Mission Possible: So holte der Zürcher 007 die Millionen-Bilder zurück
Aktualisiert

Mission PossibleSo holte der Zürcher 007 die Millionen-Bilder zurück

Ein Agent, ein Koffer voller Geld und eine internationale Bande: Der Bilderklau von Zürich ist spektakulär. Jetzt ist mit Degas' «Ludovic Lepic und seine Töchter» auch das vierte Bild zurück.

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fum/fbu

Das Aufatmen nach dem Wiederauffinden des 2008 aus der Bührle-Sammlung geraubten Gemäldes «Der Knabe mit der roten Weste» war gross. Die federführende Zürcher Staatsanwaltschaft schwieg sich über die Umstände der Sicherstellung in Belgrad bisher weitgehend aus. Man wolle zuwarten, bis sich das Kunstwerk wieder in der Schweiz befinde. Das 100-Millionen-Franken-Gemälde ist Anfang Woche in der Schweiz gelandet. Seit 9.30 Uhr informiert die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich und der Direktor der beklauten Bührle-Sammlung über die Hintergründe an einer Pressekonferenz.

Vor wenigen Tagen berichtete die «NZZ», die sich auf das serbische Wochenmagazin «Novi Magazin» berief, erstaunliche Details zur erfolgreichen Aktion. So soll ein Zürcher Polizist mehrmals nach Serbien gereist sein und sich dort eine falsche Identität zugelegt haben. Er habe belgische Kontrollschilder verwendet und sich als Besitzer einer vermögenden Stiftung ausgegeben - mit zweifelhaftem Leumund.

Ziel war es, mit Ivan Pekovic, dem mutmasslichen Anführer der berüchtigten Räuberbande Pink Panther, Kontakt aufzunehmen - was dem Zürcher Geheimagenten dank hartnäckigen Insistierens auch gelang. Dass Pekovic tatsächlich im Besitz des auf 100 Millionen Franken geschätzten Cézanne-Bildes war, zeigte sich spätestens, als er dem verdeckten Ermittler Fotos von sich neben dem Gemälde präsentierte.

Lösegeld in zwei Tranchen

Der Zürcher Polizist gab Pekovic zu verstehen, dass er bereit sei, ihm das Kunstwerk für 2,8 Millionen Euro abzukaufen, um es dann seinerseits zu einem höheren Preis der Bührle-Stiftung weiterzugeben.

Der Deal kam schliesslich auch dank der Hilfe eines slowenischen Fahnders zustande: Der Zürcher Agent reiste mit einem Koffer voller Geld erneut nach Belgrad und überreichte Pekovic wie abgemacht in einem Hotel einen Anteil von 400 000 Euro. Dieser lud den verdeckten Ermittler tags darauf in sein Anwesen in einem Belgrader Vorort ein, wo der Restbetrag überreicht wurde. Lange konnte sich Pekovic am Geldsegen allerdings nicht erfreuen: Noch am selben Abend wurde er verhaftet und der teure Cézanne sichergestellt.

Auch das vierte geraubte Bild zurück in Zürich

Mit «Ludovic Lepic und seine Töchter» von Edgar Degas sind alle geraubten Bilder wieder zurück in Zürich. Das auf 10 Millionen Franken geschätzte Gemälde ist wieder im Besitz der Zürcher Stiftung Sammlung E.G. Bührle.

Das Degas-Bild wurde bereits vor einigen Monaten in Serbien sichergestellt. Aus ermittlungstaktischen Gründen wurde diese Information jedoch zurückgehalten, bis auch das wertvollste der Gemälde, das Cézanne-Bild «Der Knabe mit der roten Weste», wieder aufgetaucht war.

Der Cézanne hat einen Wert von 100 Millionen Franken. Insgesamt waren am 10. Februar 2008 aus der Bührle-Sammlung vier Werke im Wert von 180 Millionen Franken geraubt worden.

Zwei der Bilder wurden bereits rund eine Woche nach dem Raubüberfall in einem Fahrzeug gefunden, das in der Nähe des Bührle-Museums auf einem Parkplatz abgestellt war. Es handelt sich dabei um Claude Monets «Mohnfeld bei Vétheuil» und Vincent van Goghs «Blühende Kastanienzweige». (SDA)

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