Geklonter Smart Key: So klaut man einen BMW in drei Minuten
Aktualisiert

Geklonter Smart KeySo klaut man einen BMW in drei Minuten

Vor laufender Überwachungskamera entwenden Kriminelle einen neuen schlüssellosen BMW. Hat der deutsche Premium-Autobauer gleich mehrere Sicherheitsprobleme?

von
Daniel Schurter

Im Kinofilm «Gone in 60 Seconds» knackte eine Diebesbande in einer einzigen Nacht 50 Luxuskarossen. Doch die Realität hat das Hollywood-Drehbuch längst überholt. Gemäss Medienberichten aus Grossbritannien könnten heutige Kriminelle ein Vielfaches an Fahrzeugen entwenden. Möglich macht dies eine neue Funktion, die eigentlich das Leben der Autobesitzer erleichtern soll.

Der sogenannte Smart Key erlaubt das schlüssellose Öffnen und Starten mithilfe einer kleinen Fernbedienung, die in der Hosentasche Platz findet. Die Technologie, die in Fahrzeugen der neusten Generation eingebaut ist, weist allerdings beträchtliche Sicherheitslücken auf. Ein bei YouTube hochgeladenes Video zeigt, wie ein BMW 1M Coupe in drei Minuten gestohlen wird. Dies hat der Auto-Blog «Jalopnik» publik gemacht, der zum US-Medienkonzern Gawker Media gehört.

Kein Alarm

Die nächtliche Tat wurde von einer Überwachungskamera gefilmt und vom bestohlenen BMW-Besitzer in einem Online-Forum veröffentlicht. Im Video ist zu sehen, wie die Diebe zunächst eine Seitenscheibe einschlagen, ohne dass die Alarmanlage losgeht. Dann greifen sie im Fahrzeuginnern ungestört auf das On-Board-Diagnosesystem (OBD) zu.

Die im Fussbereich platzierte Schnittstelle zur Bordelektronik ist eigentlich für Mechaniker gedacht. Darüber lässt sich aber auch ein Gerät anschliessen, mit dem ein eigener Smart Key programmiert werden kann. Die Gauner «basteln» sich also quasi ihren eigenen Schlüssel, indem sie die digitale Fahrzeug-ID hacken und auf einen Rohling packen.

BMW nimmt Stellung

Laut Medienberichten sind in Grossbritannien in letzer Zeit ungewöhnlich viele BMWs gestohlen worden. Betroffen waren stets neue Modelle, die ohne herkömmliche Autoschlüssel auskommen.

Bei BMW Schweiz heisst es auf Anfrage von 20 Minuten Online, dass bislang keine solchen Fälle bekannt seien. Der Leiter der Unternehmenskommunikation, Oliver Peter, weist auf die technischen Vorkehrungen hin, die es den Kriminellen schwer machen würden. «Alle sicherheitsrelevanten Bestandteile des Autos sind zentral registriert, sie können nicht einfach in einem anderen Fahrzeug verwendet werden.» Zudem seien die Blanko-Schlüssel (Rohlinge) nicht so einfach zu beschaffen.

Jedes Mal wenn ein Fahrzeug bei einem autorisierten Betrieb in den Service gehe, werde die Bord-Software aktualisiert und damit würden auch bekannte Sicherheitslücken geschlossen. Skeptisch zeigt sich der BMW-Sprecher, was den Nutzen einer Alarmanlage im Fahrzeug betrifft. In der Schweiz sei nur eine Wegfahrsperre vom Gesetz vorgeschrieben - «keine Versicherung verlangt eine Alarmanlage».

Praktisch ein Kinderspiel

In einem bei YouTube veröffentlichten Video demonstrieren bulgarische Auto-Spezialisten, wie einfach sich ein BMW-Schlüssel umprogrammieren beziehungsweise klonen lässt. Die Firma ruft auf ihrer Website in Erinnerung, dass das Gerät nicht für illegale Zwecke verwendet werden dürfe.

(Quelle: youtube.com/edilock1)

Und noch ein Video, in dem ein BMW X6 mit einem geklonten Schlüssel innert Minuten gestartet werden kann.

(Quelle: youtube.com/AutoKeyProg)

Die OBD-Schnittstelle wird auch bei abgestelltem Motor mit Strom versorgt, was die Manipulationen erst ermöglicht. Um einem Diebstahl vorzubeugen, müsste sie manuell deaktiviert werden, mutmasst winfuture.de.

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