03.02.2015 13:32

«Surge Pricing»

So kann Uber plötzlich megateuer werden

Die Taxi-App Uber mischt mit günstigen Preisen den Markt auf. Aber: Manchmal ist eine Uber-Fahrt viel teurer als eine mit dem normalen Taxi.

von
K. Wolfensberger
1 / 4
Uber existiert in vier Schweizer Städten: Zürich, Genf, Basel und neu Lausanne.

Uber existiert in vier Schweizer Städten: Zürich, Genf, Basel und neu Lausanne.

Keystone/Steffen Schmidt
In der Romandie wird Uber von Steve Salom (Bild) geleitet, in der Deutschschweiz von Rasoul Jalali.

In der Romandie wird Uber von Steve Salom (Bild) geleitet, in der Deutschschweiz von Rasoul Jalali.

Keystone/Laurent Gillieron
CEO von Uber ist Travis Kalanick.

CEO von Uber ist Travis Kalanick.

Keystone/AP/Evan Agostini

Der Taxi-App-Dienstleister Uber ist bekannt für günstige Preise. In verschiedenen Ländern hat die Firma aus den USA schon den Markt aufgemischt. Doch nicht immer sind die Tarife tatsächlich so günstig. So traute 20-Minuten-Leser R.Z.* seinen Augen kaum, als er 138 Franken für eine Fahrt vom Swisscasino in Zürich zum Glattpark in Opfikon bezahlen musste. Zeitpunkt des Transports war die Silvesternacht um 2.30 Uhr. Bestellt hatte R.Z. nicht ein reguläres Taxi, sondern eine Limousine via Uber-App. Uber ist eigentlich für günstige Preise bekannt.

Besonders ärgerte sich R.Z. darüber, dass er nicht eines der Taxis verwendet hatte, die vor dem Kasino warteten. Diese berechnen für eine Fahrt vom Stadtzentrum in Zürich nach Opfikon ungefähr 40 bis 50 Franken, wie Taxi 444 und Fahrdienst 7x7 auf Anfrage erklären.

Dynamische Preise

Wie kam es zum hohen Preis? Diese Frage stellte 20 Minuten Uber-Deutschschweiz-Manager Rasoul Jalali. Uber kenne grundsätzlich keine fixen Preise, sondern passe diese dynamisch an die aktuelle Nachfrage an. «Unser Ziel ist es, immer zuverlässig eine Fahrt zu ermöglichen. Die dynamische Preisgestaltung ist ein Weg, um die Verfügbarkeit von Fahrzeugen sicherzustellen. Sie bietet die Möglichkeit, mehr Fahrzeuge auf die Strassen zu bringen und damit die Anzahl der Fahrten zu erhöhen.» Uber nennt sein Preissystem «Surge Pricing».

Die Berechnung der Preise erfolgt dabei vollautomatisiert mithilfe einer Software. Diese legt in Zeiten grosser Nachfrage einen Multiplikationsfaktor fest. Der effektive Fahrtpreis kommt schliesslich durch die Rechnung «Grundpreis mal Multiplikator» zustande. Im Falle von R.Z. sah dies wie folgt aus: Grundtarif für die Fahrt Zürich–Opfikon (24.20 Franken) mal Multiplikationsfaktor (5.7) ergab schliesslich den Totalbetrag von knapp 138 Franken.

Nutzer werden gewarnt

Zu 20 Minuten sagt R.Z.: «Ich habe grundsätzlich Verständnis für die Preisanpassungen. Doch ich wurde nicht davor gewarnt und hatte plötzlich die Mega-Rechnung zu bezahlen.» Doch stimmt, was R.Z. über seine Heimfahrt am frühen Morgen des 1. Januar behauptet? Laut Manager Jalali erhalten die Kunden vor Bestellung der Fahrt einen Hinweis zum jeweils geltenden Multiplikationsfaktor.

Einen maximalen Multiplikationsfaktor gibt es bei Uber laut «Business Insider» übrigens nicht. Stattdessen gilt die Regel: Ist der Faktor grösser als zwei, müssen die Kunden diesen selbst nochmal von Hand ins Smartphone eintippen. So werde sichergestellt, dass die Kunden nach der Fahrt keine böse Überraschung erleben.

Transparenz für die Kunden

«Uns ist Transparenz wichtig, um die Kunden nicht zu verärgern. Schliesslich sollen sie in Zukunft unsere App erneut nutzen», erklärt Jalali die Vorgehensweise seines Unternehmens. Über die App kann man sich ausserdem vor der Bestellung eine Fahrpreisschätzung berechnen lassen.

Und wem bei einem Engpass der Preis zu hoch sei, dem biete Uber eine Alternative. Man könne warten und sich von der App benachrichtigen lassen, wenn die Preise wieder gesunken seien. Für R.Z. ging die Geschichte übrigens relativ glimpflich aus. Der Uber-Kundendienst gewährte ihm als Entgegenkommen einen Preisnachlass von 25 Prozent.

*Name der Redaktion bekannt.

Was ist «Dynamic/Surge Pricing»?

Unter «Dynamic Pricing» oder «Surge Pricing» versteht man eine Preisstrategie bei der Unternehmen die Preise für Produkte oder Dienstleistungen auf Basis von Angebot und Nachfrage an den Märkten anpassen. Diese Form des Preismanagements gibt es in Online-Reisebüros, bei Fluggesellschaften oder bei Online-Shops. Während das Dynamic Pricing bei Airlines dazu verwendet wird, Flugpreise an bestimmte Tageszeiten oder Wochentage anzupassen, verwendet Uber es, um bei Engpässen mehr Fahrer zum Arbeiten zu motivieren.

Jetzt auch in Lausanne

Uber bietet seine Dienstleistungen seit dem 29. Januar 2015 auch in Lausanne an. In der Schweiz war der Taxi-App-Dienstleister bisher in Basel, Zürich und Genf aktiv. Uber funktioniert dabei wie folgt: Via eine App werden Taxifahrten vermittelt, wobei Uber selbst keine angestellten Fahrer und keine eigenen Autos hat. Die Firma arbeitet mit lokalen Partnern zusammen. Das sind entweder einzelne, selbständige Fahrer oder Kleinunternehmen mit einem vorhandenen Fuhrpark und mehreren Fahrern. Für die Vermittlung via App bekommt Uber 20 Prozent Kommission auf den effektiven Fahrpreis. Uber ist laut eigenen Angaben 30 bis 40 Prozent günstiger als die herkömmlichen Taxis. Bestellt werden die Taxis über die App, abgerechnet wird im Nachhinein über die in der App hinterlegte Kreditkarte. Von der traditionellen Branche wird Uber stark kritisiert. Der Vorwurf: Viele Fahrer Fahrer seien Privatleute, die nicht behördlich kontrolliert würden.

Fehler gefunden?Jetzt melden.