20.11.2020 15:11

Dating mit MindestabstandSo geht es Singles in der Corona-Zeit

In der Schweiz sind die Clubs geschlossen und ab 23 Uhr ist Sperrstunde. Wie fühlen sich Singles während dieser Zeit? Sind sie wegen Corona auf der Suche nach einer Beziehung? Fünf von ihnen erzählen.

von
Anja Zingg
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Nico (24) ist erst seit kurzem Single. 

Nico (24) ist erst seit kurzem Single.

zvg
«Ich bin nicht der grosse Partygänger, aber dass ich nicht einmal die Option habe, mal im Club die Sau rauszulassen, macht mir zu schaffen», so Nico. (Symbolbild)

«Ich bin nicht der grosse Partygänger, aber dass ich nicht einmal die Option habe, mal im Club die Sau rauszulassen, macht mir zu schaffen», so Nico. (Symbolbild)

Getty Images/iStockphoto
Fabian fühlt sich nicht einsam: «Ich hab viele Kollegen, die ich nach wie vor treffe, das hilft.» (Symbolbild)

Fabian fühlt sich nicht einsam: «Ich hab viele Kollegen, die ich nach wie vor treffe, das hilft.» (Symbolbild)

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Darum gehts

  • Fünf Singles erzählen, wie sie die zweite Corona-Welle erleben.

  • Daten sie noch?

  • Fühlen sie sich einsam?

  • Sylvia Locher, Präsidentin von Pro Single, sieht Vor- und Nachteile bei Alleinstehenden.

Nico, 24

«Bei mir gab es gerade sehr viele Veränderungen. Ich habe mich von meiner Freundin getrennt, mit der ich auch zusammenwohnte. Nun lebe ich das erste Mal allein in einer Wohnung. Ich finde es nicht schlimm, dass man weniger gut daten kann, aber das Sozialleben ist extrem beeinflusst. Ich kann nicht einfach spontan raus und bis ein, zwei Uhr in der Früh mit meinen Kumpels in einer Bar sitzen. Ja, der soziale Kontakt fehlt mir sehr. Ich finde schon, dass uns ein Stück des Soziallebens gestohlen wird – vor allem die Personen zwischen 16 und 30 bekommen das zu spüren. Da ich sowieso kein grosser Clubgänger bin, stört es mich im Moment eigentlich nicht, dass es keine Partys gibt. Aber allein die Tatsache, dass ich nicht einmal die Möglichkeit habe, mal die Sau rauszulassen nach der Trennung, macht mir zu schaffen.»

Fabian, 25

«Ich bin seit einem Monat Single, wäre aber bereit für eine neue Beziehung. Nicht, weil ich mich einsam fühle. Ich bin einfach eher der Beziehungstyp. Aber ich habe viele Kollegen, die ich regelmässig sehe. Im Frühling hatte ich noch eine Freundin, den Lockdown erlebte ich darum anders als die aktuelle Situation. Dass Clubs zu sind, stört mich nicht gross, ich war eh nie ein Clubgänger. Ich lerne Frauen über Dating-Apps kennen und gehe auch regelmässig zu Dates. Aber ich sehe kein Problem darin. Beim ersten Date achte ich sowieso darauf, Abstand zu halten. Angst vor einer Ansteckung habe ich keine.»

Trix

«Normalerweise lerne ich Menschen im Ausgang kennen, face to face. Ich bin eine unkomplizierte Frau, da ergibt sich öfter einmal ein Gespräch. In der Corona-Zeit ist dies sehr schwierig. Ich bin kein Fan von Datingplattformen, von dieser Katalogisierung. Aber Corona hat mich tatsächlich dazu gebracht, dass ich das auch ausprobiert habe. Aber es ist immer noch nicht mein Ding. Es ist fast eklig, was da abgeht. So bin ich gezwungenerweise halt Single, mit wenig Aussicht, in dieser Zeit jemanden zu finden. Was sehr schade ist, denn ich bin so was von ready, jemanden kennen zu lernen, aber das wird sich wohl noch etwas hinziehen.»

Karin

«Ich bin seit drei Jahren Single und finde, die aktuelle Situation ist einfacher als im Frühling. Man weiss bereits, was auf einen zukommt. Einsam fühle ich mich nicht, ich habe ein gutes Umfeld, das ich nach wie vor sehe. Generell treffe ich nicht allzu viele Menschen, das war bereits vor Corona so. Ich kann gut allein sein, das hilft mir in dieser Zeit. Vom Daten lasse ich mich nicht abhalten. Ich denke, es müsste sehr unglücklich laufen, damit ich mich genau bei dieser Person anstecke, die ich gerade treffe.»

