Aktualisiert 19.09.2011 10:58

Gute AussichtenSo kann Lüthi 2012 Weltmeister werden

Die WM 2011 ist für Tom Lüthi gelaufen. Aber der 25-jährige Berner hat gute Chancen, nächstes Jahr um den Titel zu fahren. Vier Gründe sprechen dafür.

von
Klaus Zaugg
Alcaniz

Beim GP von Aragon hat Tom Lüthi am Wochenende erfahren, dass er nicht in die MotoGP-Klasse aufsteigen kann. Er muss 2012 wieder die Moto2-WM bestreiten (20 Minuten Online berichtete).

Die Frage lautet nun: Hat er 2012 bessere Chancen als diese Saison? Die Antwort ist klar Ja. Vier Gründe sprechen dafür, dass er erstmals seit 2005 (Weltmeister 125 ccm) in einem Titelkampf eine wichtige Rolle spielen kann.

Es kann eine Traum-Saison werden

Erstens: Konzentration auf ein grosses Ziel. Auch wenn Tom Lüthi sagt, dass die MotoGP-Klasse weiterhin sein grosses Ziel sei – er ahnt, ja, er weiss, dass daraus wohl nichts wird. 2012 wird die Moto2-WM keine «Durchgangs-Kategorie» auf dem Weg nach ganz oben sein. Sondern das Ziel aller Anstrengungen. Das Hin und Her um einen möglichen Aufstieg in die Königsklasse, das in dieser Saison früh für Ablenkung und Unruhe sorgte, wird es 2012 nicht geben. Die Bündelung aller Kräfte wird besser gelingen.

Zweitens: Mehr Erfahrung mit den Suter-Bikes. Gewiss, auch die Konkurrenz, die bei Suter bleibt, wird 2012 mehr Erfahrung in der Abstimmung dieser heiklen Maschinen haben. Aber inzwischen zeichnet sich ab, dass Lüthis Mechaniker um Cheftechniker Alfred Willecke mit den Suter-Boliden besser zurechtkommen. Und vielleicht gelingt es Lüthis Manager Daniel M. Epp doch noch, bei Suter eine Vorzugsbehandlung für seinen Piloten durchzusetzen. Sozusagen vom Schweizer Teammanager zum Schweizer Töffhersteller im Interesse eines Schweizer Töffpiloten zur Freude der Schweizer Töfffans. «Swissness» eben.

Drittens: Tom Lüthis Talent. Gerade bei der Aufholjagd beim GP von Aragon (von Platz 16 auf Rang 7) hat sich wieder gezeigt: Der sensible Stilist Tom Lüthi ist nach wie vor einer der talentiertesten Piloten der Welt. Lüthi wird nie ein Draufgänger sein, der am Gasgriff dreht, als gäbe es kein Morgen. Seine Stärke ist im Dauerwettbewerb WM eine Rennintelligenz, die es ihm ermöglicht, weniger Fehler als die Konkurrenz zu machen und das Risiko besser abzuwägen. Wenn es 2012 weniger Störfaktoren gibt (und damit ist wie bereits dargelegt zu rechnen), dann ist es möglich, dass wir 2012 den besten Lüthi sehen werden: Gereift und smart aus inzwischen neun Jahren GP-Erfahrung und dadurch den wilden Jungen überlegen.

Viertens: Die Frustration über die missglückte Saison 2011. Die WM war eigentlich nach fünf Rennen schon vorbei (Titelchancen verspielt). Das hat dazu geführt, dass bereits jetzt und nicht erst im Winter Grundsatzdiskussionen in vielen Bereichen geführt werden. Manager Daniel M. Epp hat erstmals schon vor dem Saisonende mit ungewöhnlicher Selbstkritik alles in Frage gestellt. Es bleibt nun genug Zeit, die Erkenntnisse aus der Selbstanalyse umzusetzen. Wir können davon ausgehen, dass Tom Lüthis Team 2012 effizienter organisiert sein wird, die Fehlerquote gesenkt werden kann und der Fahrer und seine Techniker nicht mehr – wie zeitweise 2011 – in einer Komfortzone verweilen und zu früh mit zu wenig zufrieden sind. Und dass Tom Lühti 2012 endlich jenes Einkommen erzielen kann, das seinem Marktwert entspricht.

Lüthi bleibt die Schweizer Nummer 1

Eines ist indes klar: Die Gegner werden 2012 nicht schwächer sein. Marc Marquez und Stefan Bradl, die Dominatoren dieser Saison, treten wieder an. Bradl ist es nicht einmal in Deutschland, einem mehr als zehnmal grösseren Motorsportmarkt als die Schweiz, gelungen, einen Aufstieg in die MotoGP-Klasse zu finanzieren. Und Tom Lüthis Gegner aus dem eigenen Lager – die 21-jährigen Randy Krummenacher und Dominique Aegerter – werden schneller. Doch Lüthi ist talentierter als die beiden Herausforderer aus der Schweiz und hat nach wie vor einen grossen Erfahrungs-Vorsprung. Krummenacher und Aegerter können Lüthi 2012 in einzelnen Rennen besiegen. Aber nicht im Gesamtklassement. Und die Rivalität aus dem eigenen Land mehrt letztlich das Spektakel und das Medieninteresse.

Die Moto2-WM 2011 ist für Tom Lüthi und sein Team gelaufen – die restlichen vier Rennen sind bereits eine «Vorbereitung im scharfen Schuss» auf die Saison 2012.

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