Informierte Kaufentscheidungen: So können wir beim Shopping die Umwelt schützen
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Informierte KaufentscheidungenSo können wir beim Shopping die Umwelt schützen

Effizienter Umgang mit natürlichen Ressourcen, umweltfreundliche Materialien und längere Haltbarkeit: Hier gibt es Tipps für nachhaltige Kleiderkäufe.

von
Stephanie Sigrist
Statt sich kopflos in die Schnäppchenjagd zu stürzen, sollten umweltbewusste Kleiderkäufer vor der Kaufentscheidung einige Abklärungen treffen. Ein wichtiger Punkt ist, zu überprüfen, aus welchem Material das Kleidungsstück besteht.

Statt sich kopflos in die Schnäppchenjagd zu stürzen, sollten umweltbewusste Kleiderkäufer vor der Kaufentscheidung einige Abklärungen treffen. Ein wichtiger Punkt ist, zu überprüfen, aus welchem Material das Kleidungsstück besteht.

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Grosse Modeketten wie H&M, C&A oder Zara tauschen mehrmals pro Jahr ihre komplette Kollektion aus. Diese sogenannte Fast Fashion ist beliebt, kommt aber schnell aus der Mode und hat oft nur eine kurze Haltbarkeitszeit. Für die Herstellung von günstigen T-Shirts, Kleidern und Hosen werden nach wie vor Arbeiter in Tieflohnländern ausgebeutet und die Produktion von immer mehr Kleidungsstücken ist äusserst schlecht für die Umwelt. Auch Textilsammelfirmen bereitet die Qualität von Fast Fashion laut einem Bericht des «Tages-Anzeigers» Mühe. Viele günstig erworbene Kleider bestehen aus Chemiefasern oder Fasermix und Kleidersammelbetriebe können die aussortierten Billigkleider deshalb weder als Secondhand-Ware noch zur Weiterverwendung verwenden.

Baumwolle ist einer der meistverwendeten Rohstoffe der Textilindustrie, doch die Auswirkungen auf die Anbauländer sind verheerend. Für die Produktion von einem Kilogramm Baumwolle werden im weltweiten Durchschnitt 11'000 Liter Wasser benötigt und die Anbaugebiete liegen vielfach in Ländern, in denen Trinkwasser Mangelware ist. Zudem wird Baumwolle grösstenteils in Monokulturen angebaut, was zu einer Nährstoffverarmung der Böden führt und eine erhöhte Anfälligkeit für Schädlinge zur Folge hat. Schädlinge werden mit Pestiziden bekämpft, die im Grundwasser versickern und dadurch die Wasserqualität in der betroffenen Region massiv beeinträchtigen. Hinzu kommen lange und energieintensive Transportwege: Zuerst muss der Rohstoff in die Länder gebracht werden, in denen die Stoff- und Kleiderproduktion stattfindet, um anschliessend den grössten Teil der Endprodukte in einem anderen Erdteil zu verkaufen.

Keine Pestizide: Hanf kann sich selbst vor Schädlingen schützen

Die Ökobilanz anderer Naturfasern wie Hanf oder Leinen ist im Vergleich mit Baumwolle signifikant besser, da der Wasserverbrauch beim Anbau sich auf rund einen Viertel beläuft und diese Pflanzen in den meisten Fällen nicht mit Pestiziden vor Schädlingen geschützt werden müssen. Textilien aus Hanffasern sind ausserdem widerstandsfähiger als andere Stoffe und müssen daher weniger oft ersetzt werden. Biologisch angebaute Baumwolle, bei deren Anbau auf chemische Pflanzenschutzmittel verzichtet wurde, ist ebenfalls deutlich besser für die Umwelt als herkömmliche Baumwolle.

Im Falle von Wolle sorgt in erster Linie die Landnutzung für eine schlechte Umweltbilanz. Neben den Weideflächen für die Tiere sind auch Anbauflächen für die Futtermittel nötig. Ausserdem stossen Schafe Methan aus: Weltweit stammen gut 20 Prozent der Methan-Emissionen von Wiederkäuern wie Kühen und Schafen. Weiter können die Fäkalien der Schafherden Trinkwasserbestände verschmutzen. Seide ist ebenfalls umstritten, da die seidenspinnenden Raupen gemäss Tierschutzorganisationen überzüchtet und teilweise lebendig im Kokon gekocht werden. Bei der Produktion von Kunstfasern wie Polyester und Acryl fällt der Energieverbrauch höher aus als bei der Herstellung von Naturfasern, und synthetische Kleidungsstücke wie Funktionskleidung oder Fleecejacken geben bei jedem Waschgang Mikroplastik ab, das wiederum in den Gewässern landet.

Diese Fragen sollten sich umweltbewusste Konsumenten stellen

Statt sich kopflos in die Schnäppchenjagd zu stürzen, sollten umweltbewusste Kleiderkäufer vor der Kaufentscheidung einige Abklärungen treffen. Ein wichtiger Punkt ist, zu überprüfen, aus welchem Material das Kleidungsstück besteht. Biologische Baumwolle und Naturfasern wie Hanf oder Leinen weisen wie oben beschrieben eine signifikant bessere Ökobilanz auf als herkömmliche Baumwolle, Wolle oder Kunstfasern. Gäbe es vielleicht eine ähnlich aussehende Alternative zum modischen Kleidungsstück, die aus umweltfreundlicherem Material, ohne Chemikalieneinsatz und unter besseren Arbeitsbedingungen hergestellt wurde – und über ein Nachhaltigkeitszertifikat verfügt? Auch die Alltagsfähigkeit des geplanten Kaufs gilt es herauszufinden: Entspricht das bunte T-Shirt aus der aktuellen Kollektion überhaupt meinem Stil oder wird das Teil ein tristes Schrankdasein fristen, weil es zu Hause plötzlich doch zu ausgefallen scheint? Passt das Kleidungsstück zu meiner Garderobe? Lässt es sich mit mehreren Oberteilen, Hosen oder Röcken und Schuhen in meinem bisherigen Besitz kombinieren?

Deine Meinung

34 Kommentare
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ueli

25.07.2020, 20:33

zum glück interessiert mich dass ganze gründ für die umwelt sowisi nicht.

Dave

25.07.2020, 13:23

Darum kaufe ich auch nur LV,Gucci,Givenchy und Co ein. Da es so teuer ist kaufe ich nicht jeden Monat 10 Shirts etc wie manche bei H&M die man dan nur 1-2 Monate trägt.

Marko0912

25.07.2020, 12:55

Mit masken natürlich die werfen wir nach jeden Gebrauch weg und kaufen neue so wie der BR das gern hätte den es gibt Kollegen von BR sie jetzt richtig viel geld machen mit der masken Zwang!