FV Dosto: So heftig schüttelt es im neuen SBB-Doppelstöcker

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FV DostoSo heftig schüttelt es im neuen SBB-Doppelstöcker

Der Pannenzug ist auch ein Schüttelzug. Messungen zeigen: Im Dosto rüttelt es mehr als in seinem Vorgänger, dem IC2000.

von
rab

«Tanzdach», sagt ein Leser-Reporter, der Ende Jahr im neuen FV Dosto kurz vor Schönenwerd Richtung Basel sass, zur Zugfahrt im ersten Stock. Die letzten 20 Sekunden erklärten das Wort «tanzen». (Video: Leser-Reporter)

Verspätungen und technische Probleme begleiteten die Einführung der neuen SBB-Fernverkehrszüge. Nun zeigen Recherchen des «Blick»: Der FV Dosto ist nicht nur ein Pannen-, sondern auch ein Schüttelzug. Wie der Mathematiker Gerhard Wesp gegenüber der Zeitung bestätigt, soll die neue Doppelstockkomposition seinen Messungen zufolge ungefähr doppelt so stark rütteln wie die alte.

Zu diesem Ergebnis gelangte der 45-Jährige, als er achtmal vom Flughafen Zürich nach Winterthur und wieder zurück gefahren war. Dies sowohl im neuen Dosto als auch in seinem Vorgänger, dem Doppelstöcker IC2000 – in beiden jeweils im 1. Stock sitzend. Zur Messung nutzte er sein Smartphone. Durch die App AccDataRec gelang es ihm zu eruieren, wie stark es den Passagier während der Fahrt von links nach rechts durchschüttelt.

Gegenüber der Zeitung bezeichnet der Mathematiker seine Messungen als «eindeutig signifikant». «Solche Smartphones haben mittlerweile Messsensoren drin, für die man vor wenigen Jahren noch eine teure Spezialapparatur gebraucht hätte», sagt Wesp.

Auch die SBB hat nachgemessen

Auch die SBB bestätigte auf Anfrage der Zeitung, dass der Dosto – auch nach eigenen Messungen – stärker schüttle und der Fahrkomfort im Vorgänger besser sei. Der Grund sei unter anderem der Unterschied zwischen Zügen mit Lokomotive wie dem IC2000 und Triebzügen wie dem Dosto, bei dem der Antrieb, sprich auch die Schwingungen, auf die einzelnen Waggons verteilt seien. Man habe die technischen Systeme jedoch bereits nachgebessert und die Zweitmesssung sei tatsächlich besser ausgefallen.

Eingeschränkte Nutzung

Die SBB haben 2010 vom kanadischen Verkehrstechnikhersteller Bombardier 62 Fernverkehrszüge für 1,9 Milliarden Franken bestellt. Es handelte sich um den teuersten Auftrag in der Geschichte der Bahn.

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Mit dem Fahrplanwechsel vom 9. Dezember hätten die neuen Fernverkehrs-Doppelstockzüge endlich in den regulären Einsatz kommen sollen. Doch das wurde nun auf frühestens Mitte Januar verschoben. Anzutreffen sind sie voraussichtlich auf diesen Linien: ...

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Keystone/Ennio Leanza
... auf dem Interregio 37 von St. Gallen über Zürich nach Basel, und zwar mit Abfahrt in St. Gallen um 11.42 Uhr und 14.42 Uhr, sowie auf dem IR 37 zwischen Zürich und Basel mit Abfahrt um 7.08 Uhr, 19.08 Uhr und 22.08 Uhr.

... auf dem Interregio 37 von St. Gallen über Zürich nach Basel, und zwar mit Abfahrt in St. Gallen um 11.42 Uhr und 14.42 Uhr, sowie auf dem IR 37 zwischen Zürich und Basel mit Abfahrt um 7.08 Uhr, 19.08 Uhr und 22.08 Uhr.

Dario Haeusermann/SBB
In der Gegenrichtung werden die Züge auf der Linie Basel–Zürich–St. Gallen auf den Zügen mit Abfahrt in Basel um 14.47 Uhr und 17.43 Uhr zu finden sein, zudem auf den IR 37 zwischen Basel und Zürich mit Abfahrt um 11.47 Uhr und 20.43 Uhr.

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Keystone/Ennio Leanza

Seit Dezember – nach jahrelangen Rechtsstreitigkeiten und Verzögerungen – sind zwölf der insgesamt 62 Kompositionen des neuen Zugs im fahrplanmässigen Betrieb. Anhaltende Mängel führten im ersten Betriebsmonat laut SBB allerdings immer wieder zu Zugausfällen und Verspätungen. Die Züge verkehren vorläufig nur auf der Interregio-Strecke Basel–Zürich–St. Gallen–Chur.

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