Aktualisiert 28.11.2016 08:49

Atomausstieg

So haben die AKW-Gemeinden gestimmt

Bis zu 90 Prozent Nein: Die Bürger von Leibstadt, Döttingen, Däniken und Mühleberg wollen ihre Atomkraftwerke noch nicht hergeben.

von
jbu
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Die Stilllegung des AKW Mühleberg ist auch ohne die Initiative bereits geplant, es soll 2019 vom Netz genommen werden. 72.6 Prozent der Bürger legten hier ein Nein in die Urne.

Die Stilllegung des AKW Mühleberg ist auch ohne die Initiative bereits geplant, es soll 2019 vom Netz genommen werden. 72.6 Prozent der Bürger legten hier ein Nein in die Urne.

Die Gemeinde Däniken SO als Standortgemeinde des AKW Gösgen erteilte der Ausstiegsinitiative mit 78.2 Prozent Nein-Stimmen eine Abfuhr.

Die Gemeinde Däniken SO als Standortgemeinde des AKW Gösgen erteilte der Ausstiegsinitiative mit 78.2 Prozent Nein-Stimmen eine Abfuhr.

Das älteste AKW der Welt, Beznau I, steht in der Aargauer Gemeinde Döttingen. Die Einwohner wollen aber nichts von einer Abschaltung wissen, sie stimmten zu 82.6 Prozent Nein.

Das älteste AKW der Welt, Beznau I, steht in der Aargauer Gemeinde Döttingen. Die Einwohner wollen aber nichts von einer Abschaltung wissen, sie stimmten zu 82.6 Prozent Nein.

Mit 95 Prozent Nein-Stimmen werde die Initiative der Grünen in seiner Gemeinde verworfen, prognostizierte Peter Hirt, der Gemeindeammann von Döttingen AG, als 20 Minuten Anfang Monat im Dorf zu Besuch war.

Ganz so deutlich fiel das Verdikt der Döttinger zwar nicht aus –

immerhin 82,6 Prozent der Stimmberechtigten warfen aber ein Nein in die Urne. Beznau I und II, die sich auf dem Gemeindegebiet befinden, dürfen damit bis auf weiteres am Netz bleiben. Auch die anderen Standortgemeinden von Atomkraftwerken haben die Atomausstiegsinitiative wuchtig abgelehnt.

Rekord-Nein in Leibstadt

Fast neun von zehn Personen (89,7%) stimmten in Leibstadt AG Nein. Auch die Nachbargemeinden zeigten sich an der Urne atomfreundlich und schickten die Initiative mit Nein-Stimmenanteilen zwischen 72,6 (Endingen) und 84,6 Prozent (Leuggern) bachab. Im gesamten Kanton Aargau betrug der Nein-Stimmen-Anteil rund 63 Prozent.

Die Gemeinde Däniken SO als Standortgemeinde des AKW Gösgen erteilte der Ausstiegsinitiative mit 78,2 Prozent Nein-Stimmen eine Abfuhr. Umliegende Gemeinden stimmten ebenfalls mit Nein-Stimmenanteilen, die deutlich über dem Solothurner Mittel von 60,5 lagen, gegen die Vorlage. In Mühleberg BE, wo das AKW 2019 abgeschaltet wird, betrug der Anteil der Nein-Stimmen 72,6 Prozent.

Steuersegen und Arbeitsplätze

Das Phänomen ist aus früheren Anti-AKW-Abstimmungen bekannt. Die atomfreundliche Haltung wird meist mit wirtschaftlichen Gründen erklärt, sind doch viele Einwohner als Angestellte oder Angehörige von Angestellten mit den Kraftwerken verbunden.

Hinzu kommt, dass die AKW-Betreiberinnen traditionell gute Steuerzahlerinnen waren – wobei diese Zeiten vielerorts vorbei sind. In Peter Hirts Döttingen zahlte die Axpo etwa 2008 noch 12 Millionen Franken Steuern, letztes Jahr waren es nicht einmal mehr zwei Millionen.

Zu den wirtschaftlichen Gründen kommen psychologische. Anwohner leben seit Jahren in unmittelbarer Nachbarschaft von Kernkraftwerken und haben offenbar Vertrauen in die Betreiber und den Betrieb.

Das sagten die Döttinger vor der Abstimmung zur Atomausstiegsinitiative:

(jbu/sda)

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