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«Bachelorette»So grotesk, dass es schon wieder unterhaltsam ist

Natürlich: «Gehaltvoll» ist nicht unbedingt der Ausdruck, der mit der «Bachelorette» in Verbindung gebracht wird. Doch die aktuelle Staffel setzt noch einen drauf.

von
Yves Schott

Böser Blick, dunkle Augen, furchteinflössende Stimme. Die Wahrsagerin, auf die drei der «Bachelorette»-Kandidaten in der Folge vom Montag treffen, sieht aus wie eine Mischung aus Lara Croft und Cruella de Vil. Anhand des Blutes der Kandidaten, das sie mit jenem von Rosenkavalierin Zaklina vermischt, findet sie heraus, wer zur Aargauerin passt.

«Er hat viel Liebe zu geben», sagt die mysteriöse Frau über Teilnehmer Leonardo. «Aber nicht für dich.» Peng, das sitzt. Zaklina meint daraufhin: «Ich möchte meine Meinung nicht von einer Wahrsagerin beeinflussen lassen.» Trotzdem schickt die 29-Jährige Leo in die Villa. Die Begründung? Die Aussage der Lady in Black habe sie «verunsichert». Ja ist denn heute 1. April? Auf Phuket, wo die 3+-Show vorproduziert wurde, offenbar schon. Und zwar täglich.

Massieren geht über studieren

Nächstes Beispiel: Zaklina bittet Oliver und Michael zur Massage. Weil es zu wenige Liegebetten für alle hat, legen statt der Masseurinnen die beiden männlichen Muskel-Wonneproppen gleich selbst Hand an. Oliver nimmt sich Zaklinas Rücken vor, Michael die Beine und Füsse – wie zwei lüsterne Onkel.

Nein, die Sendung stand noch nie für anspruchsvolle Unterhaltung. «Die Bachelorette» und Gehalt, das ist wie Hund und Katz. Wie Donald Duck und Gustav Gans, Real Madrid vs. Barcelona. Aber die aktuelle Staffel übertrifft sich in dieser Hinsicht gleich selbst. Schliesslich durften die Kandidaten für Zaklina auch schon Holz hacken und um die Wette planschen. Kneifen? Etwas für Pfeifen.

Daumen hoch für Zaklina

Der ganz normale Wahnsinn, wie ihn Udo Jürgens schon 2011 besungen hat – er existiert tatsächlich. In Form einer rothaarigen Reality-Aphrodite in Menschengestalt und ihrer testosterongetriebenen Lemminge. Blind agieren sie, wie ihnen geheissen. So kennen sie es auch von Facebook: einfach mal liken.

«Die Bachelorette» respektive ihr männliches Pendant hat in der Schweiz schon viele Geschichten geschrieben. Vujo, Chefintellektueller in Bachelors Gnaden, liess sich einst ein Feuerwerk einfallen. Aus Mangel an Gläsern wurde aus einem Schuh Champagner getrunken. Schlimmer gehts nimmer? Aber nicht doch.

Bei aller Kritik: Der Erfolg gibt den Machern recht. Das Reality-Format – ein Publikumsmagnet. Gnadenlos unterhaltsam. So hoch die Quoten, so tief die Klasse. Wobei genau diese Anspruchslosigkeit eine Grundvoraussetzung für das Gelingen der Show darstellt. Und das ist ja dann auch wieder eine Art Höhepunkt.

Wer am Montag ausgeschieden ist und wieso Sid für einen Eklat sorgte, sehen Sie in der Bildstrecke.

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