Ferienende: Mit diesen Tipps hat der Ferienblues keine Chance bei dir
Wenn die Ferien vorbei sind, hält sich die Freude der meisten in Grenzen.

Wenn die Ferien vorbei sind, hält sich die Freude der meisten in Grenzen.

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Stimmungstief nach UrlaubSo hat der Ferienblues keine Chance

Nach den Ferien in den Alltag und zur Arbeit zurückzukehren, schlägt vielen Menschen aufs Gemüt. Eine Psychologin erklärt, warum das ganz normal ist und wie wir dem Ferienblues entgegen wirken können.

von
Martin Hoch

Erst noch lagen wir am Strand, wanderten durch die Berge, genossen lange Abende und fühlten uns herrlich unbeschwert. Doch die Ferienzeit neigt sich irgendwann dem Ende zu. Und da folgt die Ernüchterung. Sich rein in die Ferien zu stürzen war bedeutend einfacher, als sich wieder in den Arbeitsalltag zu begeben. Weshalb das so ist, erklärt uns die Arbeits- und Organisationspsychologin Rita Buchli.

Wie schön waren doch die letzten Wochen – Entspannung pur.

Wie schön waren doch die letzten Wochen – Entspannung pur.

Unsplash Blake Wisz

Kurz vor Ferienende holt viele ein melancholisches Gefühl ein. Wodurch wird dieses ausgelöst und wovor haben wir Angst?

Als Angst würde ich das sogenannte Post-Holiday-Syndrom, auch Ferienblues genannt, nicht bezeichnen. Es hat eher mit einer Leere, einem Motivationsloch oder einem Stimmungs- und Leistungstief zu tun. Bildlich gesprochen gleicht es einem Motor, der erst wieder warmlaufen muss. Denn ausgelöst wird der Ferienblues durch den Entspannungsmodus, in den man während der Ferien kommt.

Heisst das, einen Ferienblues hat, wer sich gut erholen konnte?

Je grösser der Kontrast zwischen dem Lebensgefühl in den Ferien und dem Arbeitsalltag ist, desto mehr Zeit und Kraft brauchen wir, nach den Ferien wieder raufzufahren. Insofern stimmt das. Am sinnvollsten wäre es jedoch, seinen Alltag so einzurichten, dass Spannung und Entspannung in einem ausgeglichenen Verhältnis stehen. Der Kontrast zwischen Ferien und dem Arbeitsalltag sollte nicht zu gross sein. Man sollte sich im Alltag Pausen einbauen, damit man gar nie mit komplett leeren Batterien in die Ferien geht. Ähnlich wie bei den Sportlerinnen und Sportlern, die sich für die Olympischen Spiele vorbereiten. Sie müssen genauso auf die Balance zwischen Spannung und Entspannung achten. Auf dem Podest steht am Schluss, wer diese Balance am besten meisterte.

Rita Buchli ist Arbeits- und Organisationspsychologin. Sie berät und unterstützt mit ihrer Firma Unternehmen im betrieblichen Gesundheitsmanagement. Sie ist Mitglied bei der Schweizerischen Gesellschaft für Arbeit- und Organisationspsychologie.

Selbst Menschen, die ihren Job lieben, sind nicht vor dem Ferienblues gefeit. Weshalb?

Bei den meisten ist der Handlungsspielraum im Arbeitsleben kleiner, als in der Freizeit, wo man speziell in den Ferien nach dem Lustprinzip leben kann. Sich wieder einer Agenda und einem Rhythmus unterzuordnen, fällt da erstmals schwer.

So fühlt sich so mancher am Tag vor dem ersten Arbeitstag: lustlos und schweren Herzens.

So fühlt sich so mancher am Tag vor dem ersten Arbeitstag: lustlos und schweren Herzens.

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Ist es in der aktuellen Zeit, in der viele im Homeoffice arbeiten, schwieriger zurück in den Arbeitsmodus zu kommen?

Da gilt es zu unterscheiden, ob jemand gerne im Homeoffice arbeitet oder ob dies als schwierig empfunden wird. Wer gerne von Zuhause aus arbeitet, hat es auch hier einfacher. Auch, weil die Strukturen im Homeoffice weniger strikt sind. So kann man beispielsweise – wie in den Ferien – mit den Kindern frühstücken. Das hilft gegen den Ferienblues. Für die andere Gruppe ist es nun noch schwieriger als früher. Denn hier fehlen für viele die sozialen Kontakte, auf die man sich normalerweise nach den Ferien wieder freut. Fällt das nun weg, werden die einen darunter leiden.

