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Kantonsgericht St. Gallen«So, jetzt het dis letschte Stündli gschlage»

Wegen versuchter vorsätzlicher Tötung und sexueller Nötigung ist ein 49-Jähriger zu viereinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden. Er hat Rekurs eingelegt – das könnte ihn teuer zu stehen kommen.

von
taw
Das Kantonsgericht am St. Galler Klosterhof. (Bild: tob)

Das Kantonsgericht am St. Galler Klosterhof. (Bild: tob)

Der heute 49-jährige Ostschweizer soll laut Anklageschrift am Morgen des 21. November 2011 seine Ehefrau im gemeinsam bewohnten Einfamilienhaus zu Sex gezwungen haben. Als sie dies nicht wollte, weil er nach Alkohol roch, wurde der Beschuldigte grob. Er packte sie und riss sie zu Boden.

Obwohl sie ihn mehrfach bat, aufzuhören, warf sich der Beschuldigte auf sie, drückte sie zu Boden und zog sie aus. In der Folge biss er seine Frau in die Brüste und in den Intimbereich und drang mit seiner Hand grob in sie ein.

«Jetz isch fertig, ich überleb das nöd»

Die Schreie seiner Ehefrau stachelten ihn bei seinem Tun laut Anklageschrift nur noch weiter an. Kurzzeitig konnte sich die Ehefrau befreien. Doch der Beschuldigte drückte sie erneut zu Boden und legte sich mit vollem Körpergewicht auf sie und wurde erneut grob.

Schliesslich hielt der Beschuldigte seiner Frau Mund und Nase wiederholt mit beiden Händen zu. Ihr wurde laut Anklageschrift schummrig und sie hatte Todesangst. «Jetz isch fertig, ich überleb das nöd», beschrieb sie in einer Befragung ihre Panik. Dennoch gelang ihr die Flucht und sie rief die Polizei.

Wie in der Urteilsbegründung festgehalten wird, gab sowohl die Frau als auch der Beschuldigte an, dass dieser keine Erektion gehabt hatte. Laut der Frau sei er einfach ausgetickt und habe zu ihr gesagt: «So, jetzt het dis letschte Stündli gschlage.» Er habe sich jahrelang von der Frau unterdrückt gefühlt. Solange er gearbeitet habe, sei er gut genug gewesen, und wenn nicht, sei er der «Tubel» gewesen.

Täter hat Alkoholproblem

Laut der Ehefrau sind Arbeitsstress und die Tatsache, dass sie ihn jeweils wegen seiner Alkoholausdünstung abgewiesen hat, mögliche Gründe für den Übergriff. Ansonsten beschreibt sie ihn als ruhigen, hilfsbereiten Mann, als guten Vater und Ehemann.

Der Beschuldigte ist weitgehend geständig. Er gibt eine verbale Auseinandersetzung als Auslöser für seinen Ausraster an. Das Ganze habe sich dann «irgendwie raufgeschaukelt». Er betont aber, dass er keinen Sex habe erzwingen wollen und auch nicht die Absicht gehabt habe, seine Frau zu töten.

Der Beschuldigte hat seit etwa 2003 ein Alkoholproblem. Ausschlaggebend dafür seien finanziellen Probleme der Familie. Stationäre Massnahmen waren bisher erfolglos.

Angeklagter geht in Berufung

In der Anklageschrift wird von der Staatsanwaltschaft beantragt, den Beschuldigten wegen versuchter vorsätzlicher Tötung und versuchter Vergewaltigung zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren schuldig zu sprechen. Zudem sei eine Suchtbehandlung anzuordnen. Das weil seine Taten in Zusammenhang mit seiner Alkoholsucht stehen und um weitere Taten zu verhindern.

Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten beantragte eine Verurteilung wegen versuchter vorsätzlicher Tötung und sexueller Nötigung zu einer Freiheitsstrafe von maximal 18 Monaten.

Das Kreisgericht Toggenburg sprach den Beschuldigten am 15. Februar 2013 wegen versuchter vorsätzlicher Tötung sowie sexueller Nötigung schuldig und verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von 54 Monaten. Zudem wurde eine ambulante Massnahme angeordnet. Dieses Urteil akzeptierte der 49-Jährige nicht. Im Berufungsprozess am 12. November vor dem Kantonsgericht St. Gallen verlangt er wegen Gefährdung des Lebens schuldig gesprochen zu werden. Zudem will er eine Strafmilderung. Das hätte er womöglich besser gelassen. Denn nun fordert die Staatsanwaltschaft neu sechs Jahre Freiheitsstrafe und eine stationäre Therapie.

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