir uns aber wieder. Und: Bei einem Konkurrenzmatch muss derjenige, der für die Verlierer mitfiebert, beim nächsten Spiel das Bier mitbringen.


Victor Wolski (37): Deutschland und Schweiz

Ich bin Deutscher und lebe seit drei Jahren in der Schweiz. Meine Frau und meine Tochter sind Schweizerinnen, deswegen sehe ich die Schweiz als meine neue Heimat. In erster Linie drücke ich den Deutschen die Daumen – trotzdem würde ich mich für die Schweizer freuen, wenn sie so weit wie möglich kommen würden. Ich bin aber froh, dass sie nicht in der gleichen Gruppe spielen. Müssten sie gegeneinander spielen, wäre das bestimmt ein sehr interessantes Spiel – da wäre bei uns zuhause viel los. Wir schauen die Spiele jeweils als Familie – meine Frau hat ein T-Shirt mit Schweiz-Aufdruck, ich besitze alle Trikots von den Deutschen. Wir verfolgen immer gespannt auch die Spiele des anderen – ich fiebere also definitiv auch für die Schweiz mit.

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