Berufungschancen, Gerichtskosten, Gefängnis: So gehts jetzt nach dem Vincenz-Urteil weiter
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Berufungschancen, Gerichtskosten, GefängnisSo gehts jetzt nach dem Vincenz-Urteil weiter

Das Zürcher Bezirksgericht hat den Ex-Star-Banker Pierin Vincenz schuldig gesprochen. Doch bis er ins Gefängnis muss, dürften noch Jahre vergehen. 20 Minuten beantwortet die wichtigsten Fragen zum Mega-Prozess. 

von
Fabian Pöschl
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Das Zürcher Bezirksgericht befindet Pierin Vincenz für schuldig. Das will dieser nicht akzeptieren.

Das Zürcher Bezirksgericht befindet Pierin Vincenz für schuldig. Das will dieser nicht akzeptieren.

REUTERS
Vincenz zieht das Urteil weiter ans Obergericht.

Vincenz zieht das Urteil weiter ans Obergericht.

20min/Marco Zangger
Auch sein mitverurteilter Komplize Beat Stocker zieht das Urteil weiter.

Auch sein mitverurteilter Komplize Beat Stocker zieht das Urteil weiter.

20min/Marco Zangger

Darum gehts

  • Ex-Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz ist zu dreidreiviertel Jahren Gefängnis verurteilt worden.

  • Das Bezirksgericht  sprach den Ex-Star-Banker schuldig des Betrugs, der ungetreuen Geschäftsbesorgung und weiteren Delikten.

  • Jetzt ziehen die Parteien das Urteil ans nächsthöhere Gericht weiter.

Der Mega-Prozess am Bezirksgericht Zürich gegen Ex-Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz und seine Komplizen ist vorbei. Der einstige Banker des Jahres muss wegen Betrugs, Veruntreuung, ungetreuer Geschäftsbesorgung und weiteren Delikten für dreidreiviertel Jahre ins Gefängnis.

Neben dubiosen Deals verprasste der aus Funk und Fernsehen bekannte Banker Hunderttausende Franken der Raiffeisen für Exzesse in Stripklubs und üppige Ferien. Ohne die Vorverurteilung durch die Medien wäre seine Strafe noch höher ausgefallen, sagte der vorsitzende Richter.

Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig und können weitergezogen werden. Wann droht Vincenz also die Zelle? 20 Minuten beantwortet die wichtigsten Fragen zum Mega-Prozess.

Wie ist das Urteil zu werten?

Für Wirtschaftsrechtsprofessor Peter V. Kunz ist die Höhe des Strafmasses überraschend hart, wie er zu 20 Minuten sagt. Das Urteil lasse sich aber erst mit der schriftlichen Begründung einordnen, die es etwa in drei Monaten geben soll. In dieser schreibt das Gericht, welche Beweismittel überzeugend waren. In der mündlichen Begründung des Urteils sagte das Gericht nur, dass ein allzu freizügiger Umgang mit Spesen strafbar sein kann. «Das war ein Signal an die Schweizer Geschäftswelt, seriös mit Spesen umzugehen», so Kunz.

Wie gehts jetzt weiter?

Noch ist nichts entschieden. Die beiden Hauptbeschuldigten Pierin Vincenz und Beat Stocker kündigten aber bereits an, dass sie nicht einverstanden sind mit dem Urteil des Bezirksgerichts und Berufung einlegen wollen. Sie werden ans Zürcher Obergericht weiterziehen.

Hat Vincenz Chancen mit seiner Berufung?

Das ist völlig offen. Das höhere Gericht muss die Beweise nochmals studieren und könnte Vincenz entlasten oder die Strafe noch verschärfen. «Jeder Weiterzug ist ein gewisses Glücksspiel», sagt Wirtschaftsrechtsprofessor Kunz.

Wann müsste Vincenz denn ins Gefängnis?

Ob er wirklich ins Gefängnis muss, weiss man wohl erst in zwei bis drei Jahren, wie Rechtsexperte Kunz vermutet. Erst dann hätten das Obergericht und das Bundesgericht in Lausanne über den Fall entschieden.

Kann sich Vincenz die Gerichtsprozesse überhaupt noch leisten?

Das ist fraglich. Der einstige Starbanker verdiente früher Millionen. Doch sein Vermögen wurde von den Behörden beschlagnahmt oder gesperrt. Laut Medienberichten hat er mehrere Millionen Schulden bei Bekannten wie bei Stadler-Chef Peter Spuhler. Das Gericht verdonnerte ihn nun zur Zahlung von Schadenersatz in Millionenhöhe. Ausserdem muss er zusammen mit den weiteren Beschuldigten die Gerichtskosten von 200’000 Franken zahlen. Ein weiterer Prozess dürfte nochmals einige hunderttausend Franken kosten. Dazu kommen die Kosten für seinen Staranwalt, dessen Stundenlohn dürfte sich laut Experten auf mindestens 600 bis 700 Franken pro Stunde belaufen dürfte.

Und wenn er nicht zahlen kann?

Wenn Vincenz die Bussen nicht zahlen könnte, würde er laut Kunz, wie jeder andere Mensch auch, betrieben. Dann könnte ihm der Privatkonkurs drohen. Dieser steht Vincenz auch bevor, wenn ihm neben dem strafrechtlichen Verfahren ein Zivilprozess wegen Schadenersatz aufgebrummt wird mit Zahlungen in Millionenhöhe.

Mit Tänzerin Hotelzimmer verwüstet

Pierin Vincenz soll es vor allem der King’s Club in Zürich angetan haben. Rund 50 Mal verkehrte er zwischen April 2009 und Juni 2015 im damaligen Stripclub und bezahlte die Rechnungen in der Gesamthöhe von 90’000 Franken mit der Firmenkreditkarte. Zahlen sollte die Genossenschaftsbank auch 3800 Franken für ein beschädigtes Hotelzimmer im Park Hyatt in Zürich nach einem Streit mit einer Tänzerin. Ein Nachtessen mit einer Tinder-Bekanntschaft für 700 Franken im Hotel Storchen ging ebenfalls auf Geschäftskosten.

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