Dank der Superliga ins Plus - So hoch sind die Mega-Schulden von Barça, Milan, City, Real und Co.
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Dank der Superliga ins PlusSo hoch sind die Mega-Schulden von Barça, Milan, City, Real und Co.

«2024 sind wir alle tot.» Mit diesen Worten erklärte Real-Präsident Peréz den Grund für die Superliga. Und ja, die zwölf Top-Clubs, die das Projekt machen wollten, haben hohe Schulden. Wir schauen uns an, wie hoch.

von
Nils Hänggi

City spielte in der Champions League zuletzt gegen Dortmund. Doch der englische Top-Club hat hohe Schulden.

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Darum gehts

  • Zwölf Topclubs wollten eine Superliga gründen.

  • Real-Präsident Florentino Pérez erklärte das Projekt dadurch, dass er den Fussball retten wolle.

  • Doch wie hoch sind die Schulden der zwölf Clubs?

Was für ein Erdbeben die Superliga-Pläne diese Woche auslösten! So viel ist passiert. Zuerst die Ankündigung, dann die Drohungen der Uefa und der Fifa. YB-CEO Wanja Greuel war fassungslos ob der Pläne – und auch die Fans wüteten. Sie demonstrierten lautstark vor den Stadien. Mit Erfolg. Die sechs beteiligten Teams aus England, die drei aus Italien sowie Atletico Madrid hatten zwischen Dienstagabend und Mittwoch ihren Rückzug von dem Vorhaben erklärt. Nur von Real und dem FC Barcelona gab es bisher keine entsprechende Ankündigung.

Real-Präsident Florentino Pérez will das Projekt auch noch gar nicht aufgeben. «Da liegen sie komplett falsch», sagte er in Richtung der Kritiker, die das Projekt für erledigt erklärt haben, in einem am frühen Donnerstagmorgen ausgestrahlten Radio-Interview von SER, über das die Zeitung «Marca» berichtete. Er denke nicht, dass die anderen Fussball-Clubs die Superliga verlassen haben. «Es ist klar im Vertrag, dass du nicht gehen kannst», so Peréz. Seine Meinung ist also klar. Weiter glaubt er, dass die Superliga die Rettung des Fussballs sei. Ohne die Superliga seien 2024 alle Clubs tot. 

Doch ist die finanzielle Situation der Fussball-Clubs wirklich so angespannt? Ein Blick auf die Finanzen der «Big 12» zeigt: Ja. 20 Minuten zeigt auf, wie gross die Schulden sind.

Zuletzt gewann Lionel Messi mit Barcelona die Copa del Rey. 

Zuletzt gewann Lionel Messi mit Barcelona die Copa del Rey.

REUTERS

1.51 Milliarden Euro – FC Chelsea

Jeder Fussball-Fan kennt ihn wohl. Den Chelsea-Besitzer Roman Abramowitsch. Der Russe kaufte den Verein 2003. Er pumpte unglaublich viel Geld in den Club und hiefte ihn in Richtung nationale und internationale Spitze. Letzten Sommer kaufte Chelsea mehrere Spieler – unter anderem Kai Havertz und Timo Werner für 80 beziehungsweise 53 Millionen Euro. Die Transferbilanz des letzten Sommers gemäss «transfermark.ch»: Minus 188 Millionen Euro.

1.28 Milliarden Euro – Tottenham Hotspur

Im Februar 2001 übernahmen der Milliardär Joe Lewis und sein Partner Daniel Levy mit einer auf den Bahamas registrierten Tochterfirma ihrer Investmentfirma ENIC International Ltd. die Mehrheit an den Spurs. Der Ex-Club von José Mourinho, der vor einem Wechsel zu Valencia stehen soll, hat sich wohl vor allem mit dem Stadionneubau verschätzt. Die Kosten des neuen Stadions beliefen sich gemäss der «Gazzetta dello Sport» auf mehr als 1.4 Milliarden Euro.

1.173 Milliarden Euro – FC Barcelona

Dass die Katalanen hohe Schulden haben, ist bekannt. Über eine Milliarde Euro sind es gemäss übereinstimmender spanischer Medienberichte. Aktuell belasten Barcelona fast 200 Millionen Euro an ausstehenden Transferzahlungen an andere Vereine. Dennoch: Trotz einer Schuldenlast von über einer Milliarde Euro löste Barca laut «Forbes» mit rund 4.76 Milliarden Euro jüngst den Erzrivalen Real Madrid als wertvollsten Fussball-Club der Welt ab.

901 Millionen Euro – Real Madrid

Real-Präsident Florentino Peréz will die Superliga noch immer nicht recht aufgeben. Nicht anders sind seine Worte vom Donnerstagmorgen zu deuten. Und irgendwie sind sie auch verständlich, seine Sätze. So haben die Spanier laut «Gazzetta dello Sport» rund 900 Millionen Euro Schulden. Und dennoch geben die Madrilenen weiter Geld aus. So soll als nächster Top-Spieler Bayerns David Alaba kommen. Laut Sky soll der 28-Jährige «zeitnah» einen Fünfjahresvertrag bei Real unterzeichnen. Alaba soll ein Jahresgehalt von 12 Millionen Euro netto verdienen. Zudem ist von einem Handgeld in Höhe von 20 bis 30 Millionen die Rede, weil er ablösefrei ist.

630.1 Millionen Euro – Inter Mailand

Am Mittwochabend gab Inter Mailand zum zweiten Mal in Folge Punkte ab. Die Mannschaft von Antonio Conte spielte gegen Spezia nur 1:1 und baute doch seinen Vorsprung an der Tabellenspitze aus. Trotzdem – nicht alles ist rosig bei den Italienern. So drücken den Top-Club mehr als 600 Millionen Euro Schulden. 2016 sicherte sich der chinesische Industriekonzern Suning Commerce für rund 270 Millionen Euro knapp 69 Prozent der Anteile.

