Digitalisierung im Beruf: So hat die Krise die Jobsuche verändert

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Digitalisierung im BerufSo hat die Krise die Jobsuche verändert

Die Corona-Krise hat die Digitalisierung vorangetrieben: Viele Unternehmen setzen auf digitale Bewerbungsprozesse. Das dürfte auch in Zukunft so bleiben.

von
Barbara Scherer
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Wegen der Corona-Krise findet die Jobsuche digital statt.

Wegen der Corona-Krise findet die Jobsuche digital statt.

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Bei vielen Firmen werde dies auch in Zukunft so bleiben. «Das erste Kennenlernen wird vielerorts weiterhin online stattfinden», erklärt Personalexperte Matthias Mölleney.

Bei vielen Firmen werde dies auch in Zukunft so bleiben. «Das erste Kennenlernen wird vielerorts weiterhin online stattfinden», erklärt Personalexperte Matthias Mölleney.

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Finden die ersten Gespräche online statt, können mehr Bewerber interviewt werden.

Finden die ersten Gespräche online statt, können mehr Bewerber interviewt werden.

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Darum gehts

  • Die Corona-Krise hat die Digitalisierung im Jobmarkt beschleunigt.
  • Laut Experten wird die Jobsuche auch in Zukunft vorwiegend online verlaufen.
  • In gewissen Branchen stösst die Digitalisierung aber an ihre Grenzen.

Die Schnupperlehre über Youtube und die Bewerbung live auf Instagram und Whatsapp: Um neue Arbeitskräfte in der Corona-Krise zu finden, müssen Unternehmen erfinderisch werden. Obwohl der Lockdown langsam gelockert wird, findet vieles rund um die Jobsuche weiterhin digital statt.

Zwar werde im Moment eher wenig rekrutiert, weil die Zukunftsaussichten für die meisten Unternehmen ziemlich unklar seien, sagt Personalexperte Matthias Mölleney: «Doch was läuft, das läuft überwiegend online.» So würden ein Grossteil der Firmen Vorstellungsgespräche in der ersten Runde per Video führen. «Ich habe auch gehört, dass vereinzelt der gesamte Bewerbungs- und Auswahlprozess online durchgeführt wird.»

Video-Interview gibt mehr Bewerbern eine Chance

Bei vielen Firmen werde dies auch in Zukunft so bleiben. «Das erste Kennenlernen wird vielerorts weiterhin online stattfinden», so Mölleney. Firmen, die sehr viele Bewerbungen erhalten, könnten so mehr potentielle Kandidaten kennen lernen.

«Bisher wurden von 20 Bewerbern vielleicht 3 ausgewählt und für ein Gespräch eingeladen, die anderen erhielten eine Absage.» Finden die ersten Gespräche online statt, können mehr Bewerber interviewt werden. Per Video können Firmen sich einfach und unkompliziert einen ersten Eindruck machen und abschätzen, ob der Kandidat eingeladen wird.

Durch die Krise mussten auch kleinere Unternehmen alles digitalisieren. «Dadurch ist die Hemmschwelle für Online-Bewerbungen gesunken», sagt Mölleney. Er ist überzeugt, dass Bewerber-Dossiers auch bei kleinen Firmen in Zukunft nur noch elektronisch eingereicht werden. «Wir haben uns sowieso schon in diese Richtung bewegt. Die Corona-Krise hat uns einfach schneller in die Zukunft befördert.»

Digitalisierung hat Grenzen

Doch nicht in allen Branchen kann der Bewerbungsprozess online stattfinden. «Gerade in Handwerksberufen ist die physische Präsenz wichtig», erklärt der Personalexperte. Bewerben könne man sich auch dort online, aber Schnupperlehren müssen vor Ort stattfinden. «Virtuelle Rundgänge sind zwar bereits üblich, aber es ist wichtig, dass junge Leute die Atmosphäre vor Ort erleben.»

Auch in Branchen, in denen die Nähe zu Kunden wichtig ist, stosse die Digitalisierung an ihre Grenzen, sagt Gery Bruederlin, Dozent und Personalexperte an der Fachhochschule Nordwestschweiz. Der direkte physische Kontakt bleibe auch bei der Jobsuche wichtig: «Vernetzung ergibt sich eben nicht nur digital, auch die persönliche Vernetzung wird in Zukunft für die erfolgreiche Jobsuche immer noch wichtig sein.»

Neue Marktplätze

Arbeitgeber online kennenlernen

Gewisse Branchen setzen seit der Krise auf Online-Marktplätze, um geeignete Arbeitnehmer zu finden. Die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) organisiert beispielsweise die erste Digital Job Fair für Paralegals. Anwaltskanzleien, Unternehmen, Verwaltungen und Staatsanwaltschaften können online geeignete Fachkräfte kennenlernen und zu digitalen Einzelgesprächen einladen.

Eine ähnliche Plattform hat die Interessengemeinschaft Digital4Nurse ins Leben gerufen: Pflegefachpersonen können direkt online mit Pflegebedürftigen und Gesundheitsorganisationen in Kontakt treten. Termine können dann einfach per SMS oder E-Mail vereinbart werden.

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