Daten-Debakel: So ist das BAG mit meineimpfungen.ch verbandelt
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Daten-DebakelSo ist das BAG mit meineimpfungen.ch verbandelt

Nach den gravierenden Sicherheitslücken bei der Impfplattform «meineimpfungen.ch» zieht sich das BAG von der Plattform zurück. Die Seite bleibt bis auf Weiteres geschlossen.

von
Leo Hurni
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Datenpanne: Auf der Website «meineimpfungen.ch» wurden die Impf-Daten von Hunderttausenden von Usern öffentlich zugänglich. 

Datenpanne: Auf der Website «meineimpfungen.ch» wurden die Impf-Daten von Hunderttausenden von Usern öffentlich zugänglich.

20min/Michael Scherrer
Die Website wurde vom Bundesamt für Gesundheit jährlich mit 250’000 Franken unterstützt. Zudem sassen hohe BAG-Experten im Stiftungsrat von «meineimpfungen».

Die Website wurde vom Bundesamt für Gesundheit jährlich mit 250’000 Franken unterstützt. Zudem sassen hohe BAG-Experten im Stiftungsrat von «meineimpfungen».

Tamedia AG
Anne Lévy, BAG-Direktorin, nimmt das BAG aus der Verantwortung. «Wir subventionieren meineimpfungen.ch, weil es die einzige Plattform ist, die ein solches Angebot angeboten hat.»

Anne Lévy, BAG-Direktorin, nimmt das BAG aus der Verantwortung. «Wir subventionieren meineimpfungen.ch, weil es die einzige Plattform ist, die ein solches Angebot angeboten hat.»

BAG

Darum gehts

  • Am Mittwoch nahm das Bundesamt für Gesundheit Stellung zur Datenpanne von «meineimpfungen.ch».

  • Die Website geriet in die Schlagzeilen, weil Unbefugte Zugang zu Impf-Daten erhielten.

  • «Eine Verantwortung für das Datenleck übernehmen wir aber nicht», sagte die BAG-Direktorin dazu.

Am Dienstag wurde bekannt, dass auf der Impfplattform «meineimpfungen.ch» Daten von mehr als 450’000 registrierten Usern öffentlich zugänglich waren. Gemäss der «Republik» unter anderem auch die Impfdaten von Bundesrat Ignazio Cassis und von Bundesrätin Viola Amherd.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) unterstützt dabei die Stiftung in ihrem Anliegen: Das Amt zahlte bisher jährlich 250’000 Franken an die Stiftung. Für die Einrichtung eines speziellen Covid-Impfausweises und mehr Datensicherheit zahlte das BAG der Stiftung zusätzliche 450’000 Franken. Und auch online macht das BAG Werbung für das Online-Impfbüchlein. «Das Impfbüchlein kann im Laufe der Jahre irgendwann verloren gehen. Deshalb ist es viel praktischer, Ihre Impfdaten auf meineimpfungen.ch zu speichern», heisst es in einem Infoblatt, das das BAG im April 2018 veröffentlichte.

BAG weist Verantwortung zurück

Damit soll nun Schluss sein. Nach dem Debakel gab BAG-Direktorin Anne Lévy am Mittwoch bekannt, dass der Vertrag mit «meineimpfungen» vorerst gestoppt wurde. Ob die 450’000 Franken jetzt an das BAG zurückgezahlt werden, konnte Lévy nicht sagen. Das BAG zieht sich allerdings aus der Verantwortung für das Daten-Leck. «Wir subventionieren Meineimpfungen.ch, weil es die einzige Plattform ist, die ein solches Angebot angeboten hat. Wir alle müssen schauen, wie es weiter geht. Eine Verantwortung für das Datenleck übernehmen wir aber nicht», so Lévy. Als das Daten-Leck öffentlich wurde, habe das BAG die Plattform sofort dazu aufgefordert, die Website zu deaktivieren.

Masserey zieht sich zurück

Auch personelle Massnahmen musste das BAG am Mittwoch verkünden. Denn bisher war auch eine Fachexpertin des BAG Teil des Stiftungsrates bei «meineimpfungen»: Seit Januar nahm Virginie Masserey, Chefin der Sektion Infektionskontrolle beim BAG, als Expertin für öffentliche Gesundheit Einsitz in ein Gremium der Stiftung, Am Mittwoch gab Masserey allerdings bekannt, dass sie sich aus dem Stiftungsrat zurückziehen wird. «In der Stiftung bin ich als Expertin tätig, werde mich aber aus dem Stiftungsrat zurückziehen», erklärt sie.

Masserey war dabei nicht die erste BAG-Expertin, die mit Einsitz im Stiftungsrat hielt. «Mr. Corona» Daniel Koch war von Mai 2018 bis September 2019 ebenfalls Mitglied des Stiftungsrates.

Die Stiftung nimmt das BAG aus der Verantwortung für das Debakel. «Die Verantwortung für die Plattform trägt die Stiftung. Das BAG hat uns von Anfang an ideell und finanziell unterstützt, da der elektronische Impfausweis die Nationale Strategie zu Impfungen (NSI) des Bundes unterstützt», sagt «meineimpfungen»-Mediensprecherin Nicole Bürki.

Der digitale Impfausweis

Bei meineimpfungen.ch handelt es sich um eine Plattform, die von einer Stiftung betrieben wird. Sie hat Verträge mit neun Kantonen, um die Anmeldungen in den kantonalen Impfanmeldungs-Plattformen und dem gesamtschweizerischen elektronischen Impfbüchlein zu koordinieren. Erst in der Frühlingssession hatte das Parlament entschieden, das Covid19-Gesetz anzupassen, um eine nationalen Impfausweis gesetzlich zu legitimieren.

Deine Meinung

98 Kommentare
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Research

25.03.2021, 13:12

Die Platform wurde bereits 2013 vom Bundesrat empfohlen. Hier kann man nicht einfach die Verantwortung abschieben. Wenn Steuergelder fliessen ist der BR in der Pflicht die notwendigen Abklärungen zu machen.

Domuz

25.03.2021, 13:11

Schon klar werden Daten (E-ID/Abstimmung) nicht freiwillig an Private gegeben...

Franz Häfliger

25.03.2021, 13:05

Der Fisch stinkt vom Kopf, es braucht Personelle Konsequenzen beim BAG und Berset soll die durch seinen Rücktritt unterstützen, um die Glaubwürdigkeit und Verantwortung zu übernehmen.