11.07.2020 09:07

Zähes Ringen

So kam es zur Maskenpflicht im ÖV

Seit Montag gilt die Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln. Dem Entscheid vorangegangen war ein zäher Kampf in der Corona-Taskforce des Bundesrats

von
Reto Heimann
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Seit Montag gilt in Schweizer ÖV eine Maskenpflicht.

Seit Montag gilt in Schweizer ÖV eine Maskenpflicht.

KEYSTONE
Vorangegangen waren zähe Verhandlungen in der Corona-Taskforce des Bundesrats.

Vorangegangen waren zähe Verhandlungen in der Corona-Taskforce des Bundesrats.

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Die Lager verliefen entlang von zwei Linien: Wissenschaft gegen Wirtschaft.

Die Lager verliefen entlang von zwei Linien: Wissenschaft gegen Wirtschaft.

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Darum gehts

  • Seit Montag gilt in den ÖV die Maskenpflicht.
  • Interne Dokumente zeigen, dass der Pflicht zähe Verhandlungen vorausgegangen waren.
  • In der Corona-Taskforce standen sich Wissenschaft und Wirtschaft mit konträren Positionen gegenüber.

Das Thema hat die Schweiz wochenlang beschäftigt. Soll in ÖV eine Maskenpflicht gelten? Oder soll eher mit Empfehlungen gearbeitet und auf die Eigenverantwortung der Menschen gezählt werden? Interne Protokolle, die dem «Blick» vorliegen, zeigen nun, dass genau um diese Fragen auch im Krisenstab des Bundesrates heftig gestritten wurde.

Von Mitte März bis Mitte Juni tagte dieser Krisenstab mehrmals die Woche in Bern. Von allem Anfang an einer der grössten Diskussionspunkte: die Maske. So liesse sich der Krisenstab in zwei Lager einteilen, schreibt der «Blick». Auf der einen Seite die Wissenschaft, die eine Maskenpflicht befürwortete. Auf der anderen Seite die Wirtschaft, die sich gegen eine Pflicht stellte.

Wissenschaft fordert Maske

Während des partiellen Lockdowns ab 16. März stellte sich auch das BAG noch gegen eine allgemeine Maskenpflicht. «Schutzmasken sind, wenn sie in der allgemeinen Bevölkerung getragen werden, sehr wenig wirksam», sagte etwa Daniel Koch.

Immer lauter wurden aber die Stimmen aus der Wissenschaft, die das Tragen einer Maske auch in der breiten Bevölkerung forderten – auch innerhalb der Taskforce. So etwa Epidemiologe Matthias Egger: «50 Prozent der Übertragungen finden durch Personen statt, die keine Symptome zeigen», sagt er. Gerade darum sei es wichtig, dass dort, wo Abstandsregeln nicht eingehalten werden können, eine Maske getragen werden.

Durchseuchung als Option

Der grösste Gegenspieler der Maskenbefürworter innerhalb der Taskforce war die Wirtschaft in Person von Economiesuisse-Präsident Heinz Karrer. Dieser fragte den Bundesrat noch im Mai, warum Durchseuchung keine Option in der Bekämpfung des Virus sei. Eine Maskenpflicht hielt er für überzogen: «Es besteht ein gewisses Risiko, dass man aus dem Maskenthema zu viel macht.»

Darauf angesprochen wiegt Karrer heute ab. Economiesuisse sei von Anfang an gegen eine allgemeine Maskenpflicht gewesen. Dort aber, wo Abstandsregeln nicht konsequent umgesetzt werden können, sei die Maske ein wichtiges Instrument.

Widerstand auch im Bundesrat

Die ÖV-Maskenpflicht stiess lange auch innerhalb des UVEK, des für den öffentlichen Verkehr zuständigen Departements unter der Leitung von Simonetta Sommaruga auf Skepsis. Ihr oberster Berater, Matthias Ramsauer, war auch gegen eine Pflicht. Die Befürchtung: Eine Maskenpflicht könnte die Leute davon abhalten, ÖV zu fahren und so zu weniger Einnahmen führen.

Erst als die Bundesrätin selbst am 29. Juni mit Maske – damals noch freiwillig – in einem Berner Tram gesichtet wurde, standen die Zeichen auf Maskenpflicht. Ihr war ein zähes Ringen in der Corona-Taskforce vorausgegangen.

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179 Kommentare
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Suzan

12.07.2020, 17:52

Am Anfang Corona, sagte man es sind keine Masken nötig,sind auch keine vorhanden gewesen, jetzt Maskenpflicht in öv, weil zu viele Masken am Lager sind.

back2020

12.07.2020, 14:05

es wäre noch gut, wenn auch an den Haltestellen und in den Bussen und Trams Hinweise für die Maskenpflicht stehen würden

PZwei

12.07.2020, 09:23

Wäre dieses Virus so gefährlich, hätten sie sofort Maskenpflicht verlangt. Aber das Narrativ funktioniert, solange es noch Schlafschafe gibt.