Point de Presse - BAG passt Impfschutz von 6 auf 12 Monate an

Point de PresseBAG passt Impfschutz von 6 auf 12 Monate an

Seit Montag können auch Genesene ein Covid-Zertifikat bestellen. Die Experten informieren jetzt über die neusten Corona-Entwicklungen.

von
Newsdesk

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Dienstag, 15.06.2021

Zusammenfassung

Die Verantwortlichen des BAG, der Swiss Science Task Force und auch der Kantone blicken zuversichtlich auf die weiteren Entwicklungen in der Corona-Pandemie. Zurzeit entwickelten sich sämtliche Messgrössen in die richtige Richtung, gab Virginie Masserey vom BAG an einer Pressekonferenz am Dienstagnachmittag bekannt. Auch die Impfstrategie laufe derzeit gut.

Neu gilt laut den Behörden ein Impfschutz von zwölf, statt - wie bisher - sechs Monaten. Dies würde auch in den Covid-Zertifikaten vermerkt, von denen bereits mehrere Hunderttausend herausgegeben wurden. Weiterhin offen ist, ob im Herbst und auch danach weitere Impfungen notwendig sein werden.

Die Verantwortlichen zeigen sich zurzeit noch relativ entspannt, was die Gefahr durch die Delta-Variante angeht. Gemäss Virgnie Masserey sei der aktuelle Entwicklungsstand bei den Ansteckungen in der Schweiz nicht besorgniserregend. Um einer Verbreitung der Variante zuvorzukommen sei aber eine rasch voranschreitende Impfkampagne äusserst wichtig. Der zweite Pieks nützt gemäss Angaben der Expertinnen und Experten besonders gut schwere Verläufe.

Pressekonferenz ist beendet

Die Pressekonferenz ist beendet. Vielen Dank fürs Mitlesen. Eine Zusammenfassung folgt.

Führte AstraZeneca zu mehr Delta-Infektionen in Grossbritannien?

Virginie Masserey mutmasst, dass bei der stärkeren Verbreitung der Delta-Variante auch der grosse Austausch zwischen Indien und Grossbritannien eine Rolle spiele, und nicht nur die, von derjenigen der Schweiz abweichende, Impfstrategie oder die eingesetzten Impfstoffe.

Sind wir zu sorglos geworden?

«Sorglosigkeit ist nie ein guter Ratgeber» sagt Rudolf Hauri. Er gibt aber an, dass die epidemiologische Lage mit den heisseren Temperaturen im Moment sehr günstig sei. Darum befürworte er auch eine wegfallende Maskenpflicht draussen.

Werden die 12 Monate auch anderswo gelten?

«Ja, das erwarten wir», sagt Virginie Masserey, angesprochen auf die neu geregelte Impf-Wirkdauer.

Wie schlimm sind die Impf-Nebenwirkungen?

«Wir erwarteten solche Nebenwirkungen», sagt Virginie Masserey. Die Häufigkeit solcher Meldungen bewege sich zurzeit im normalen Rahmen. Grundsätzlich seien solche körperlichen Reaktionen in dem Sinne positiv zu sehen, dass sie zeigten, dass der Körper auf die Impfung anspreche.

Rudolf Hauri gibt an, dass die Kantonsärzte ebenfalls von einzelnen Nebenwirkungen hörten, insbesondere bei jüngeren Menschen.

Wie sieht es bei der Nepal-Variante aus?

Virginie Masserey kann zurzeit keine Angaben dazu machen.

Stoppt die Delta-Variante die nächsten Öffnungen?

In Grossbritannien haben die Behörden vor kurzem den angekündigten Öffnungsschritt vom 21. Juni verschoben. Die Schweizer Behörden sehen die aktuelle Gefahrenlage gemäss Virginie Masserey zurzeit nicht so akut.

Was machen die Behörden gegen eine Ausbreitung der Delta-Variante?

Virginie Masserey vergleicht die aktuelle Situation mit der Verbreitung der Alpha (ehemals britische) Variante vor einigen Monaten. Die Impfkampagne stehe nun im Zentrum, um möglichst viele Ansteckungen mit der Delta-Variante, bei denen es zu schweren Verläufen kommt, zu verhindern. «Wir versuchen diesen Moment hinauszuzögern.»

Die Delta-Zahlen wachsen - müssen wir uns Sorgen machen?

Virginie Masserey merkt an, dass zurzeit noch Wellenbewegungen bei den Ansteckungszahlen mit der Delta-Variante zu beobachten seien. Allerdings müssen der Bund und die Kantone die Entwicklung nach wie vor eng begleiten, unter anderem durch häufiges Sequenzieren. Ausserdem ruft Masserey erneut zum Impfen auf.