528.6 Millionen Euro – Manchester United

Hier zu sehen: Die Highlights des Europa-League-Spiels United gegen Milan. Beide Clubs haben hohe Schulden.

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Gemäss der «Gazzetta dello Sport» hat der englische Top-Club fast 530 Millionen Euro Schulden. 1999 versuchte der Medienmogul Rupert Murdoch den Club zu kaufen, 2003 stieg dann die US-Unternehmerfamilie Glazer ein. Malcolm Glazer übertrug ManUnited vor seinem Tod 2014 an seine sechs Kinder.

494.2 Millionen Euro – Atlético Madrid

Ja, auch Atlético hat hohe Schulden. Fast 500 Millionen Euro. In seiner schlimmsten Zeit häufte der Club 517 Millionen Euro Schulden an und kaufte trotzdem teure Stars wie den Kolumbianer Radamel Falcao. Atlético gehört deshalb zu einem der ersten Clubs, die die Uefa wegen des Verstosses gegen die Financial-Fairplay-Regeln bestrafte. Und nicht nur das: Der Verein zahlte zwei Jahre lang einfach keine Steuern, nachdem er im Jahr 2000 aus der Ersten Liga abgestiegen war. Bis zu 171 Millionen Euro schuldete der Club den spanischen Steuerzahlern, mittlerweile stottert er das Geld ab. Etwas mehr als die Hälfte der Anteile gehören dem Sportmanager Miguel Ángel Gil Marín. Jeweils rund 20 Prozent gehören dem derzeitigen Präsidenten Enrique Cerezo und dem chinesischen Unternehmen Wanda Madrid Investment.

357.8 Millionen Euro – Juventus Turin

«Juventus-Präsident Andrea Agnelli hat uns monatelang ins Gesicht gelogen. Das ist eine Schande!» Das sagte YB-CEO Wanja Greuel im Interview mit 20 Minuten. Ähnliche Worte benutzte Uefa-Boss Aleksander Ceferin, als er über Agnelli sprach. Dem italienischen Top-Club Juventus Turin, der 2006 im Zuge eines Manipulationsskandals 2006 zwangsabgestiegen ist, drücken laut der «Gazzetta dello Sport» Schulden in der Höhe von 357.8 Millionen Euro. Die niederländische Investmentgesellschaft Exor besitzt fast zwei Drittel der Anteile. Zuletzt gelang Juve eine Reduzierung der Schulden um 27.4 Millionen Euro.

272 Millionen Euro – FC Liverpool

Als der FC Liverpool bekannt gab, dass man bei der Superliga teilnehmen werde, protestierten hunderte Fans vor dem Stadion. Und auch Coach Jürgen Klopp sowie mehrere Spieler sprachen sich klar gegen das Megaprojekt aus. «Ich mag es nicht und hoffentlich kommt es nicht dazu», so etwa James Milner. Klopp meinte: «Ich denke nicht, dass es eine grossartige Idee ist. Ich mag die Tatsache, dass West Ham nächstes Jahr in der Champions League spielen könnte.» Die Folge: Die Reds zogen sich aus der Superliga zurück, der Club-Boss entschuldigte sich. Apropos Club-Boss. Das ist John W. Henry. 2010 kaufte New England Sports Ventures, heute Fenway Sports Group (FSG) den Club. Dem Konsortium gehört unter anderem auch der Baseball-Club Boston Red Sox.

200 Millionen Euro – Manchester City

Ja, auch der Club von Pep Guardiola steht in den Miesen. 200 Millionen Euro soll der Schuldenberg betragen. City gehört seit 2008 der City Football Group, an der zunächst zu 86,21 Prozent die Abu Dhabi United Group and Development (ADUG), also genau genommen das Königshaus des Emirates, sowie zu 13,79 Prozent die China Media Capital Football Holdings (CMC) beteiligt waren. Im vergangenen Jahr wurde City zudem von der Champions League ausgeschlossen (wegen Verstössen gegen das Financial Fairplay). Die Sperre wurde jedoch später vom Cas wieder aufgehoben.

151.8 Millionen Euro – AC Milan

Noch mehr Schulden hat die AC Milan. Die «Gazzetta dello Sport» schreibt von mehr als 150 Millionen Euro. Lange Zeit waren die Mailänder im Besitz von Silvio Berlusconi. Er übernahm 1986 mit seiner Holding Fininvest die Aktienmehrheit und war bis 2004 Präsident der Rossoneri. 2016 war jedoch Schluss. Der Italiener verkaufte seine Anteile an eine chinesische Investorengruppe, 2018 übernahm eine US-amerikanische Investmentgesellschaft die Mehrheit. Doch aus dem Fussball-Geschäft raus ist Berlusconi nicht. Ihm gehört nun der AC Monza, wo unter anderem Kevin-Prince Boateng spielt und Mario Balotelli. 2019 wurde die Milan wegen schwerwiegender Verstösse gegen die Regeln des Financial Fairplay der Uefa für die Europa League gesperrt.

125.4 Millionen Euro – FC Arsenal

Der Club des Schweizer Nati-Captain Granit Xhaka hat hohe Schulden. Der englische Top-Club soll gemäss der «Gazzetta dello Sport» fast 126 Millionen Euro in der Miese stehen. Der US-Milliardär Stan Kroenke stieg 2007 bei den Gunners ein, seit 2013 ist er Mehrheitseigentümer. Arsenal ist nicht der einzige Club von Kroenke. Ihm gehören etwa auch die Colorado Avalanche aus der NHL und die Denver Nuggets aus der NBA.

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