Aktualisiert 20.11.2019 15:19

Hippe Arbeitsplätze

So gross sind die Büros der Schweizer Chefs

Einzelbüros sind out – Firmen geben sich mit neuen Arbeitsmodellen trendig. Doch gelten sie auch für den Chef? 20 Minuten hat nachgefragt.

von
Dominic Benz
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Bei Schweizer Unternehmen boomen neue Arbeitsmodelle. Wie sehen diese aus? Und gibt es das Chefbüro überhaupt noch?

Bei Schweizer Unternehmen boomen neue Arbeitsmodelle. Wie sehen diese aus? Und gibt es das Chefbüro überhaupt noch?

Keystone/Christian Beutler
Beim VZ Vermögenszentrum haben alle einen festen Arbeitsplatz. «Der CEO hat ein kleines Büro in Zürich, die Tür ist immer offen», sagt ein Sprecher auf Anfrage. Das Büro von VZ-Chef Matthias Reinhart ist ungefähr 12 Quadratmeter gross.

Beim VZ Vermögenszentrum haben alle einen festen Arbeitsplatz. «Der CEO hat ein kleines Büro in Zürich, die Tür ist immer offen», sagt ein Sprecher auf Anfrage. Das Büro von VZ-Chef Matthias Reinhart ist ungefähr 12 Quadratmeter gross.

Keystone/Gaetan Bally
Bei Sunrise arbeiten die Angestellten an festen Plätzen. Der Grossteil ist in offenen Räumen angesiedelt. In Zukunft setzt man aber vermehrt auf geteilte Arbeitsplätze, so Sunrise.

Bei Sunrise arbeiten die Angestellten an festen Plätzen. Der Grossteil ist in offenen Räumen angesiedelt. In Zukunft setzt man aber vermehrt auf geteilte Arbeitsplätze, so Sunrise.

Keystone/Thomas Delley

Fixe Arbeitsplätze sind out. Im Trend hingegen liegt der sogenannten Open Workspace: Ob in der Lounge, im Grossraumbüro oder im Chill-Bereich – Angestellte suchen sich täglich selber ihren Lieblingsplatz aus. Arbeiten im Wohlfühlambiente. Flexibilität heisst das Zauberwort. Das ist modern und hip.

Und genau so geben sich auch gern viele Schweizer Firmen. «Solche Arbeitskonzepte haben einen grossen Hipness-Faktor», sagt Arbeitspsychologe Markus Grutsch von der Fachhochschule St. Gallen auf Anfrage. Doch arbeiten auch die obersten Chefs so modern? Und gibt es das klassische Chefbüro überhaupt noch? 20 Minuten hat bei einigen Firmen nachgefragt.

Wie die Chefs und Mitarbeiter bei der Zurich, Axa oder Post arbeiten, sehen Sie in der obigen Bildstrecke.

Keine Chef-Büros bei Digitec Galaxus

Bei Novartis arbeitet rund jeder zehnte Mitarbeiter in einem sogenannten «Flexible Workspace». «Sie haben keinen eigenen dedizierten Arbeitsplatz», teilt der Pharmakonzern mit. Zudem würden fast alle der 13'000 Angestellten in offenen Räumen statt in Einzelbüros arbeiten. Diesem Arbeitskonzept passt sich auch CEO Vas Narasimhan an: Er verzichtet auf ein eigenes Büro und arbeitet mit seinen Kollegen in einem offenen Workspace. Dennoch scheint er Rückzugsmöglichkeiten zu haben. «Selbstverständlich verfügt er jedoch über einen fixen Arbeitsplatz und zusätzlich über ein eigenes Sitzungszimmer», sagt der Sprecher.

Ganz auf Einzelbüros verzichtet Digitec Galaxus. Beim Onlinehändler arbeiten die Angestellten in Open-Workspace-Büros – so auch Chef Florian Teuteberg. Er hat im Grossraumbüro im Zürcher Technopark einen fixen Arbeitsplatz. «Bei uns haben weder der CEO noch sonstige Manager ein eigenes Büro», sagt Sprecher Alex Hämmerli.

Ein grosser Hype

Anders sieht es bei der Swisscom aus. Zwar hat beim Telecom-Konzern rund jeder Dritte keinen fest zugeteilten Arbeitsplatz. Doch bei Chef Urs Schaeppi sieht es weniger hip aus: Er arbeitet noch immer im klassischen Einzelbüro. Dieses ist 16 Quadratmeter gross und befindet sich im bernerischen Worblaufen. Sofern er es nicht braucht, wird es als Sitzungszimmer genutzt, teilt der Telecom-Konzern mit.

Laut Arbeitspsychologe Grutsch haben die Chefbüros aber ausgedient. «Klassische Einzelbüros sind ein Statussymbol und sind nicht mehr unbedingt notwendig.» Für wichtige Sitzungen oder Gespräche müsse es dennoch Rückzugsmöglichkeiten geben.

Im Trend hingegen liegen neue Arbeitsmodelle. Um diese herrscht gemäss Grutsch ein grosser Hype. Er warnt: «Davon dürfen wir uns nicht blenden lassen.» Solche Konzepte würden nur mit einem entsprechenden Führungsstil Sinn machen. Denn flexible Arbeitsplätze schafften Freiräume und verlangten von den Angestellten ein hohes Mass an Selbstorganisation und Planung. So sollten auch die Chefs Verantwortung abgeben und nicht ständig kontrollieren. «Mit Infrastrukturen können sich Unternehmen modern geben. Die Konzepte brechen aber zusammen, wenn die Führung in alten Mustern denkt», sagt Grutsch.

Nicht zuletzt sparen die Unternehmen mit neuen Arbeitsmodellen viel Geld. «Mit Desk-Sharing oder mobilem Arbeiten kann Bürofläche reduziert werden», erklärt der Experte.

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