Aktualisiert 10.01.2012 07:51

Krisenkommunikation

So hätte sich Hildebrand halten können

Wenn Philipp Hildebrand und die Nationalbank besser kommuniziert hätten, wäre der Rücktritt des SNB-Präsidenten nicht nötig geworden. Zwei Experten zeigen die Kommunikationsfehler auf.

von
Sandro Spaeth
Hildebrand geht. Er hätte seinen Abgang verhindern können, glauben Experten.

Hildebrand geht. Er hätte seinen Abgang verhindern können, glauben Experten.

Der Auftritt Philipp Hildebrands vom Montag, als er seinen Rücktritt bekannt gab, hat die Kommunikationsexperten überzeugt: «Der Notenbanker wirkte glaubwürdig», sagt Roger Huber, Präsident des Schweizerischen Verbands für Krisenkommunikation. So klar hätte der zurückgetretene SNB-Präsident aber bereits viel früher auftreten sollen, findet Huber.

Auch Marc Comina, Chef des Romandie-Ablegers der PR-Agentur Farner, sagt, Hildebrand habe in Sachen Kommunikation alles richtig gemacht. Er hätte alle Mittel zur Verfügung gehabt, um sich aus der Affäre zu ziehen. Indem er das Interesse der Institution über sein eigenes stellte, habe Hildebrand jedoch «für eine positive Überraschung gesorgt, die ihm zur Ehre gereicht».

Comina ist überzeugt, dass Hildebrand bereits am letzten Donnerstag die richtige Strategie angewendet habe, indem er sich den Medien «völlig nackt» gezeigt habe. Zudem habe er richtigerweise auf die Tatsache gesetzt, dass «niemand der SVP, Blocher und der ‹Weltwoche› den Sieg gönnen mochte». «Er wusste, dass die anderen bereit waren, auf einem Auge halb blind zu sein.»

Die schlechte Strategie der SNB

Doch warum musste Hildebrand trotzdem die Notbremse ziehen und seinen Rücktritt bekannt geben? Huber stellt der Kommunikationsstrategie der SNB insgesamt schlechte Noten aus: Hätte Hildebrand bereits vor Weihnachten alle Fakten auf den Tisch gelegt und sich für die Angelegenheit entschuldigt, wäre die Affäre nie derart ausser Kontrolle geraten. Zwar hätte Hildebrands Lack auch dann einige Kratzer gehabt. Mit dem Rücktritt habe der Notenbanker aber jetzt trotz allem den «Totalschaden» erlitten.

«Mit einem sauberen Krisenmanagement hätte Hildebrand den Sessel heute nicht räumen müssen», ist Huber überzeugt. Die Salamitaktik habe sich einmal mehr als schlecht erwiesen. Die Nationalbank habe immer nur genau so viel zugegeben, wie sie musste. Erst als der Druck riesig war, veröffentlichte sie die Reglemente über Eigengeschäfte des Direktoriums. Und als der Druck noch grösser wurde, trat Hildebrand am letzten Donnerstag erstmals vor die Medien.

Rücktritt: «Veritable Überraschung»

Was Huber aber erstaunt, ist die Tatsache, dass der Notenbanker nicht stärker um sein Amt gekämpft hat. «Womöglich ahnte er, dass noch weitere Dinge ans Licht kommen», urteilt Huber.

Der Rücktritt von Hildebrand war denn auch für Comina eine veritable Überraschung. So etwas komme in der Schweiz sehr selten vor. Der Kommunikationsexperte erachtet es als schweren moralischen Fehler, dass Hildebrand «75 000 Franken Gewinn aus einer Finanztransaktion eingesteckt hat». Dies sei inakzeptabel.

mit Material der SDA

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