Keller-Messahli wirft SP Islamismus vor : So hoch gingen die Wogen bei der Verhüllungsverbot-Arena
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Keller-Messahli wirft SP Islamismus vor So hoch gingen die Wogen bei der Verhüllungsverbot-Arena

Am 7. März stimmt die Schweiz über das Verhüllungsverbot ab. Wie sensibel und emotionsgeladen dieses Thema ist, zeigte sich in der gestrigen SRF-Arena.

von
Katja Fässler

Harter Schlagabtausch: Saïda Keller-Messahli vom Forum für einen fortschrittlichen Islam wirft SP-Nationalrat Fabian Molina vor, dass sich die Linken mit den Islamisten verbünden.

Darum gehts

  • Am 7. März kommt die Initiative «Ja zu Verhüllungsverbot» vors Volk.

  • In der SRF-Arena wurde das Thema sehr emotionsgeladen diskutiert.

  • Besonders Islam-Expertin Saïda Keller-Messahli teilte massiv gegen ihre Kontrahenten aus.

Die «SRF-Arena», die gestern dem Thema Verhüllungsverbot in der Schweiz gewidmet war, sorgte für einige intensive Wortgefechte. Mit dabei waren Initiant und Präsident des Egerkinger Komitees Walter Wobmann (SVP), die beiden Nationalräte Fabian Molina (SP) und Susanne Vincenz-Stauffacher (FDP), sowie die Präsidentin des «Forum für einen fortschrittlichen Islam», Saïda Keller-Messahli.

Besonders Messahli und Molina gerieten sich während der Debatte zunehmend in die Haare. Nach Susanne Vincenz’ Statement, die Verhüllungsthematik sei ein absolutes Randphänomen, da gerade einmal 0,00035 Prozent der Frauen in der Schweiz Niqabträgerinnen seien, konterte Messahli: «Auch wenn es nur eine Frau in der Schweiz gebe, die sich gegen ihren Willen verschleiern muss, so sollte etwas dagegen gemacht werden.»

Molina entgegnete, dass aktuell schon genug getan werde und die Initiative keinen Unterschied machen würde: «Wenn man in der Schweiz jemanden dazu zwingt, etwas gegen seinen Willen anzuziehen, so nennt man das Nötigung und das ist strafbar.» Besser sollte der Opferschutz verbessert werden.

Danach ging Messahli massiv in die Offensive: Die SP suche nur immer nach Opfern, die sie beschützen könne. Die Linke würde sich eher mit Islamisten verbünden, als sich mit der Frage zu konfrontieren, welches Frauenbild der Islam habe.

«Das geht Sie nichts an!»

Molina konterte: Die SP setze sich seit langem gegen Waffenverkäufe oder Kollaborationen mit islamistischen Regimes ein. Doch das ginge am Thema der Initiative vorbei. Es sei einfach so, dass man Frauen, die dazu gezwungen werden, eine Niqab zu tragen, nicht helfen würde, wenn man sie zu Tätern mache.

Gleich im Anschluss entfachte der nächste Schlagabtausch mit Publikumsgast Farhad Afshar, Präsident der Koordination Islamischer Organisationen Schweiz. Er sagte, dass seit Beginn der Coronapandemie Millionen von Menschen faktisch einen Niqab tragen würden, was von Keller-Messahli als «stumpfsinnig» und «Blödsinn» bezeichnet wurde.

Im nächsten Zug betonte Publikumsgast Fathima Ifthikar, dass sie ihr Kopftuch freiwillig trage. Kehler-Messahli fragte: «Wieso müssen Sie in der Öffentlichkeit so ein Statement abgeben…», worauf Molina hörbar entrüstet dazwischen ruft: «Das geht Sie nichts an!» Nach weiteren intensiven Wortgefechten beendete Moderator Sandro Brotz, der die Streithähne kaum zu bändigen vermochte, schliesslich die Arena.

Meinung des Bundesrates zur Initiative

Bundesrat und Parlament sind der Meinung, dass die Initiative «Ja zum Verhüllungsverbot»
unnötig sei. «In der Schweiz haben wir kein Problem mit Gesichtsverhüllung. Nur etwa 20 bis 30 Frauen in der Schweiz tragen einen Niqab. Burkas sind dagegen fast gar nicht zu sehen», sagt Justizministerin Karin Keller-Sutter (FDP). Das Verbot würde den Tourismus treffen. Zudem hätten die Kantone bereits heute den Handlungsspielraum, um einzugreifen. Die Initiative des Egerkinger Komitees fordert, dass niemand im öffentlichen Raum und an öffentlich zugänglichen Orten sein Gesicht verhüllen darf. Ausgenommen sind Sakralstätten. Zudem darf niemand eine Person zwingen, ihr Gesicht aufgrund ihres Geschlechts zu verhüllen. Ausnahmen sieht der Text vor, wenn die Verhüllung mit der Gesundheit, der Sicherheit, den klimatischen Bedingungen oder dem einheimischen Brauchtum begründet wird.

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