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WohnungsmarktSo geht es Schweizer Mietern im Vergleich

Wer in der Schweiz zur Miete wohnt, darf sich über hohe Standards im Wohnungsbau freuen. Dafür geht es anderen Europäern in Sachen Kündigungsschutz besser.

von
Daniela Gschweng

Fast 56 Prozent aller Schweizer mieteten laut Eurostat 2014 eine Wohnung, statt eine zu kaufen. Das ist Spitze in Europa.

In Deutschland, das in seiner Art der Schweiz am nächsten kommt, waren es noch 48 Prozent. Am wenigsten gemietet wird in Rumänien: dort wohnten 96 Prozent der Einwohner in den eigenen vier Wänden.

In Ballungsgebieten ist es überall teuer

Die Voraussetzungen sind nicht überall gleich. «Wer in Spanien umziehen will, kauft sich eine neue Wohnung und verkauft die alte», erklärt Walter Angst, Kommunikationsleiter des Mieterverbandes Zürich. Nur etwa 15 Prozent aller Wohnungen sind überhaupt zu mieten. Wir haben Angst gefragt, wie es Schweizer Mietern im europäischen Vergleich geht.

So teuer sind die Schweizer Mieten gar nicht

Mittel, wie sich herausstellt. Schweizer Mieter geben knapp 24 Prozent ihres verfügbaren Einkommens für die Miete aus. Damit liegen sie im europäischen Mittelfeld. Am meisten berappt man für die Miete in Griechenland – nämlich ein Drittel des Einkommens.

Teuer sind die Mieten in Ballungsgebieten wie Zürich, Basel und Genf. Anderswo ist das aber auch nicht besser. «Zentrumswanderung betrifft alle grossen Städte in Europa», sagt Angst. Von Zuständen wie in London seien die Schweizer Städte jedoch noch weit entfernt.

Dafür können sich Schweizer Mieter freuen, sind die Standards in der Schweiz relativ hoch. Weniger gut sieht es im rechtlichen Bereich aus. Barbara Steenbergen, Vorsitzende des europäischen Mieterverbandes stellt fest: «Die Schweizer Sicherheitslage ist für Mieter nicht gut.» Vor Kündigung seien Schweizer Mieter im Vergleich kaum geschützt.

Kündige der Vermieter, gälten beispielsweise in Schweden, Österreich und Tschechien drei Monate Kündigungsfrist. In Dänemark könne sich abhängig vom Kündigungsgrund die Kündigungsfrist bis zu zwölf Monate erstrecken. In Deutschland hänge sie von der Dauer des Mietverhältnisses ab und betrage zwischen drei und neun Monate, zählt Steenbergen auf. Zusätzlich gelten Härtefallregelungen, etwa für Ruheständler oder Alleinerziehende.

Schnell zur Arbeit, dafür kaum günstiger

Wer aus der Wohnung fliegt oder aus finanziellen Gründen in die Agglomeration ausweichen muss, hat hierzulande dennoch Glück im Unglück: Schlechte Verbindungen oder sehr lange Pendlerzeiten wie im Grossraum Hamburg oder München muss kaum jemand auf sich nehmen. Dafür werde mieten in der Periphere auch nicht viel günstiger, gibt Walter Angst zu bedenken. Ein extremes Mietpreisgefälle zwischen Stadt und Land oder zwischen verschiedenen Regionen gebe es in der Schweiz nicht.

Genossenschaftswohnungen sind eine Schweizer Spezialität

Im Ausland nahezu unbekannt ist auch eine andere Schweizer Spezialität: Genossenschaftlicher Wohnungsbau. Entweder weil Genossenschaftswohnungen privatisiert wurden wie in Osteuropa oder weil Länder gemeinnützigen Wohnungsbau betreiben. «Das hat sich aber in den letzten Jahrzehnten sehr reduziert», gibt Angst an. In den letzten Jahren denke man in vielen Ballungsräumen aber erneut darüber nach.

An steigenden Mieten ändern günstigere Genossenschaftspreise aber nichts. «Ausser auf die Durchschnittsmiete wirkt sich das nicht aus», sagt Angst. Dazu sei das Gesamtangebot zu klein. «Private und genossenschaftliche Wohnungen, das sind zwei völlig unabhängige Märkte», befindet er.

Kaum gebremste Mietsteigerung

Zunehmend schlechter geht es Geringverdienern. «Die unteren Einkommen geraten immer mehr unter die Räder», sagt Angst. «Die Mietzinskontrolle in der Schweiz lässt zu wünschen übrig», befindet Steenbergen. Andere Länder hätten da ganz unterschiedliche Modelle.

In Schweden etwa würden 95 Prozent der Mieten vom Mieterbund verhandelt – so wie Löhne durch die Gewerkschaften, Deutschland kenne seit kurzem die Mietpreisbremse. «Die Niederlande», beschreibt Steenbergen, «haben ein ganz interessantes Modell.» Dort nehme der soziale Wohnungsbau etwa 30 Prozent des Marktes ein, die Mieten sind bei 750 Euro gedeckelt.

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