Weltweite Zölle : So hart träfen Handelskriege die Schweiz
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Weltweite Zölle So hart träfen Handelskriege die Schweiz

Verschiedene Staaten liebäugeln wieder mit stärkerer Abschottung und Strafzöllen. Berechnungen zeigen die Auswirkungen eines weltweiten Handelskriegs auf die Schweiz.

von
F. Lindegger
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In den vergangenen Jahrzehnten wurden die Zölle für den Welthandel nach unten angepasst.

In den vergangenen Jahrzehnten wurden die Zölle für den Welthandel nach unten angepasst.

AFP/Miguel Medina
Doch jüngst wurden vermehrt Stimmen laut, Zölle wieder anzuheben.

Doch jüngst wurden vermehrt Stimmen laut, Zölle wieder anzuheben.

Keystone/Martin Ruetschi
US-Präsident Trump droht Exportnationen wie China, aber auch Deutschland mit Strafzöllen.

US-Präsident Trump droht Exportnationen wie China, aber auch Deutschland mit Strafzöllen.

AFP/Miguel Medina

Spätestens seit der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der USA wird wieder intensiv über den internationalen Handel und Abschottung diskutiert. Trump droht Staaten, mit denen die USA eine negative Handelsbilanz haben, immer wieder mit Strafzöllen. Für die Schweiz als kleines Land mit einem Handelsüberschuss ist das Thema besonders relevant. 2016 beispielsweise wurden in die USA Güter im Wert von rund 31 Milliarden Franken exportiert. Die Importe aus den USA beliefen sich dagegen nur auf etwa 14 Milliarden Franken.

Doch welche Auswirkungen hätten Handelskriege konkret auf die Schweiz? Diese Frage versuchte der Ökonom Ralph Ossa, der an der Uni Zürich lehrt, anhand verschiedener Modelle zu beantworten. Würden die weltweiten Zölle – ähnlich wie teilweise in den 1930er-Jahren – auf 60 Prozent erhöht, gingen die Schweizer Exporte um rund die Hälfte zurück.

Zwar wären diese Einbussen in China, der EU oder den USA noch höher. Doch da der Binnenmarkt dort viel grösser ist, würde sich das kaum auf den jeweiligen Wohlstand auswirken. Anders in der Schweiz: Hierzulande sieht das Modell für diesen Fall einen Wohlstandsverlust von 14 Prozent vor.

EU für Schweiz entscheidend

Am heftigsten schoss Trump bisher gegen die chinesische Handelspolitik und das Nordamerikanische Freihandelsabkommen NAFTA. Sollte es zwischen den USA und China beziehungsweise zwischen den USA sowie den übrigen NAFTA-Staaten Kanada und Mexiko zu massiven Erhöhungen der Zölle kommen, wären die Auswirkungen auf die Schweizer Exporte minim.

Bei einem Handelskrieg zwischen den USA und der EU sowie der Schweiz ergeben die Berechnungen einen Rückgang von etwa einem Prozent für das Schweizer Bruttoinlandsprodukt (BIP). Belegen sich die USA, die EU und die Schweiz gegenseitig mit Zöllen in der Höhe von 60 Prozent, droht der Schweiz gar ein Wohlstandsverlust von etwa zehn Prozent. Für die USA und die EU betrügen die Einbussen beim BIP dagegen weniger als ein Prozent. Wobei es sich bei sämtlichen Zahlen um grobe Schätzungen handelt.

Handel trägt viel zu Wohlstand bei

Die Untersuchungen von Ossa zeigen auch, wie stark die Schweiz vom weltweiten Handel profitiert. Insgesamt machen die Handelsgewinne hierzulande rund die Hälfte des BIP aus. Das ist deutlich mehr als im weltweiten Durchschnitt: Rund ein Viertel des globalen BIP geht auf Handelsgewinne zurück. Grundlage der Berechnungen ist die Analyse von 250 Industrien der 47 grössten Volkswirtschaften. Rund 10 Prozent der Handelsgüter sind dabei für 90 Prozent der Handelsgewinne verantwortlich.

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