Experte: So halten Neonazis den Konzertort geheim
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ExperteSo halten Neonazis den Konzertort geheim

Am Samstag soll im Kanton Wallis ein Neonazi-Konzert stattfinden. Szenekenner Hans Stutz erklärt die Hintergründe.

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Drei rechtsextreme Bands sollen am Samstag am «Edelweiss Concert» im Kanton Wallis auftreten.

Drei rechtsextreme Bands sollen am Samstag am «Edelweiss Concert» im Kanton Wallis auftreten.

Polizei Wallis
Unter anderem soll die französische Rechtsrock-Gruppe Lemovice auftreten.

Unter anderem soll die französische Rechtsrock-Gruppe Lemovice auftreten.

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Der Sänger der polnischen Band Legion Twierdzy Wroclaw trägt die schwarze Sonne und SS-Mann Léon Degrelle auf der Brust.

Der Sänger der polnischen Band Legion Twierdzy Wroclaw trägt die schwarze Sonne und SS-Mann Léon Degrelle auf der Brust.

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Am Samstag ist im Kanton Wallis ein Neonazi-Konzert geplant. Wo genau, ist aber noch nicht bekannt. Wieso die Geheimnistuerei?

Die Organisatoren solcher Konzerte sind sich durchaus bewusst, wie umstritten diese in der Öffentlichkeit sind. Sie wollen kurzzeitigen Kündigungen von Saal-Vermietern wie Protestaktionen zuvorkommen.

Am Tag des Konzerts erhalten die angemeldeten Gäste zuerst nur einen Treffpunkt – beispielsweise eine Autobahnraststätte – zu dem sie hingehen sollen. Nur jene Personen, die an diesem Schleusungspunkt von den Organisatoren als vertrauenswürdig eingestuft werden, erhalten genauere Angaben zum Veranstaltungsort.

Auf dem Flyer wurde betont, keine Fotos davon auf Whatsapp oder Social Media zu teilen. Warum?

Mittlerweile weiss man in der Szene um die Gefahren der neuen Technologien. Schon nach einigen Naziskin-Konzerten haben Veranstalter blöd aus der Wäsche geguckt, nachdem Besucher - manchmal Journalisten, manchmal Szeneangehörige - Aufnahmen verbreiteten, die zu Strafverfahren führten.

Ist das auch ein Grund, wieso keine Ton- oder Bildaufnahmen am Konzert erlaubt sind?

Ja, das ist ein Grund. Es ist aber auch ein Hinweis, dass es mutmasslich Übertretungen gegen die Rassismusstrafnorm geben wird. Nur, wenn die Polizei ausreichende Beweise für einen solchen Verstoss hat, leitet sie die Informationen an die Staatsanwaltschaft weiter, die ein Verfahren einleitet. Fakt ist: Abgesehen von wenigen Ausnahmen, wurden nie Sanktionen gegen die auftretenden Bands oder Organisatoren verhängt.

Das heisst, wenn die Polizei nicht weiss, was am Konzert gesungen oder gesagt wird, passiert nichts?

Genau.

In einigen Songtexten der angekündigten Bands wird das Dritte Reich glorifiziert und zu zum Teil rassistisch motivierter Gewalt gegen Ausländer und Minderheiten aufgerufen.

Damit meinen Sie wohl die Songtexte der Band Kraftschlag?

Die Band wurde ja bereits 1989 gegründete, die 'härtesten' Texte hat die Band in ihren Anfangsjahren verbreitet.

Solche Texte sind vor allem in älteren Texten verbreitet der 1989 gegründeten Band verbreitet. Ich denke, dass der Verfolgungsdruck - einerseits Strafverfahren wegen Volksverhetzung, andererseits Indizierung von Tonträgern - die Bands hat zurückhaltender werden lassen.

Tut die Polizei also zu wenig, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen?

Rechtsextremismus ist in erster Linie ein gesellschaftliches und ein politisches Problem, dem man sowohl zivilgesellschaftlich wie politisch entgegentreten muss. Besonderen Eifer haben die Polizeikorps allerdings auch noch nie gezeigt. Sie erklärten dann, sie hätten nichts Widerrechtliches festgestellt, dabei jedoch nur vor dem Veranstaltungsort Kontrollen gemacht. Drinnen ging jedoch die rassistische Post ab, nebst dem, dass Naziliteratur und Tonträger angeboten wurden.

*Hans Stutz ist Journalist und Beobachter der extremen Rechten in der Schweiz.

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