Martin Künzle über Ammann: «So habe ich Simon noch nie erlebt»
Aktualisiert

Martin Künzle über Ammann«So habe ich Simon noch nie erlebt»

Simon Ammanns Auftritte in Sotschi misslingen komplett. Der vierfache Olympiasieger ist kurz nach dem Wettkampf verzweifelt und völlig aufgelöst.

von
Franziska Burkhard
Krasnaja Poljana

Es hat für Simon Ammann auch auf der Grossschanze nicht geklappt. Nach seinem letzten Olympia-Sprung macht er erst einen gefassten Eindruck, nur wenig später lösen die Geschehnisse beim erfolgreichsten Winterolympioniken der Schweiz Verzweiflung aus.

Nach seinem 23. Rang auf der Grossschanze kann der Toggenburger die Tränen im Gespräch mit den Journalisten nicht zurückhalten. Ammann ist völlig aufgelöst, wirkt beinahe verwirrt. Selbst die Schweizer Schreiberlinge, die ihm gegenübersitzen, müssen leer schlucken. Wie sich der Skispringer nach diesem Rückschlag fühlt, beschreibt er so: «Man arbeitet drei Jahre auf etwas hin und dann im entscheidenden Moment klappt es nicht und man fühlt sich wie ein Depp.»

Bei der Suche nach Fehlern kommt das Experiment mit dem neuen Schuh zur Sprache. Es wurde versucht, einen neuen Karbon-Innenschuh zu entwickeln. Die Zeit erwies sich aber als zu knapp. Im Gegensatz zu anderen Jahren hat es für den Skispringer im Punkt Innovation nicht funktioniert. «Der Schuh hat so gedrückt, wir mussten wieder auf den alten zurückgreifen», erzählt Ammann. Dann ist Schluss. Nach wenigen Minuten bricht der 32-Jährige das Gespräch mit den Journalisten ab. Zu gross ist die Enttäuschung, zu wenig kann er sich unter Kontrolle halten.

Verhältnisse liessen nicht mehr zu

Ammanns Trainer Martin Künzle bringt etwas Klarheit in die Geschehnisse: «Heute war der Schuh nicht das Problem. Mit den Verhältnissen beim ersten Sprung hatte er keine Chance.» Der zweite Sprung hingegen, sei der beste gewesen, der sein Schützling in Sotschi gezeigt habe. «Mit zwei solchen Sprüngen wäre er vorne mit dabei gewesen», ist Künzle überzeugt und fügt hinzu: «Bei diesen Verhältnissen ist es halt aber einfach Pech.» Da könne man es gut verstehen, dass Ammann so aufgelöst und etwas verwirrt sei. Aber auch der Coach und langjährige Freund weiss in diesem Moment nicht genau, was in Ammanns Kopf vorgeht: «Auch ich habe ihn so noch nie erlebt».

Die Hauptursache, dass das «Projekt Sotschi», bei welchem sich Ammann selbst enorm viel vorgenommen und Druck aufgesetzt hatte, in den unrühmlichen Rängen 17 und 23 endet, sieht Künzle im fehlenden Rhythmus. Ammann hat den Tritt auf den Schanzen von Krasnaja Poljana einfach nicht gefunden. Sport kann grausam sein. Denn jeder in diesem Stadion hätte dem Schweizer einen glorreicheren letzten Olympia-Auftritt gewünscht.

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