Aktualisiert 10.04.2014 16:09

Tamiflu & Co. So kommen Medis ohne Wirkung auf den Markt

Das Grippemedikament Tamiflu ist laut einer neuen Studie praktisch wirkungslos. Es ist nicht das erste Präparat auf dem Markt, das unter Beschuss steht. Wie ist das möglich?

von
Fee Riebeling
Nicht alle Medikamente in der Apotheke halten, was die Hersteller versprechen.

Nicht alle Medikamente in der Apotheke halten, was die Hersteller versprechen.

Immer wieder kommt es vor, dass Forscher bereits erhältlichen Medikamenten schlechte Zeugnisse ausstellen. Beispielsweise, weil ihre Wirkung häufig nicht besser ist als die eines Placebos, wie das Tamiflu-Beispiel zeigt. Ebenso urteilten Wissenschaftler auch schon über das Alzheimer-Mittel Aricept, das Antidepressivum Edronax oder die Arthrose-Präparate Condrosulf und Structum. Solche Studien sorgen für Aufsehen und werfen die Frage auf, wie solche Präparate überhaupt zugelassen werden.

Ob ein neues Medikament zugelassen wird oder nicht, entscheiden nationale Zulassungsbehörden. In der Schweiz ist das Swissmedic. «Unsere Experten prüfen das gemäss internationalen Standards aufgrund der Unterlagen, die uns die Pharmafirmen zur Antragsprüfung zur Verfügung stellen», erklärt Lukas Jaggi von Swissmedic. Die Daten stammen aus mehrstufigen Testverfahren, die die Hersteller im Vorfeld durchführen müssen.

Vertrauen ist gut …

Ein nicht ganz unproblematisches Vorgehen, wie Beda Stadler von der Universität Bern findet. Schliesslich urteilten die Prüfer nur aufgrund der vorgelegten Papiere. «Der Konsument kann nur hoffen, dass diese vollständig sind und die Hersteller keine relevanten Informationen zurückhalten, um eine Absage zu vermeiden», so der Immunologe.

Dass diese Gefahr theoretisch besteht, bestätigt auch Michael Arand vom Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Universität Zürich. Doch wie Jaggi und Stadler schätzt er diese als gering ein: «Sicher gibt es schwarze Schafe, aber das Risiko, dass die Unterschlagung irgendwann rauskommt, ist zu gross.» Denn dann drohten den Unternehmen — abgesehen von dem zu befürchtenden Imageverlust — verwaltungs- oder strafrechtliche Konsequenzen.

… Kontrolle ist besser

Für mehr Sicherheit sorgen könnte nur eine Veränderung des Systems. So ist beispielsweise angedacht, dass sämtliche Studien zur Arzneimittelwirkung künftig zuerst angemeldet werden müssen — und zwar, bevor das Ergebnis feststeht. Zusätzlich sollen die Verantwortlichen verpflichtet werden, die Ergebnisse zu veröffentlichen und in einer für alle interessierten Experten zugänglichen Datenbank abzulegen. «Dadurch würde die Datenlage sicherlich noch objektiver», so Toxikologe Arand.

Dass Medikamente ähnlich wie Placebos wirken, sei an sich kein Problem, sagt Michael Arand. «Jedoch ist die Wirkung nicht so stark, dass die Kassen dafür so viele Millionen ausgeben sollten.» Beda Stadler formuliert es noch deutlicher: «Solche Medikamente sollten gratis sein — der Placebo-Effekt darf nicht verrechnet werden!»

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