Aktualisiert

Roger Federer«So gut hat er gegen mich noch nie serviert»

Roger Federer findet im Basel-Halbfinal erneut einen Ausweg aus dem Aufschlaggewitter von Ivo Karlovic. An ein Break im dritten Satz glaubte er jedoch nicht mehr.

von
Kai Müller

Roger Federer brauchte das Wort mehrmals, um seinen Gemütszustand nach dem 7:6, 3:6, 6:3 gegen den kroatischen 2,11-Meter-Mann Ivo Karlovic zu beschreiben: erleichtert. Ein Treffenderes gab es auch nicht nach den 102 Minuten, die er zuvor in der St. Jakobshalle erlebt hatte.

33 Asse hatte er über sich ergehen lassen müssen, 74 Prozent der ersten Aufschläge von Karlovic landeten im Feld. Und selbst die zweiten schossen regelmässig mit gegen 200 km/h übers Netz. «Ich habe zwar nicht alle unsere Spiele im Kopf, aber so gut hat er noch nie serviert gegen mich», sagte Federer nach seinem zwölften Sieg im 13. Duell mit dem Hünen. «Das war beeindruckend und verdient höchsten Respekt.»

Die Ohnmacht als Rückschläger

Sah es in den ersten paar Games noch aus, als könnte Federer die Aufschläge lesen, stand er diesen bald ohnmächtig gegenüber. «Ich wusste wirklich nicht, wohin er servieren wird. Ich hatte den Eindruck, dass ich mich immer für die falsche Ecke entschied. Und selbst wenn ich dran war, hatte ich nicht das Gefühl, den Punkt machen zu können», sagte der Weltranglistenzweite. Deshalb habe er auch nicht an ein Break im dritten Satz geglaubt, das ihm wider Erwarten zum 3:1 gelungen war.

Während Federer ruhig blieb und die Stärke des Gegners gleichmütig anerkannte, bewegte sich das Basler Publikum zunehmend an der Grenze zur Unsportlichkeit. Zu Beginn des dritten Satzes wurden Servicefehler des Kroaten beklatscht, seine Punkte hingegen immer spärlicher. «Ich glaube nicht, dass die Leute etwas gegen Karlovic hatten, sondern dass das Ausdruck ihrer Frustration war. So gesehen, war das fast ein Kompliment für ihn», sagte Federer und ergänzte: «Aber klar, man will nicht sehen, dass die Leute gegen den Gegner applaudieren. Sie sollen mich unterstützen und schöne Punkte beklatschen.»

Die Nummer 1 rückt näher

Im Final vom Sonntag (14.30 Uhr), seinem neunten in Folge und elften insgesamt an den Swiss Indoors, bekommt es Federer zum zweiten Mal nach dem French-Open-Achtelfinal 2012 mit David Goffin zu tun. Er erwartet eine schwierige Partie um seinen 82. Titel, weil sich der 23-jährige Belgier einer ausgezeichneten Form erfreut. «Er beherrscht alle Schläge und ist schnell. Ich war damals in Paris schon überrascht, wie stark er aufspielte», sagte Federer.

Goffin gewann 43 seiner letzten 45 Partien und strotzt vor Selbstvertrauen. Federer, selber schon oft Seriensieger, weiss, was für einen Unterschied ein solches Hoch machen kann: «Du fühlst dich wohl in deiner Haut, auch in schwierigen Momenten. Du hast keine Zweifel, bist positiv, und statt fünf ziehst du 15 starke Minuten ein. Alles geht ein bisschen einfacher.»

Für den 33-Jährigen stehen in seinem 123. Final auf der ATP-Tour auch wichtige Punkte im Kampf um die Nummer 1 auf dem Spiel. Mit einem Triumph würde Federer im Jahresranking, das Ende Saison identisch mit der Weltrangliste ist, bis auf 490 Punkte an Novak Djokovic heranrücken. Nächste Woche in Paris-Bercy sind deren 1000 zu vergeben.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.