Aktualisiert 27.04.2020 22:25

Ansturm auf Läden

So ging es am ersten Lockerungstag ab

Pflanzen kaufen, Burger essen und Haare schneiden: Die Wiedereröffnung vieler Geschäfte sorgte für Ausnahmezustände. Ein Überblick.

von
Lena Stadler

Ab Montag herrscht wieder ein kleines Stück Normalität: Die ersten Lockdown-Lockerungen traten in Kraft. Betriebe mit personenbezogenen Dienstleistungen mit Körperkontakt konnten wieder öffnen – zum Beispiel Coiffeurgeschäfte, Massagepraxen, Tattoo-Studios und Kosmetiksalons. Geöffnet wurden auch Bau- und Gartenfachmärkte sowie Gärtnereien und Blumenläden. So sah der Öffnungstag in den verschiedenen Branchen aus.

Baumärkte

Bereits wenige Minuten nach der Wiedereröffnung haben sich vor einigen Baumärkten in der Schweiz lange Schlangen gebildet. In Niederwangen BE musste der Zugang mit Autos zur Bauhaus-Filiale sogar kurz nach sieben Uhr wieder gesperrt werden, damit der Parkplatz nicht überlastet wird. Auch die 20-Minuten-Leser kauften fleissig ein. «Ich war einer der ersten fünf, die einkaufen durften», sagt Leser Timothy Müller. Er habe für sein Lockdown-Projekt – einen neuen Gartensitzplatz – eingekauft.

Ansturm auf einen Baumarkt in Zürich (Video: 20 Minuten)

McDonald's

Die Parkplätze vor den McDonald's-Filialen waren am Montagmorgen pumpenvoll, vor den Drive-ins bildeten sich lange Autokolonnen. Leser Stefan T. ass im McDonald's Spiez den ersten Big Mac nach dem Lockdown: «Die Vorfreude war riesig.» Obwohl es beim Drive-in einen regelrechten Ansturm gab, sei alles sehr schnell und stressfrei abgelaufen. Das Warten habe sich gelohnt: «Der Big Mac hat sensationell geschmeckt.»

Mediensprecherin Deborah Murith im Interview. (Video: 20 Minuten)

Tattoo-Studios

«Ich war froh, wieder arbeiten zu dürfen», sagt die Tätowiererin Denise del Conte gegenüber 20 Minuten. Sie habe keine Angst gehabt, an den Arbeitsplatz zurückzukehren: «Wenn beide einen Mundschutz anhaben, dann ist das kein Problem.» Auch andere Studios konnten wiedereröffnen: Das Zürcher Studio World's End Tattoo deckte sich im Vorfeld mit tausend Gesichtsmasken ein. Zudem wird der Ladenbesitzer keine Laufkundschaft mehr empfangen und Kunden dürfen keine Begleitung mitbringen.

Coiffeursalons

Die Vorfreude war bei vielen gross, endlich wieder zum Coiffeur zu gehen. Das Coiffeurgeschäft André Joe am Hauptbahnhof Zürich wurde von Kunden überrannt: «Schon eine halbe Stunde vor der Öffnung gab es eine lange Warteschlange», sagt Inhaber Andrew Tresch gegenüber 20 Minuten. Heute seien sie schon komplett ausgebucht und der Ansturm nehme auch in den nächsten Tagen nicht ab. Leserin Nicole W. stand extra früh auf, um im Coiffeur Zentrum Hinwil Renata Esposito die Haare zu schneiden – der Termin war um sechs Uhr morgens. «Ich habe mich sehr gefreut. Nach dem Haareschneiden fühle ich mich gleich leichter.»

Nagelstudios

Das Nagelstudio Fiveandfive in Turbenthal freut sich auf den Neuanfang: «Wieder mit Vollgas bei der Arbeit und natürlich mit dem höchsten Hygieneniveau!» Auch das Nagelstudio Sarah in Hornussen AG durfte wieder öffnen: «Das Studio gibt es seit 23 Jahren und so eine Ausnahmesituation hat es noch nie gegeben», sagt die Besitzerin.

Das bedeutet die erste Lockerung für den 11. Mai

Am 11. Mai erfolgt voraussichtlich der zweite Lockerungsschritt mit der Öffnung aller Geschäfte. Der Schweizerische Gewerbeverband sieht dem diesem Tag positiv entgegen: «Die Schutzkonzepte sind bereit. Wir hätten auch schon heute alle Läden öffnen können», sagt Sprecherin Corinne Aeberhard. Kleinere Läden könnten die Vorschriften sogar besser umsetzen als grosse Baumärkte, die am Montag einen grossen Kundenansturm erlebten: «Eine kleine Ladenfläche kann man besser kontrollieren und es kommt zu keinen grossen Menschenansammlungen.» Aeberhard hofft, dass die Bevölkerung das Angebot ab dem 11. Mai auch nutzen wird: «Das grosse Shopping-Fieber wird aber nicht ausbrechen, da viele wegen der Coronakrise in finanziellen Schwierigkeiten stecken.»

Auch Sara Stalder vom Konsumentenschutz glaubt nicht an einen grossen Ansturm am 11. Mai: «In vielen Bereichen wurde der Bedarf über Onlinekäufe abgedeckt und viele Leute meiden das Gedränge. Der Andrang am Montag hat aber gezeigt, dass die Wiedereröffnung viel Vorbereitung und Disziplin braucht.» Stalder sieht die Branchenorganisationen in der Pflicht, gute Schutzkonzepte für die Läden zu erarbeiten: «Für die Kunden muss klar sein, wie sie sich verhalten müssen.»

Laut Anne Rubin von der Gewerkschaft Unia braucht es zuerst griffige Schutzkonzepte unter Anhörung der Sozialpartner, damit alle Läden wieder aufgehen können: «Im Detailhandel wird der Mitarbeiterschutz immer noch nicht überall gewährleistet. Das muss unbedingt verbessert werden. Es ist die Pflicht der Arbeitgeber.» Zudem fordert Rubin die Konsumenten dazu auf, die Hygiene- und Verhaltensregeln einzuhalten und Respekt gegenüber dem Personal zu zeigen, das in der Coronakrise eine enorme Leistung erbringe.

Der Bundesrat will am Mittwoch definitiv über die zweite Öffnungsetappe entscheiden.

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