Aktualisiert 28.02.2014 21:34

«Rambo: The Videogame»

So hässlich – das muss man gesehen haben

Kabinett des Schreckens: «Rambo: The Videogame» ist nicht nur das übelste Rambo-Spiel aller Zeiten, sondern auch eines der schlechtesten Games je. Ein Grund, es sich anzuschauen.

von
Jan Graber

Über schlechte Game-Umsetzungen von Spielfilmen wurde an dieser Stelle schon berichtet. Kaum je ist die Game-Adaption eines Films erschienen, die der Celluloid-Vorlage gerecht geworden wäre – von wenigen Ausnahmen wie beispielsweise der Umsetzung der «The Lord of the Rings»-Reihe abgesehen. Der Grund für die miese Qualität vieler Film-Games: Sie verkaufen sich von selbst, die Spielentwickler und Film-Lizenzinhaber müssen wenig Aufwand leisten, um auf ihre Kosten zu kommen.

Das müssen sich auch die Entwickler von «Rambo: The Videogame» gedacht haben, denn was sie mit dem dumpfen Actiongame auf den Markt geworfen haben, spottet jedes guten Gamer-Geschmacks. Offensichtlich glaubte Publisher Reef Entertainment so sehr an die Zugkraft des Actionhelden Rambo, dass qualitative Aspekte schlicht keine Rolle mehr gespielt haben.

Ein Schaustück für Gruselfans

Die Qualität ist tatsächlich unter jedem Hund. Das fängt beim Helden selbst an. Der Vietnam-Krieger ist physisch auch in der Realität bereits eine groteske Figur. Im Game jedoch hat Rambos Kopf im Vergleich zum Körper die Dimension eines Medizinballs, und er gleicht mit seinem überdimensionierten Wuschelkopf einem missgestalteten Pudel. Von Hühnerhaut erzeugender Struktur ist auch Rambos Haut: Sie wirkt so wächsern, dass sich Madame Thussaud davon ein Stück abschneiden könnte. Ein Schreckenskabinett und für Gruselfans ein gefundenes Fressen.

Noch surrealer wird es, wenn der Held den Mund aufmacht: Der Versuch des Sprechers, Rambos Nuscheln am unteren Rand des menschlichen Intelligenzplateaus nachzuahmen, kann nur mit viel Selbstironie oder unter völligem Realitätsverlust stattgefunden haben – anders ist die Peinlichkeit der akustischen Umsetzung nicht zu erklären und der Spieler fragt sich, unter welchen Drogen Rambos Character-Designer wohl gestanden haben.

Der Schuss ins Knie

Aber auch die Entwickler des Gameplays sind gelegentlichen Zügen an einem Joint wohl nicht abgeneigt gewesen. Bei «Rambo: The Videogame» handelt es sich um einen sogenannten Rail Shooter – einem an und für sich schon sinnentleerten Spielprinzip: Die Gamefigur bewegt sich wie auf Schienen durch die Level, die einzige Aufgabe des Spielers ist, die Gegner rechtzeitig abzuknallen. In «Rambo» kommen noch Quicktime-Events hinzu, deren Zweck stellenweise nicht zu erklären ist – etwa, wenn Rambo auf der Flucht vor den Cops Baumstämmen ausweichen muss, es aber keine Rolle spielt, ob der Spieler die Buttons rechtzeitig drückt oder nicht.

Die Steuerung ist indessen so erratisch programmiert, dass sich das Game ins eigene Knie schiesst: Der Spieler weiss oft nicht, wohin die Knarre beim Auftauchen hinter der Deckung gerade zielt. Manche Gegner gehen zudem mit dem ersten Schuss drauf, während andere nach einem ganzen Magazin Blei im Körper immer noch stehen. Die Gefechte zu überstehen, kommt einer Lotterie gleich. Apropos Abschuss: Beim Test auf der Xbox 360 hat sich das Game mehrmals selbst den Garaus gemacht und sich nach dem Tod seines Helden kurzerhand auch gleich aufgehängt. Wohl aus Scham.

Fazit: Vorzeigestück des Absurden

Kurz: «Rambo: The Videogame» führt auf bemerkenswerte Weise vor, wie ein Spiel nicht programmiert werden sollte und wird mit allen seinen Absurditäten zur Lachnummer. Die unfreiwillige Komik enthüllt das Game übrigens gleich zu Beginn: Ein General steht am Grab von John Rambo und hält eine Abdankungsrede. Seine ersten Sätze: «I'm here to talk to you about a man who killed dozens. John Rambo. And it's good that he's dead.» Was durchaus ironisch zu verstehen ist und den Zweck von «Rambo: The Videogame» irgendwie von Beginn weg verdeutlicht: Rambo den Garaus machen.

Gametrailer «Rambo: The Videogame»

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