Unterschiedliche Bussen: So hart wird Guckloch-Fahren wirklich bestraft
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Unterschiedliche BussenSo hart wird Guckloch-Fahren wirklich bestraft

Geldstrafe oder Ausweisentzug? Über das Strafmass beim Gucklochfahren herrscht Unklarheit. Eine Rechtsexpertin gibt Auskunft.

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srt
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Alle Jahre wieder: Die Polizei (hier die Kapo SO) zieht einen Gucklochfahrer aus dem Verkehr. Dass das verboten ist, dürfte mittlerweile bekannt sein. Beim Strafmass hingegen herrscht Unklarheit.

Alle Jahre wieder: Die Polizei (hier die Kapo SO) zieht einen Gucklochfahrer aus dem Verkehr. Dass das verboten ist, dürfte mittlerweile bekannt sein. Beim Strafmass hingegen herrscht Unklarheit.

Kapo SO
Natürlich nervt es, wenn man am Morgen zuerst das Auto von Schnee und Eis befreien muss. Doch es führt kein Weg daran vorbei – sonst gefährdet man sich und andere.

Natürlich nervt es, wenn man am Morgen zuerst das Auto von Schnee und Eis befreien muss. Doch es führt kein Weg daran vorbei – sonst gefährdet man sich und andere.

ADAC
Mehrere hundert Franken können Bussen für Gucklochfahren betragen. Auch der Ausweisentzug und ein Eintrag im Strafregister sind möglich.

Mehrere hundert Franken können Bussen für Gucklochfahren betragen. Auch der Ausweisentzug und ein Eintrag im Strafregister sind möglich.

Daewoo

Wer kennt das nicht? Es ist saukalt, man ist spät dran, die Scheiben am Auto sind vereist. In der Eile kratzt man frühmorgens auf der Frontscheibe gerade so viel frei, dass man vom Sitz hinter dem Steuer einigermassen raussehen kann, und fährt los.

Dass das Fahren nur mit Guckloch oder als sogenanntes Iglu-Auto (mit Schnee auf dem Dach oder auf der Motorhaube) strafbar ist, dürfte mittlerweile bekannt sein. Unklarheit herrscht jedoch über das Strafmass.

Unterschiedliche Strafen

In Deutschland etwa kommt man mit 10 Euro Busse für Gucklochfahren und 25 Euro Busse für ein Dach voller Schnee vergleichsweise glimpflich davon. In der Schweiz wird man für das gleiche Vergehen ungleich härter bestraft.

Ein fixes Strafmass gibt es allerdings nicht, denn jeder Fall wird einzeln bewertet. «Ohne die konkreten Umstände zu kennen, kann man keine allgemein gültige Bussenhöhe definieren», sagt Olivia Solari vom Autogewerbeverband Schweiz.

Personen, die mit Guckloch herumfahren, würden für sich und andere Verkehrsteilnehmer eine «erhebliche Gefahr» darstellen, sagt die Rechtsexpertin. Deshalb handelt es sich nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts um «mindestens eine mittelschwere Verkehrswiderhandlung gemäss Art. 16b SVG». Und diese Widerhandlung führe nicht nur zu einer Busse, sondern zu einem Ausweisentzug von mindestens einem Monat.

«Es können Bussen in der Hohe von mehreren hundert Franken ausgesprochen werden»

Das bestätigt die Kantonspolizei St. Gallen in ihrem «Merkblatt für Gucklochfahrer». Man rapportiere solche Falle an die Staatsanwaltschaft. Diese eröffne ein Strafverfahren und beurteile den Sachverhalt. Dabei konnen «Bussen in der Hohe von mehreren hundert Franken ausgesprochen» werden. Und: «Kommt es zu einem Unfall, kann die Versicherung die Leistungen kurzen oder auf den Unfallverursacher zuruckgreifen.»

Eintrag im Strafregister

Bis zu 1000 Franken Busse können je nach Schwere des Falles die Folge von Gucklochfahren sein, bestätigt Solari. Die Kapo St. Gallen gibt an, dass bereits in «leichten Fallen mit einer Busse von 300 bis zu 600 Franken» gerechnet werden müsse. Bei schweren Fallen spricht die Staatsanwaltschaft eine Geldstrafe und eine sogenannte Verbindungsbusse aus.

Dies habe einen «Eintrag im Strafregister zur Folge». Das Strassenverkehrsamt des Wohnsitzkantons wird mit einer Kopie des Anzeigerapports bedient und leitet ein Administrativ-Verfahren ein, das den Ausweisentzug pruft.

Was heisst klare Sicht?

Doch was bedeutet es, sein Auto in «betriebssicherem und vorschriftsgemässem Zustand» zu führen, wie es Art. 29 SVG vorschreibt? Laut Artikel 57 Absatz 2 der Verkehrsregel-Verordnung muss beim Fahrzeug eine «rundum gute Sicht gegeben» sein, sagt Solari. Das bedeutet, dass Scheiben, die für die Sicht des Fahrzeuglenkers nötig sind, eine «klare und verzerrungsfreie Sicht» gewähren müssen.

Es muss eine rundum gute Sicht gegeben sein

Sowohl die direkte Sicht nach vorne wie auch nach hinten muss also frei sein. Deshalb müssen Frontscheibe, Rückscheibe und zumindest die Scheiben vorne rechts und links von Eis und Schnee befreit werden.

Aus Sicherheitsgründen sollten zudem auch Scheinwerfer, Rückspiegel und Blinker sowie Fahrzeugdach und Motorhaube schneefrei sein. Ansonsten besteht die Gefahr, dass sich während des Fahrens oder Bremsens Schnee löst und auf die Windschutzscheibe rutsch und die freie Sicht verunmöglicht.

Der Rat von Polizei wie Rechtsexperten ist deshalb stets derselbe: Am Morgen genügend Zeit einplanen, damit man nicht sich und andere Verkehrsteilnehmer gefährdet.

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