Annina

«Ich bin seit 13 Jahren glücklicher Single. Dates fanden vor allem im Ausgang statt. Dort lerne ich immer wieder viele Menschen kennen. Nun fühle ich mich nicht nur allein, auch der Kontakt zu meinem sozialen Umfeld und der Austausch mit meinen Freunden fehlt mir enorm. Eine Alternative wie Internet oder Chats erfüllen nicht meine Anforderungen, jemanden kennen zu lernen.»

Ältere vom Sozialleben ausgeschlossen

«Singles sind nicht einsamer»

Sylvia Locher ist Präsidentin von Pro Single Schweiz, die Interessensgemeinschaft der Alleinstehenden. Sie geht davon aus, dass Singles zur Zeit nicht mehr unter der Situation leiden als Paare. «Gerade was das Homeoffice anbelangt, haben Alleinstehende einen Vorteil: Sie sind es gewohnt, sich auf sich selbst zu verlassen, und sie können im Homeoffice ungestört arbeiten, da sie die Wohnung nicht teilen müssen.» Aber natürlich seien auch die Platzverhältnisse für Alleinstehende eine Herausforderung. «Nicht jeder Single hat eine grosse Wohnung.»

Generell sei jedoch die Perspektive eine andere als im Frühling. «Damals wussten alle: Bald wird es Sommer, dann können wir wieder raus. Jetzt stehen uns aber lange Nächte und kurze Tage bevor. Das drückt auf die Stimmung.» Auch dass Hobbys wie der Tanzkurs oder Sport in grösseren Gruppen nicht mehr möglich sind, bekämen Singles zu spüren. «Wer Single ist, hat seine sozialen Kontakte ausserhalb, nicht zu Hause, wie dies zum Beispiel bei einer Familie der Fall ist. Aber viele treffen sich nun halt nur noch mit ein bis zwei Personen.»

Locher glaubt nicht, dass Singles nun per se einsam seien. «Man kann auch einsam sein, wenn man in einer Partnerschaft ist.» Anders sähe dies bei älteren Personen aus. «Ich hab schon von einigen Personen gehört, die einfach nicht mehr eingeladen werden, weil niemand möchte, dass sie sich anstecken.» Dies sei jedoch sehr schwierig für die Betroffenen. «Sie werden vom Sozialleben ausgeschlossen, ohne dass sie das möchten.»

Hast du oder jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Tel. 147

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78 Kommentare
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DS

21.11.2020, 20:11

Immer dieses Gejammer der Singles. Soll mal jemand fragen, wie wir Familien mit Kleinkindern uns fühlen! Mann und Frau sitzen 24h aufeinander wegen Homeoffice, von Ruhe und mal alleine sein kann man nur noch träumen. Und ständig muss man befürchten, dass die kleinen Kinder, denen man noch keine Hygiene- und Abstandsregeln beibringen kann, sich irgendwo anstecken.

Single

21.11.2020, 20:02

Ich bin 46,nicht Verheiratet,keine kinder. Ich hsbe aber Kinder sehr gerne und umgekehrt auch. Hatte ein paar Freundinnen aber auch nicht lange he he. Wenn ich eine hatte war ich immer unglücklich. Bin auch nicht so der Beziehungstyp,immer mit Kumpels unterwegs gewesen.Die haben mittlerweile 2-3 Kinder und sind immernoch meine Kumpels. Ich bin devinitiv gerne Single einfach frei sein und fühle mich sauwohl ohne Verpflichtungen. Ehrlich gesagt wird man eh zuviel endtäuscht.Ich komme dadurch sehr gut durch die Kriese. Kanns aber verstehen das viele Leute Mühe haben die etwas zabbelig sind :)Ich finde es aber schade das ich in der Schweiz wegen meiner Einstellung wegen Beziehungen etc. als komisch empfunden wird,nur weil ich eine andere Schiene fahr. Das macht mich manchmal nachdenklich aber ich fühle mich doch sauwohl ;)

Pachnes

21.11.2020, 18:19

Meine Lebenspartnerin und ich führen seit 30 Jahren eine Art Singleleben. Jeder wohnt in einer anderen Ortschaft und in der grossen Landwohnung hat jeder sein Stockwerk für sich. Auch im Ferienhaus auf der Insel im Mittelmeer verfügt jeder über seinen Trakt; sogar unsere Yacht ist so aufgeteilt. Wir brauchen die Distanz und leben diese sehr bewusst trotz vielen gemeinsamen Interessen und mit viel Freude. Unseren kleinen, aber sehr erlesenen - auch separaten - Freundeskreis pflegen wir per Telefon. Selten fühlten wir uns so entspannt wie in dieser Zeit.