Folgt im Herbst erneut das grosse Impfen?

Virginie Masserey erwartet aufgrund der neuen Bestimmungen, wonach die Impfungen bis zu zwölf Monate wirken sollen, nicht, dass Auffrischimpfungen vor 2022 nötig sein werden.

Bezüglich der Grippeimpfung analysiere man zurzeit die Entwicklungen auf der Südhalbkugel, wo nun der Winter anfängt.

Wie gefährlich ist die Delta-Variante für die Schweiz?

Jan-Egbert Sturm erklärt, dass die Schweiz – wie ganz Kontinentaleuropa – derzeit noch weniger stark von der Delta-Variante betroffen ist als Grossbritannien. Dass Grossbritannien viele Zweitimpfungen aufgeschoben habe, könnte ein Grund dafür sein, gibt Sturm an.

Auf die Bemerkung des Journalisten, dass die Quote für Erstimpfungen für Grossbritannien zurzeit ebenfalls noch höher ist als in der Schweiz, sagt Sturm, dass man die Entwicklungen weiterhin eng begleiten wird.

Fragerunde beginnt

Die anwesenden Journalisten und Journalistinnen können nun Fragen stellen.

Zweite Impfung schützt vor Delta

Die Science Task Force erklärt, dass die zweite Impfung gut gegen die neue Delta-Variante, die derzeit etwa in Grossbritannien vermehrt festgestellt wird, wirkt. Nach einer ersten Impfung sei der Schutz aber noch ungenügend. Deshalb sei es wichtig, dass die Schweiz mit Vorsicht öffnet und sicherstellt, dass so viele Menschen wie möglich doppelt geimpft werden.

Wirtschaft hat sich gut erholt

Der Ökonom Jan-Egbert Sturm, Vizepräsident, National COVID-19 Science Task Force zeichnet ebenfalls ein positives Bild der aktuellen Situation. Die Schweiz habe auch dank den verschiedenen getroffenen Massnahmen das Schlimmste abwenden können.

Die Unternehmen seien heute wieder bereit zu investieren. Auch der Privatkonsum zieht laut Sturm wieder an, da die Menschen das gesparte Geld nun auszugeben beginnen. Ein besonderes Augenmerk müsse man weiterhin auf die besonders betroffenen Branchen, wie Verkehr oder Gastronomie werfen.

Negativ sieht Sturm, dass in den vergangenen anderthalb Jahren besonders diejenigen Bevölkerungsschichten von der Pandemie getroffen wurden, die ohnehin schon weniger Mittel zur Verfügung hätten.

Stand Teststrategie

Rudolf Hauri gibt sich zufrieden mit der aktuellen Test-Strategie des Bundes. Die Tests in Unternehmen funktionieren gemäss Hauri so gut, dass die Kontakt-Quarantäne mittlerweile nur noch selten ausgesprochen werden müsse.

Hauri sagt auch, dass eine Lockerung der Maskenpflicht nun ins Auge gefasst werden kann – allerdings nur in vorsichtigen, kleinen Schritten: «Wir alle wünschen uns einen schönen Sommer und einen stabilen Herbst.»

Stand Impfstrategie

Der Zuger Kantonsarzt Rudolf Hauri gibt einen Überblick zum aktuellen Stand der Impf-Strategie. Bei zunehmender Impf-Quote würden nun flexiblere Einsätze ins Auge gefasst. Dazu gehören mobile Impf-Stationen, aber auch erweiterte Öffnungszeiten, die Impfungen auch zu Randzeiten ermöglichen.

Bei der Notwendigkeit von Auffrisch-Impfungen besteht laut Hauri noch keine Klarheit.

Covid-Zertifikat wird ausgerollt

Bis Ende Juni soll das Covid-Zertifikat für Geimpfte, Genesene und Getestete in der ganzen Schweiz zur Verfügung stehen. Bereits seien gemäss Masserey mehrere hunderttausend Covid-Zertifikate verteilt worden.

Impfdosen für die Welt

Virginie Masserey kündigt an, dass die Schweiz künftig Impfdosen an ärmere Länder verteilen könne. «Wir werden keine Impfdosen einlagern», sagt sie und spricht damit diejenigen Impfungen an, die (noch) nicht zugelassen sind in der Schweiz. Es könnten bis zu drei Millionen Dosen von AstraZeneca über die weltweite Initiative Covax weltweit verteilt werden. Hierzu stehe die Schweiz in einem engen Austausch mit der EU.

12 Monate Impfschutz

Virginie Masserey kündigt an, dass die Behörden künftig von einem Impfschutz von 12 Monaten, statt wie bisher nur sechs Monaten, ausgehen. Der längere Zeitraum wird auch in den Covid-Zertifikaten berücksichtigt.