St. Gallen: So hoch wie jetzt war die Waldbrandgefahr noch nie
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St. GallenSo hoch wie jetzt war die Waldbrandgefahr noch nie

Die hohen Temperaturen lassen die Wälder im Kanton St. Gallen austrocknen. Nun haben die Behörden reagiert und das Waldbrandrisiko auf die höchste Stufe gesetzt.

von
jeh

Maurizio Veneziani vom kantonalen Forstamt erklärt, welche Auswirkungen die Trockenheit auf die Wälder hat. (Video: 20 Minuten)

Untypisch für Anfang August findet man derzeit an vielen Waldwegen im Kanton St. Gallen Laub. Grund ist die andauernde Hitze, die die Wälder austrocknen lässt. Regelmässige Gewitter am Abend, die den Wäldern gut tun würden, bleiben derzeit aus. Der Kanton hat das Waldbrandrisiko deshalb auf die höchste Stufe gesetzt. Gefährdet sind vor allem flachgründige, südexponierte Lagen, wie sie zum Beispiel im Sarganserland oder im Rheintal häufig vorkommen.

Wie der kantonale Waldbrand-Beauftragte Jörg Hässig erklärt, werden drei Auslöser für Brände im Wald unterschieden. «Bei Räumungsfeuern kann es schnell passieren, dass das eigentlich kontrollierte Feuer auf den Wald übergreift.» Ein weiterer Auslöser kann eine kleine Glut einer Zigarette oder eines Grillfeuers sein. Und drittens: «Es besteht die Gefahr, dass ein Blitzeinschlag einen Brand auslösen kann.» Erst am Montagabend war es im Kanton St. Gallen zu zwei kleinen Waldbränden gekommen, die von Blitzeinschlägen entfacht wurden.

Buche ist widerstandsfähiger

«Brände sind aber nicht per se schlecht für einen Wald», sagt Hässig weiter. Feuer dünne unter anderem das Unterholz aus. Dadurch würden lichte und sonnige Standorte entstehen, die den Wald verjüngen. «Somit wird neuer Lebensraum geschaffen.»

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Im Kanton St. Gallen gilt wegen der anhaltenden Trockenheit striktes Feuerverbot.

Im Kanton St. Gallen gilt wegen der anhaltenden Trockenheit striktes Feuerverbot.

Keystone
Das trockene Wetter zeigt sich im Wald beispielsweise an verfrühten Laubverfärbungen...

Das trockene Wetter zeigt sich im Wald beispielsweise an verfrühten Laubverfärbungen...

20Min
...oder Laubabwurf. «Zwischen April und Juli ist rund 250 bis 300 Millimeter zu wenig Niederschlag gefallen», sagt der kantonale Waldbrand-Beauftragte Jörg Hässig.

...oder Laubabwurf. «Zwischen April und Juli ist rund 250 bis 300 Millimeter zu wenig Niederschlag gefallen», sagt der kantonale Waldbrand-Beauftragte Jörg Hässig.

«Grundsätzlich gibt es während Trockenperioden im Wald immer Gewinner und Verlierer», erklärt Maurizio Veneziani vom Kantonalen Forstamt. «Die Fichte zum Beispiel leidet besonders stark. Sie wird auf lange Zeit gesehen in trockenen Zonen nicht überleben.» Deutlich widerstandsfähiger sei die Buche. «Sie wird sich den Bedingungen anpassen und einfach in höher gelegene Regionen wandern», so Veneziani.

Kanton lanciert Pilotprojekt

Der Klimawandel habe bereits vor 30 Jahren begonnen, betont Veneziani. Bis 2070 würden die Temperaturen um durchschnittlich drei Grad steigen: «Wir müssen den Wald für den Klimawandel fit machen», so Veneziani. Mit einer grösseren Artenvielfalt könne der Schweizer Wald auf die künftigen Klimabedingungen ausgerichtet werden. «Es braucht mehr Bäume, welche die Wärme und Trockenheit relativ gut vertragen.»

Trockenheit macht den Wäldern zu schaffen.

Die hohen Temperaturen lassen die Wälder im Kanton St. Gallen austrocknen. Nun haben die Behörden das Waldbrandrisiko auf die höchste Stufe gesetzt.

(Video: SDA)

Der Kanton St. Gallen lanciert deshalb ein Pilotprojekt mit 50 Testpflanzungen. Ausserdem sollen die Revierförster mit Kursen für die Erhöhung der Arten- und Strukturvielfalt geschult werden. Genetische Vielfalt habe auch positive Folgen auf die Lebewesen im Wald, sagt Veneziani.

Auch die Bauern leiden unter der Trockenheit

«Die Situation ist sehr prekär oder teilweise sogar dramatisch.» Dies schreibt der St. Galler Bauernverband in einer Mitteilung vom Dienstag. Da viele Landwirtschaftsbetriebe Futter dazukaufen müssten, fordert man nun Massnahmen. Der Verband hat deshalb bei den zuständigen Ämtern beantragt, den Schnittzeitpunkt für die Streueflächen um mindestens 14 Tage vorzuverlegen. Die Streue könnte bei rechtzeitigem Schnitt zumindest teilweise als Futter für das Jungvieh genutzt werden. Zudem sollen Armee und private Heli-Anbieter die Alpen und Landwirtschaftsbetriebe bei Wasserknappheit versorgen.

Bauern erhalten Hilfe von Nachbarn

Wie ein Beispiel aus dem Kanton Thurgau zeigt, kann den Landwirten auch mit Kleinigkeiten bereits geholfen werden. «Wir erhalten von zwei Familien aus Frauenfeld Äpfel aus deren Hausgarten. Das heisst sie nehmen das Fallobst auf und bringen es uns auf den Hof», sagt eine Landwirtin. Dies sei eine wunderbare Abwechslung für ihre Kühe und ein hoch geschätztes Zusatzfutter. Dabei gehe es vor allem um den Gemeinschaftsgedanken und die Solidarität.

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