Mehr Geld wegen Inflation: So hoch sollen die Löhne in deinem Job steigen

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Mehr Geld wegen InflationSo hoch sollen die Löhne in deinem Job steigen

Mindestens drei Prozent Lohnerhöhungen für alle sollten drin liegen, sagt Travailsuisse. Am meisten dürften Angestellte im Gesundheitswesen, im Baugewerbe und bei Easyjet kriegen. Die Arbeitgeber halten das für unrealistisch.

von
Fabian Pöschl
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Die Gewerkschaften fordern höhere Löhne wegen der Inflation, sonst drohen sie mit Streiks.

Die Gewerkschaften fordern höhere Löhne wegen der Inflation, sonst drohen sie mit Streiks.

20min/Matthias Spicher
Bauarbeiter sollen einen Ausgleich für die Teuerung bekommen, die aktuell bei 3,4 Prozent liegt, und zusätzlich zwei bis drei Prozent extra.

Bauarbeiter sollen einen Ausgleich für die Teuerung bekommen, die aktuell bei 3,4 Prozent liegt, und zusätzlich zwei bis drei Prozent extra.

20min/Matthias Spicher
Für Angestellte im Gesundheitswesen stellen die Gewerkschaften dieselbe Forderung.

Für Angestellte im Gesundheitswesen stellen die Gewerkschaften dieselbe Forderung.

20min/François Melillo

Darum gehts

Leben in der Schweiz ist teurer geworden. Lieferengpässe nach Corona und die Folgen des Ukraine-Kriegs verteuern Lebensmittel, Energie und Alltagsprodukte. Die Inflationsrate lag die letzten zwei Monate bei 3,4 Prozent. Und nächstes Jahr soll die Krankenkassenprämie um fast bis zu zehn Prozent steigen.

Nun fordern Arbeitsvertreterorganisationen deutliche Lohnerhöhungen für alle, weil auch die Lebenshaltungskosten für alle steigen. Drei bis fünf Prozent mehr sollen alle Arbeitnehmende in der Schweiz bekommen, verlangt die Gewerkschafts-Dachorganisation Travailsuisse.

Easyjet gibt 7 Prozent mehr

Die Unternehmen seien letztes Jahr trotz Wachstum knausrig gewesen und hätten nun Spielraum, sagt Thomas Bauer von Travailsuisse zu 20 Minuten. Die Rückmeldungen aus den laufenden Lohnverhandlungen stimmten zuversichtlich, dass mindestens drei Prozent für alle drin liegen.

Damit die Teuerung nicht die Lohnerhöhung frisst, fordert auch der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) mehr als die aktuelle Teuerungsrate, sagt Sprecher Benoît Gaillard zu 20 Minuten. Bei Easyjet gebe es sogar Lohnerhöhungen von sieben Prozent fürs Kabinenpersonal. 

Rechnest du mit einer Lohnerhöhung?

Auch Syndicom, die Gewerkschaft für die Logistik-, Medien- und Telekom-Branche, Garanto, die Gewerkschaft des Bundespersonals, und die grösste Gewerkschaft Unia stellen Forderungen, die über der Teuerungsrate liegen. Laut Unia-Sprecher Christian Capacoel könnten Petitionen, Demos und weitere Protestaktionen folgen, sollten sich die Firmen der Forderung verweigern.

Im Gastgewerbe haben sich die Sozialpartner Anfang Juni auf eine Lohnerhöhung geeinigt. Die Mindestlöhne steigen nächstes Jahr gemäss der Teuerung und real je nach Lohnstufe um bis zu 40 Franken pro Monat, wie es auf Anfrage bei der Hotel & Gastro Union heisst. Die Forderung in der Bäckerbranche werde im Bereich von drei bis fünf Prozent liegen.

Mehr Lohn für alle?

Auch bei Coiffeuren gebe es bereits einen Ausgleich der Teuerung, sagt Johann Tscherrig von der Gewerkschaft Syna. Im Gesundheitswesen oder im Baugewerbe fordert Syna laut Tscherrig Lohnerhöhungen in Höhe des Teuerungsausgleichs und zusätzliche zwei bis drei Prozent. Ein Nein werde die Gewerkschaft nicht akzeptieren.

Transfair, der Personalverband für die Angestellten im Service Public, fordere ebenfalls einen Teuerungsausgleich, sagt Sprecherin Lea Lüthy. Für die Branche öffentliche Verwaltung soll es auch einen Ausgleich der 2021-Teuerung von 0,1 Prozent geben und im ÖV einen Ausgleich der höheren Krankenkassenprämien.

«Unrealistische Lohnforderungen»

Beim Arbeitgeberverband kommen die generellen Lohnforderungen über alle Branchen und Unternehmen nicht gut an. Sprecher und Geschäftsleitungsmitglied Andy Müller nennt diese «unrealistisch». Der Lohnherbst verlaufe wie immer: In der Regel entscheide jedes Unternehmen selbst, ob Lohnerhöhungen möglich sind.

Zudem hätten einige Unternehmen in der Pandemie von ihren Reserven gelebt. «Die Konjunkturaussichten haben sich eingetrübt. Wir stehen vor einer möglichen Energie-Mangellage im Winter», so Müller. Ausserdem habe sich die Teuerung in der Schweiz stabilisiert und falle im europaweiten Vergleich eher moderat aus.

Müller sagt aber auch: «Angesichts des Fachkräftemangels gehen wir davon aus, dass viele Unternehmen Lohnerhöhungen ausrichten, wenn es die wirtschaftliche Lage des Betriebs zulässt.» 

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