Gibt es den Ferienblues schon seit jeher oder handelt es sich dabei um eine Reaktion auf die moderne Leistungsgesellschaft?

Eine spannende Frage mit einer einfachen Antwort. Denn Ferien im heutigen Sinne sind eine moderne Erfindung. So sind beispielsweise vier Wochen Ferien im Schweizer Obligationenrecht gesetzlich erst seit 1984 vorgeschrieben. Würde man einen Bauern oder eine Bäuerin fragen, ob er oder sie den Ferienblues kennt, würde er oder sie dies wahrscheinlich verneinen, da er oder sie kaum mal Ferien hat.

Der erste Arbeitstag kommt und wir müssen uns wieder einem neuen Rhythmus anpassen.

Der erste Arbeitstag kommt und wir müssen uns wieder einem neuen Rhythmus anpassen.

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Gibt es Strategien, dem Ferienblues entgegenzuwirken, damit er einem gar nicht einholt?

Dass einem der Ferienblues gar nicht einholt, kommt wahrscheinlich nur dann vor, wenn die Ferien ein Negativerlebnis waren. Wer nun aber einen Beruf hat, bei dem man gewisse Freiheiten bei der Arbeitseinteilung hat, dem empfehle ich einen sanften Einstieg. Beispielsweise sollte man sich am ersten Arbeitstag keine Termine einplanen. Oder man lässt den Abwesenheitsassistenten noch einen Tag länger aktiviert. Das gilt selbstverständlich nicht für Pflegefachleute, Handwerker, Handwerkerinnen oder alle anderen, die nicht in einem Büro arbeiten.

Macht es Sinn, in den Ferien die geschäftlichen E-Mails zu bearbeiten, damit man nach den Ferien nicht einen riesigen Berg Arbeit vor sich hat?

Ich plädiere dagegen. Sich in den Ferien gedanklich in eine andere Welt zu begeben, das Handy auch mal abzuschalten, ist äusserst erholsam. Aber kategorisch ablehnen würde ich es nicht. Es gibt Menschen, die Angst vor diesem riesigen Berg an Arbeit haben, der nach den Ferien auf einen zukommen kann. Wenn es für diese Menschen befreiend wirkt, dann mag das seine Berechtigung haben. Wichtig hier ist, dass man die eingehenden E-Mails nicht laufend liest und bearbeitet, sondern zu festgelegten Zeiten. So kann man sich davor und danach wieder voll den Ferien widmen. Dennoch ist eine Auszeit ohne Störfaktoren wie E-Mails sinnvoller.

Aber nach wenigen Tagen hat man den Ferienblues überwunden und freut sich wieder an der Arbeit und den sozialen Kontakten am Arbeitsplatz.

Aber nach wenigen Tagen hat man den Ferienblues überwunden und freut sich wieder an der Arbeit und den sozialen Kontakten am Arbeitsplatz.

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Was soll man gegen den Ferienblues unternehmen, wenn er einem überkommt?

Wichtig sind hier die sozialen Beziehungen. Es hilft, wenn man beispielsweise bereits vor den Ferien mit Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen, die man gerne mag, einen Termin für eine Kaffeepause oder ein Mittagessen fixiert. So fällt einem der Einstieg, dank der sozialen Begegnungen, einfacher. Wichtig ist auch, sich am Tag vor dem ersten Arbeitstag nicht zu viele Gedanken zu machen, sondern sich auf das konzentrieren, was man in der Gegenwart unternimmt. Es hilft auch, wenn man nach der Arbeit viel Zeit draussen an der Sonne verbringt, den Sommer auch Zuhause geniesst und so einen Teil der Ferien in den Alltag mitnimmt.

Und wie lange hält der Ferienblues an?

Das dauert oft nur einen Tag, vielleicht auch mal drei Tage. Wenn es aber länger anhält, steckt wohl mehr dahinter als bloss der Ferienblues.

Was hilft dir jeweils am besten gegen den Ferienblues? Schreib es in die Kommentare!

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