Unheimlicher Datenkrake: So gelangen Sie an Ihre Facebook-Fiche

Aktualisiert

Unheimlicher DatenkrakeSo gelangen Sie an Ihre Facebook-Fiche

Das grösste soziale Netzwerk sammelt heimlich Unmengen von Daten über jedes Mitglied. 20 Minuten Online zeigt, wie Sie Facebook zur Herausgabe Ihrer persönlichen Akte auffordern können.

von
O. Wietlisbach

Was kaum ein Nutzer des grössten sozialen Netzwerks weiss: Facebook ist verpflichtet, sämtliche über einen Nutzer gespeicherten Daten auf Verlangen des Mitgliedes herauszugeben. Konkret kann man eine Daten-CD anfordern, die mehrere hundert Megabyte und über tausend Seiten an persönlichen Informationen enthalten kann.

Die Rede ist nicht nur von den offensichtlichen Informationen, die man selbst in sein Profil einträgt. Sondern von allen Daten, die im Hintergrund, für den User unsichtbar, mit dem Profil verknüpft und gespeichert werden. Hierzu zählen laut Datenschutz-Aktivisten heikle Informationen wie Veranstaltungseinladungen zu politischen Demonstrationen oder die sexuelle Orientierung von anderen Personen.

Die persönliche Facebook-Akte anfordern kann man über eine gut «versteckte» Seite auf Facebook. Das Antrags-Formular ist allerdings nicht nur schwierig zu finden, Facebook legt den Usern, die Einsicht in ihre Akten anstreben, weitere Steine in den Weg. 20 Minuten Online zeigt in der obigen Bildstrecke, wie Sie Facebook zur Herausgabe Ihrer persönlichen Daten auffordern können.

Verzögerungstaktik

Versuchte Facebook neugierige Nutzer, die Einsicht verlangten, bislang möglichst lange hinzuhalten, «mauert» Zuckerbergs Social-Media-Plattform «nun total», wie die österreichischen Datenschutz-Aktivisten der Initiative «Europe versus Facebook» in einer Medienmitteilung schreiben.

Die rund zehn jungen Wiener um den Jus-Studenten Max Schrems haben in den letzten Wochen 22 Beschwerden gegen Facebook bei den irischen Datenschutzbehörden eingereicht. Die Aktivisten kritisieren, dass gelöschte Bilder, Kommentare und andere Daten nach der Kündigung des Kontos nicht gelöscht, sondern lediglich unsichtbar gemacht werden. Angeprangert wird auch der «Like»-Button, der Facebook das Ausspionieren der Nutzer erlaube, selbst wenn sie nicht bei Facebook angemeldet sind (20 Minuten Online berichtete).

Nachdem die irische Datenschutzbehörde nach der Beschwerdeflut vor drei Wochen eine Durchsuchung des internationalen Facebook-Hauptquartiers in Dublin angekündigt hatte, erweckte Facebook zunächst den Eindruck, den Prozess der Dateneinsicht vereinfachen zu wollen. Nun vollzieht das soziale Netzwerk eine Kehrtwendung, wie aus einer veröffentlichten E-Mail an die Datenschutz-Aktivisten hervorgeht.

Facebook verweigert Datenherausgabe

Vor rund drei Wochen hatte Facebook nur einen Teil der angeforderten Nutzerdaten herausgegeben, die von der Studentengruppe auf der Website «Europe versus Facebook» veröffentlicht wurden. Um nicht alle Daten herausgeben zu müssen, stellt sich das soziale Netzwerk nun auf den Standpunkt, dass weitere Daten «Geschäftsgeheimnisse» verletzen würden, «überproportional schwierig» zu übermitteln wären und «geistiges Eigentum» von Facebook betreffen würden.

Interessant ist, dass es sich bei den Informationen, die zurückbehalten werden, um die besonders heiklen Daten handelt: Konkret verweigert Facebook laut der Initiative «Europe versus Facebook» die Herausgabe von Informationen aus dem Gesichtserkennungsprogramm, Informationen, die über Nutzer auf externen Webseiten über den Like-Button gesammelt werden sowie Daten aus dem «Friend Finder» und dem Synchronisieren von Handys mit Facebook.

«Gelöschte» Informationen auf Daten-CD

Doch auch die Daten-CD, die Facebook nach einigem Hin und Her den Studenten schickte, hat es in sich: Nach mehrmaligem Nachhaken bekam Datenschutz-Aktivist Schrems eine CD zugeschickt mit einer PDF-Datei, die zahlreiche von ihm eigentlich gelöschte Daten auf Facebook enthielt. Informationen, zu welchen Studentendemos er eingeladen worden war, Verbindungen zu eigentlich gelöschten Personen oder alle gelöschten Nachrichten und Chats. Insgesamt umfasst die Fiche über den Jus-Studenten 1200 A4-Seiten.

«Aus den Datensätzen, welche wir erhalten haben, konnte man sehr sensible Infos herauslesen.» Darunter seien sogar Daten, die er nicht selbst angegeben habe. So fanden sich beispielsweise «Infos über psychische Probleme, politische Überzeugung oder die sexuelle Orientierung von anderen Personen», sagte Schrems Anfang September im Interview mit 20 Minuten Online.

«Gesetze gelten für Facebook anscheinend nicht»

Laut den Datenschutz-Aktivisten haben diese Woche zahlreiche Nutzer, die ihre Daten ebenfalls angefordert haben, eine E-Mail von Facebook erhalten. Darin teile das Unternehmen mit, dass wegen der grossen Zahl von Anfragen die gesetzliche Frist von bis zu 40 Tagen nicht eingehalten werde und es zu «erheblichen Verzögerungen» kommt.

Eine Reaktion, für die Schrems kein Verständnis hat. Erst in den letzten Tagen seien vermutlich grosse Zahlen an Anfragen bei Facebook eingegangen. «Natürlich sind ein paar hundert Anfragen für einen Grosskonzern nicht bearbeitbar - die Gesetze gelten für Facebook anscheinend nicht», schreibt der Jus-Student.

«Facebook muss Anfragen beantworten»

Facebook untersteht, wie alle in der EU ansässigen Unternehmen, der europäischen Datenschutzrichtlinie, da das US-Unternehmen seinen europäischen Firmensitz, wohl aus steuerlichen Gründen, vor drei Jahren nach Irland verlegt hat. «Facebook ist grundsätzlich verpflichtet, Auskunftsbegehren über Datenbearbeitungen einer Person zu beantworten», sagt der Schweizer Datenschützer Hanspeter Thür. Er verweist auf das in Dublin hängige Verfahren, mit welchem die gesamte Datenbearbeitung auf deren Gesetzmässigkeit geprüft werde. «Das Ergebnis der Iren dürfte für alle Länder Europas - auch für uns - massgebend sein», so Thür.

20 Minuten Online hat die gespeicherten Nutzer-Daten auch angefordert und eine Standard-E-Mail erhalten. Facebook werde die Anfrage innerhalb der nächsten 40 Tage bearbeiten, heisst es. Eine Anleitung, wie sie zur Ihrer persönliche Daten-CD kommen, erhalten Sie in der obigen Bildstrecke oder auf der Website «Europe versus Facebook».

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