Aktualisiert 01.07.2020 07:09

Vorwürfe an Polizei

So kam Frédéric (24) aus der Zelle – aber ist er Opfer oder Täter?

Frédéric D. (24) wirft Zürcher Polizisten Gewalt vor. Verschiedene Verletzungen sollen davon zeugen. Laut der Stadtpolizei Zürich verhielt sich der junge Mann selbst gewalttätig.

von
Qendresa Llugiqi, Thomas Mathis

Darum gehts

  • Der Nidauer Frédéric D. (24) hatte am frühen Sonntagmorgen eine Auseinandersetzung mit einer Frau.
  • Die Polizei musste intervenieren.
  • Der betroffenen Frau zufolge, verhielt sich der junge Mann nicht nur ihr sondern auch der Polizei gegenüber aggressiv.

Beamte der Stadtpolizei Zürich sollen Frédéric D. (24) aus Nidau BE hart angegangen sein. Auf «TeleBielingue» beschuldigt der junge Mann die Polizisten, ihn auf den Boden gedrückt und ihn geschlagen zu haben. Auch 20 Minuten teilt D. sein Erlebnis bei der Zentralbibliothek mit: «Eine Frau behauptete, dass ich sie mit Nüssen beworfen hätte. Doch das stimmt nicht», sagt er. Sie habe ihm gedroht, es sei zu Handgreiflichkeiten gekommen – wobei er sich lediglich gewehrt habe.

Schnell sei auch die Polizei vor Ort gewesen. Doch statt auf ihn einzugehen, hätten ihn die Beamten rabiat angepackt – trotz seiner Platzangst. Er habe eine Verletzung an der Lippe, ein gebrochenes Handgelenk sowie Schürfungen und Prellungen im Gesicht erlitten. Schliesslich sei D. bis am Sonntagmorgen in die Ausnüchterungszelle gekommen. Noch am gleichen Abend habe er die Beamten der Stadtpolizei Zürich angezeigt.

«Er kickte mir ins Gesicht»

20 Minuten konnte mit der betroffenen Frau sprechen, die nach der Auseinandersetzung ärztlich versorgt werden musste und weiterhin arbeitsunfähig ist. «Er kickte mir ins Gesicht, ein weiterer Kick folgte an den Kopf. Dann packte er meine Haare. Er zog so fest daran, dass mir an mehreren Stellen Haare fehlen.» D. habe erst von ihr gelassen, als die Polizei eingetroffen sei. Kurz vor dem Angriff habe sie sich bei einem Paar entschuldigen wollen, das sie zuvor fälschlicherweise beschuldigt habe, sie mit Nüssen beworfen zu haben.

Laut der 27-jährigen Zürcherin hat sich D. nicht nur ihr sondern auch gegenüber der Stadtpolizei aggressiv verhalten. «Er wollte die Polizisten schlagen, beschimpfte sie und versuchte auch, zu flüchten.» Auch sonst habe sich der junge Mann seltsam verhalten: «Während dem Einsatz schrie er ‹Filmt das, filmt das›. Ob jemand der anderen Anwesenden gefilmt hat, weiss ich nicht. Man merkte aber, dass er irgendwie bloss Aufmerksamkeit wollte.» Sie habe den jungen Mann angezeigt.

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Diese Verletzungen soll Frédéric D. (24) der betroffenen Frau zugefügt haben.

Diese Verletzungen soll Frédéric D. (24) der betroffenen Frau zugefügt haben.

Stadtpolizei Zürich
Er habe ihr auch Haare ausgerissen.

Er habe ihr auch Haare ausgerissen.

Stadtpolizei Zürich

D. soll Polizistin «Drecksschlampe» genannt haben

Die Stadtpolizei Zürich bestätigt den Einsatz. Eine Polizeipatrouille sei eigentlich auf dem Weg zu einer Lärmklage in der Nähe gewesen, als ein Polizist beim Zähringerplatz bemerkt habe, wie ein Mann eine Frau zu Boden gedrückt habe und sie angegangen sei. «Der Polizist stieg sofort aus und zog den Unbekannten von der Frau weg», sagt Marco Cortesi, Medienchef der Stadtpolizei Zürich. Daraufhin habe sich der Mann alles andere als kooperativ verhalten. So habe er zwei Mal versucht, zu fliehen. Er sei aggressiv geworden und habe auch versucht, einen Polizisten mit der Faust zu schlagen. Der Mann habe am Boden fixiert werden müssen. «Er begann laut zu schreien und forderte Passanten auf, alles zu filmen. Gleichzeitig betitelte er die anwesende Polizistin als Drecksschlampe.»

Weil D. weiter herumgetobt habe, seien ihm Hand- und Fussfesseln angezogen worden. «Schliesslich mussten ihn drei Polizisten in den aufgebotenen Kastenwagen tragen. Dabei versuchte er immer wieder, diese zu beissen», sagt Cortesi. «Im Kastenwagen demolierte er die massive Gittertüre.» Der junge Mann sei in die zentrale Ausnüchterung und Betreuungsstelle gebracht worden.

Auf D. kommt nun einiges zu. Cortesi: «Gegen den Mann wird wegen Körperverletzung rapportiert, wegen Hinderung Amtshandlung, Sachbeschädigung, eventuell auch noch wegen Gewalt und Drohung gegen Beamte und von der Polizistin wird eine Ehrverletzungsklage gemacht.»

D. sagt, was zwischen ihm und der Frau passiert sei, tue ihm leid. Er bleibe aber dabei, dass die Polizei ihn unverhältnissmässig hart angegangen sei.

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