Pirmin Schwegler: «So gut lief es mir noch nie»
Aktualisiert

Pirmin Schwegler«So gut lief es mir noch nie»

Pirmin Schwegler (25) befindet sich mit Eintracht Frankfurt auf dem Höhenflug. Der Captain der Hessen spricht über die Gründe dafür, die Festtags-Vorfreude und seine Kindheit mit Krebs.

von
Andy Huber

20 Minuten: Pirmin Schwegler, vom «kicker» wurden Sie nach dem 4:1 gegen Bremen zum dritten Mal in dieser Saison ins Team der Runde gewählt, Ihr Notendurchschnitt liegt beim Fachblatt bei 2,7 – sind Sie in der Form Ihres Lebens?

Pirmin Schwegler: Nun, ich hoffe, dass ich noch ein paar Jahre spielen kann und mich noch verbessern werde. Aber ich denke schon, dass dies meine bisher beste Saison ist – so gut lief es mir noch nie.

Woran liegt das?

Ich wurde diese Hinrunde von schweren Verletzungen verschont und bin körperlich auf sehr gutem Niveau. Zudem beflügelt mich mein Amt als Captain bei Frankfurt. Es ist eine Rolle, an der ich ständig wachse. Auf dem Platz gefällt es mir, im Mittelfeld entscheidenden Einfluss auf unser Spiel nehmen zu können. Daneben schätze ich den Kontakt zu unserem Trainer Armin Veh, der mich an seinen Gedankengängen teilnehmen lässt und mich auch mal um meine Meinung fragt. Er hat seine klaren Ideen und lässt sich von aussen nicht beeinflussen. Und vor allem interessiert ihn bei einem Fussballer in erster Linie der Mensch.

Wie erklären Sie sich den Höhenflug der Eintracht als Aufsteiger?

Für uns alle ist es überraschend, als Vierter da oben zu stehen. Der gute Saisonstart hat sicherlich vieles erleichtert. Wir haben schnell unser Spiel gefunden, die nötigen Punkte geholt und hatten somit Ruhe im Umfeld und dem Team. Vieles ist auch Kopfsache, und da stimmt es bei uns.

Was liegt für Ihren Klub diese Saison noch drin?

Natürlich wollen wir die Chance packen und weiter Höhenluft schnuppern. Doch wir dürfen jetzt nicht abheben. Das Ziel bleibt der Ligaerhalt. Ist der theoretisch geschafft, darf geträumt werden.

Schwegler trifft gegen Werder

Am Samstag treffen Sie auf den VfL Wolfsburg mit Goalie Diego Benaglio. Ein spezielles Spiel?

Es wäre sehr wichtig, mit einem positiven Resultat in die Winterpause zu gehen. Aber das wird nicht einfach. Mir ist natürlich nicht entgangen, dass Diego in toller Form ist. Das mag ich ihm auch gönnen. Aber natürlich würde ich ihm gerne wie vor zwei Jahren, als wir 2:0 gewannen, wieder eine rein machen. Das würde nichts daran ändern, dass wir uns gut verstehen und regelmässigen Kontakt haben. Nur wird da über private Themen und nicht über Fussball gesprochen.

Auch nicht über die Nati? Ihr Trainer Veh hat einmal gesagt, die Schweiz müsse eine sehr gute Mannschaft haben, wenn Sie auf einen wie Pirmin Schwegler verzichten könne ...

(Zögert) Zu diesem Thema gibt es von meiner Seite her nicht viel zu sagen. Ich will mit Leistungen auf mich aufmerksam machen und bin bisher recht gut damit gefahren. Alles andere wird sich ergeben (siehe Infobox).

Die Weihnachtszeit steht an. Wo werden Sie die Festtage verbringen?

Zuhause bei meiner Familie in der Schweiz. Wir sehen uns ja während der Saison so wenig. Da will ich die Zeit nutzen, um bei meinen Liebsten zu sein. Ich bin ein Familienmensch und deshalb freue ich mich darauf, mit meinen Eltern, mit meinem Bruder Christian zusammen zu sein.

Ihr Bruder ist Profi bei Red Bull Salzburg. Geben Sie ihm als Bundesliga-Profi manchmal Ratschläge?

(Lacht) Eher das Gegenteil ist der Fall. Er ist 28 Jahre alt und somit drei Jahre älter als ich. Und als der Ältere hat er schon von Kindesbeinen an immer auf mich geschaut. Wir haben einen ganz engen Draht und ich verlasse mich auch heute noch auf seinen Ratschlag – unabhängig davon wie unsere Karrieren verlaufen.

Was wünschen Sie sich für das Jahr 2013?

Gesundheit! Das ist mein einziger Wunsch. Alles andere ist nebensächlich.

Sie sind als knapp Zweijähriger an Leukämie erkrankt. Wie sehr hat Sie diese Krankheit geprägt?

Die Krankheit hat mich und meine Familie zusammengeschweisst. Schliesslich sagten die Ärzte meinen Eltern damals, dass meine Überlebenschancen bei zehn Prozent liegen würden. Es folgten viele Chemotherapien. Aber als Kind bekam ich das alles gar nicht so richtig mit. Mit den Jahren habe ich mich bei den Nachbehandlungen jedoch intensiv mit dem Krebs befasst und mir wurde bewusst, was für ein unwahrscheinliches Glück ich hatte, dass ich heute gesund bin. Deshalb setze ich mich auch intensiv für die Berner Stiftung für krebskranke Kinder und Jugendliche ein.

Hitzfeld: Schwegler ist keiner für die Bank

Die Frage an Ottmar Hitzfeld drängt sich auf: Warum gehört Pirmin Schwegler mit seinen konstant starken Leistungen nicht zum Kader der Schweizer Nati? Hitzfeld betont: «Ich bin mit Pirmin in Kontakt und habe ihm die Situation erklärt. Ich baue nun mal im Mittelfeld auf das erfolgreiche Trio von Napoli.» Nati-Captain Gökhan Inler, Valon Behrami sowie Blerim Dzemaili und als Ergänzung Gelson Fernandes (von Sporting Lissabon) stehen dem elffachen Internationalen Schwegler also weiter vor der Sonne.

Doch Hitzfeld fügt entschieden an: «Ich habe überhaupt kein Problem damit, Pirmin aufzubieten und von Beginn an spielen zu lassen, wenn sich die Situation ergibt und einer der Stammkräfte fehlt. Aber als Spieler auf die Bank berufe ich ihn nicht.» Nur als Ersatz ist ihm der Innerschweizer «zu schade». Schwegler und die Nati: Die Beziehung ist nicht zerbrochen – sie ruht nur. (ahu)

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