100 Mio. Euro – So haben deutsche Behörden Kryptogeld aus Drogendeals verkauft
Publiziert

100 Mio. EuroSo haben deutsche Behörden Kryptogeld aus Drogendeals verkauft

Im deutschen Bundesland Hessen machte die Polizei eine Bande dingfest, die im Darknet Drogen verkauft hat. Das beschlagnahmte Kryptovermögen stellte die Behörden vor eine Herausforderung.

1 / 4
Eine dreiköpfige Bande handelte im Darknet im grossen Stil mit Drogen und wickelte die illegalen Geschäfte mit zehn verschiedenen Kryptowährungen ab.

Eine dreiköpfige Bande handelte im Darknet im grossen Stil mit Drogen und wickelte die illegalen Geschäfte mit zehn verschiedenen Kryptowährungen ab.

REUTERS
Bei der Verhaftung  der Beschuldigten fiel das Kryptovermögen in die Hände der Staatsgewalt.

Bei der Verhaftung der Beschuldigten fiel das Kryptovermögen in die Hände der Staatsgewalt.

TAMEDIA AG
In Frankfurt am Main, der deutschen Finanzmetropole schlechthin, wurde ein Bankhaus damit beauftragt, die Krypto-Millionen auf den Markt zu bringen.

In Frankfurt am Main, der deutschen Finanzmetropole schlechthin, wurde ein Bankhaus damit beauftragt, die Krypto-Millionen auf den Markt zu bringen.

REUTERS

Darum gehts

  • Eine Bande nahm durch den Verkauf von Drogen ein Vermögen in Form von Kryptowährungen ein.

  • Bei der Verhaftung der Beschuldigten wurde das Kryptovermögen der Polizei ausgehändigt.

  • Der komplizierte Verkauf der beschlagnahmten Kryptowährungen brachte einen Erlös von rund 100 Millionen Euro.

Frankfurt am Main im Bundesland Hessen gilt als die deutsche Finanzmetropole und damit einhergehend auch als Hochburg der Finanzkriminalität. Der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) ist 2019 ein beachtlicher Fahndungserfolg gelungen.

Eine dreiköpfige Bande hatte via Darknet Drogen im grossen Stil verkauft. Abgewickelt wurden die illegalen Geschäfte mit insgesamt zehn verschiedenen Kryptowährungen. Die Bande flog auf und die Beschuldigten wurden zu fünf bis acht Jahren Gefängnis verurteilt.

Dass die Strafen relativ mild ausgefallen sind, könnte damit zusammenhängen, dass die Verurteilten mit der Polizei kooperiert und ihr Kryptovermögen den Ermittlerinnen und Ermittlern ausgehändigt haben. Das Bundesland Hessen, dessen Schulden auf rund 44 Milliarden Euro geschätzt wird, war auf einen Schlag im Besitz von Kryptowährungen im Wert von rund 100 Millionen Euro. Doch ein Verkauf einer solchen Menge – und erst noch aus einer solchen Quelle – bringt verschiedene Schwierigkeiten mit sich.

Verkauf stellt Behörden vor Herausforderungen

«Ein paar Bitcoins verwerten, das bekommen wir auch allein hin. Aber dieser Fall lag anders», sagte Oberstaatsanwältin Jana Ringwald dem «Spiegel». «Wir mussten einen hochprofessionellen, regulierten Partner suchen, um unserem gesetzlichen Auftrag gerecht zu werden, die Kryptowerte zu realisieren, ohne den Markt zu beeinflussen», so Ringwald weiter.



Fündig wurde die Behörde beim Frankfurter Bankhaus Scheich, das sich einen Namen in den Bereichen Digitale Assets und Kryptocoins erworben hat. Da die Kryptocoins aus illegalen Geschäften stammen, mussten sie zuerst einem speziellen Verfahren unterzogen werden, damit sie auf Kryptobörsen wieder gehandelt werden können. Bei diesem sogennanten «White Listing» analysieren die Dienstleister die Blockchain und markieren Kryptowerte, die aus kriminellen Geschäften stammen, erläutert Daniel Resas von der Frankfurter Steuer- und Wirtschaftsrechtskanzlei Ypog dem «Spiegel».

Professionelle Krypto-Händler schlagen zu

In einer Blockchain wird registriert, wem welcher Bitcoin gehört und wann er den Besitzer wechselt. Nach diesem Verfahren konnte mit dem beschlagnahmten Kryptovermögen schliesslich gehandelt werden. Rund 20 Kundinnen und Kunden des Bankhauses Scheich haben per Telefonhandel zugeschlagen – dabei soll es sich um professionelle Kryptohändlerinnen und -händler gehandelt haben. Laut dem Bankhaus Scheich dauerte der Abverkauf der Kryptowährungen eine Woche. Am 20. Dezember war der gesamte Handel abgeschlossen.

Die rechtliche Begleitung des Projekts erfolgte durch die Anwälte von Ypog um Daniel Resas. «Es ist in Deutschland das erste Mal, dass es zu einer derart hochvolumigen Verwertung beschlagnahmter Kryptowerte gekommen ist. Das hat die Beteiligten nicht nur im Abverkauf vor grosse Herausforderungen gestellt. Vor allem im Umgang mit den geldwäscherechtlichen Anforderungen der Handelsteilnehmer mussten wir praktisch Neuland beschreiten. Ich bin mir sicher, dass wir hier einen neuen Marktstandard für die Verwertung staatlich beschlagnahmter Kryptowerte geschaffen haben», so Resas.

Weil in Hessen damit gerechnet wird, dass es auch künftig zu Beschlagnahmungen von illegal erworbenen Kryptowährungen kommen wird, hat das Bundesland Hessen mit dem Bankhaus Scheich für künftige Verwertungen eine langfristige Rahmenvereinbarung abgeschlossen.

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

(job)

Deine Meinung

6 Kommentare