Spritzenphobie - So kannst du dich trotz Angst vor Spritzen gegen Covid-19 impfen lassen
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SpritzenphobieSo kannst du dich trotz Angst vor Spritzen gegen Covid-19 impfen lassen

Angst vor Spritzen kann dazu führen, dass Menschen Impfungen vermeiden. In der Pandemie ist das nicht ganz unproblematisch. Doch es gibt Abhilfe – bald vielleicht sogar mehr als eine.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Nadeln – für die meisten Menschen nicht angenehm, doch für N.M. ein Horror. Seit Jahren leidet er unter einer schweren Trypanophobie: Er hat Angst vor Nadeln.

Nadeln – für die meisten Menschen nicht angenehm, doch für N.M. ein Horror. Seit Jahren leidet er unter einer schweren Trypanophobie: Er hat Angst vor Nadeln.

20min/Steve Last
«Deshalb kann ich mich nicht gegen Corona impfen lassen - obwohl ich bereit dazu wäre», sagt M. Bei seinem Impftermin vor rund einem Monat habe die Panik schon im Wartebereich angefangen.

«Deshalb kann ich mich nicht gegen Corona impfen lassen - obwohl ich bereit dazu wäre», sagt M. Bei seinem Impftermin vor rund einem Monat habe die Panik schon im Wartebereich angefangen.

20min/Marco Zangger
«Ich war zappelig und völlig verspannt, als stünde ich unter einem schweren Stromschlag», sagt M.

«Ich war zappelig und völlig verspannt, als stünde ich unter einem schweren Stromschlag», sagt M.

20min/Steve Last

Darum gehts

  • Wer Angst vor Spritzen oder Injektionen hat, kann sich derzeit nicht oder nur mit Schwierigkeiten gegen Covid-19 impfen lassen.

  • Das Max-Planck-Institut für Psychiatrie bietet für Betroffene eine Kurz-Therapie an.

  • Künftig soll es zudem möglich sein, Impfstoffe mittels Pflaster oder Nasenspray zu verabreichen.

In den Nachrichten, auf Plakaten und Social-Media: Überall sieht man zurzeit Nadeln, die in Oberarme gestochen werden. Für Menschen mit einer Spritzenphobie, von Experten Trypanophobie genannt, ist das eine echte Herausforderung. Schlimmer ist nur die Vorstellung, dass eine Spritzennadel in den eigenen Arm sticht. Trotz Beruhigungsmittel konnte N. M. seinen Impftermin deshalb nicht wahrnehmen (siehe Bildstrecke).

Wie viele Erwachsene aufgrund ihrer Phobie die Covid-19-Impfung ablehnen, wurde bislang nur wenig untersucht. Laut Schätzungen sind es «rund fünf bis sieben Prozent», so das Max-Planck-Institut für Psychiatrie (MPI) in München. Können sie ihre Angst vor Injektionen nicht überwinden, stehen sie Sars-CoV-2 schutzlos gegenüber.

Kurz-Therapie hat Erfolgsquote von 90 Prozent

Abhilfe schafft da ein sechs Sitzungen umfassendes Therapie-Programm des MPI. «Die Kurzintervention ist sehr wirksam, auch wenn die Angst danach nicht komplett weg ist, sind Impfungen oder andere Interventionen in der Regel gut durchführbar», zitiert das Institut Angelika Erhardt, Leiterin der Ambulanz am MPI. 90 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer verliessen das Programm mit einer Impfung oder einer Blutabnahme, berichtet Zdf.de.

Bei der Kurztherapie des MPI handelt es sich um eine sogenannte In-Vivo-Exposition, einer tatsächlichen Konfrontation mit dem, vor dem die Betroffenen Angst haben. Punkto Spritzenphobie heisst das: In Einzelsitzungen werden die Betroffenen zunächst über die Erkrankung aufgeklärt, sehen sich Bilder an, nehmen Spritzen in die Hand, bis sie schliesslich soweit sind, mit einer Nadel gepikst zu werden. Einziger Nachteil an dem Angebot: Die Sitzungen werden ausschliesslich in München durchgeführt. Es gibt aber auch psychotherapeutische Alternativen, die hierzulande angeboten werden.

Pflaster statt Spritze

Wer den Schritt der Therapie nicht gehen möchte, aber trotzdem gegen Covid-19 immunisiert werden möchte, dem bleibt zunächst einmal nur abzuwarten. Doch die Zeichen stehen gut, dass auch es in Zukunft Alternativen zur Impfung per Injektion gibt.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Stanford University und der University of North Carolina haben ein Impfpflaster entwickelt, das mit Hilfe eines 3D-Druckers hergestellt wird. Dieses ist auf der Klebeseite mit winzigen, für den Nutzer nicht spürbaren Mikronadeln beschichtet, die mit dem Impfstoff benetzt sind. Laut einer im Fachjournal «Proceedings of the National Academy of Sciences» veröffentlichten Studie mit Mäusen wird über die «Klebeimpfung» eine T-Zell- und Antigen-spezifische Antikörperantwort hervorgerufen, die zehnmal so stark ist wie eine Injektion – weil der Impfstoff direkt in die Haut gebracht wird, wo zahlreiche Immunzellen sitzen, die sofort reagieren. Um die gleiche Impfwirkung zu erzielen wie die per Spritze verabreichten Impfungen muss also weniger Impfstoff verwendet werden.

Impfstoff durch die Nase

Bereits in der Phase der klinischen Studien befinden sich einige Impfstoffe, die per Nasenspray verabreicht werden. Die sogenannt intranasalen Impfungen könnten laut den Verantwortlichen gleich mehrere Vorteile bieten: Einerseits kommen sie ganz ohne Nadeln aus. Andererseits, so die Hoffnung, könnten sie anders als per Spritze verabreichte Impfungen auch die Immunzellen auf der Schleimhaut anregen und dazu beitragen, zumindest einen Teil der Ansteckungen zu verhindern.

Auch ein deutsch-schweizerisches Forschungsteam arbeitet an einer solchen Nasenspray-Impfung. Die Gruppe um Volker Thiel von der Universität Bern hat mit gentechnischen Methoden ein abgeschwächtes Corona-Virus erzeugt und dieses Hamstern in die Nase gespritzt. Sie waren nach einer Impfdosis vor einer Erkrankung geschützt, berichtet Srf.ch. Ob der Impfstoffkandidat der Berner auch beim Menschen funktioniert, muss sich erst noch zeigen. Thiel und seine Kolleginnen und Kollegen sind noch nicht ganz so weit. Sie hoffen, in einem Jahr mit den klinischen Studien in einem Jahr beginnen können.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Hast du oder hat jemand, den du kennst, eine Phobie?

Hier findest du Hilfe:

Pro Mente Sana, Tel. 0848 800 858

Kinderseele Schweiz, Beratung für psychisch belastete Eltern und ihre Angehörigen

Verein Postpartale Depression, Tel. 044 720 25 55

Angehörige.ch, Beratung und Anlaufstellen

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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