Aktualisiert 21.06.2011 16:12

Fliegen

So kommen Sie zum Ticket-Schnäppchen

Die Preise für Flugtickets unterscheiden sich riesig – je nach Fluggesellschaft, Reisetag oder Reiseroute. 20 Minuten Online zeigt, wie Sie zum günstigsten Urlaub-Ticket kommen.

von
Gérard Moinat
Frei ist über den Wolken erst, wer sich eine Tarifschneise durch den Ticketdschungel geschlagen hat.

Frei ist über den Wolken erst, wer sich eine Tarifschneise durch den Ticketdschungel geschlagen hat.

Wer heute im Internet nach dem günstigsten Flugticket für die bevorstehenden Sommerferien sucht, wähnt sich in einem wahren Tarifdschungel. Kostet Zürich – Hongkong heute noch 951 Franken, schlägt es morgen bereits mit 1210 zu Buche. Und einen Tag später viel weniger — alles bei der gleichen Fluggesellschaft.

Noch verwirrender wird das Dickicht bei Flugvergleichsportalen wie ebookers.ch oder swoodoo.com, wo verschiedene Airlines verglichen werden können. Buchungsdatum, Reiseweg und alle anderen Optionen, die gewieften Reisenden sonst noch offenstehen, verkomplizieren die Sache weiter.

Pierre-Alain Regali von ebookers.ch nennt die drei wichtigsten Faustregeln, anhand derer sich Reisehungrige im Ticket-Busch nicht verlaufen sollten: Früh buchen, Jahreszeiten beachten und Flexibilität zeigen.

Von Nachfragekurve und Co.

Je früher desto günstiger — diesen Grundsatz unterstreicht auch Myriam Ziesack, Sprecherin von Swiss International Airlines. «Früh zu buchen ist in der Regel empfehlenswert, um einen günstigen Preis zu bekommen.» Der Grund: Airlines berechnen eine zukünftige Nachfragekurve pro Flug und stimmen diese dauernd mit dem aktuellen Buchungsstand ab.

Weil mit grösserer Auslastung des Fluges die günstigeren Buchungsklassen schliessen, gilt gemäss Ziesack umgekehrt: Je später gebucht wird, desto teurer wird es. Ausnahme seien typische Feiertage wie Ostern, Pfingsten und so weiter. Wo wir bereits bei Punkt zwei wären: der Jahreszeit.

Für die beliebtesten Hin- und Rückflüge kann an solchen Daten auch zu einem frühen Zeitpunkt ein hoher Preis angezeigt werden, «da für solche Flüge eine hohe Nachfrage erwartet wird und sie sich füher verkaufen», so Ziesack.

Regali erklärt: Airlines betreiben ein sogenanntes Yield- oder Ertrags-Management. Dabei geht es darum, optimale Verkäufe zu erzielen. Das heisst: Die Airlines erwarten von einem Flug zu einem bestimmten Zeitpunkt einen bestimmten Buchungsgrad. Bezüglich dem Pricing spielt hier Angebot- und Nachfrage: «Je voller das Flugzeug desto teurer das Ticket», so Regali.

Last Minute als Risiko

Dabei gibt es zwar die Ausnahme, dass sich die Airline vertan hat und Tickets kurzfristig noch günstiger verkaufen muss. Der E-Bookers-Experte warnt aber davor: «Das ist aber eher selten und für Passagiere riskant, darauf zu setzen.» Solche Last Minute oder Aktionen dienen gemäss Ziesack dann eben dazu, Restkapazitäten zu füllen oder eine Marketingaktivität mit speziellen Preisen zu bewerben.

Das Zauberwort Preis-Mengen-Optimierung beantwortet auch die Frage, weshalb ein Swiss-Flug nach Frankfurt Hunderte von Franken, einer nach Rom aber weniger als 200 Franken kosten kann. Gemäss Ziesack spielt hier die Nachfrageelastizität eine grosse Rolle.

«Eine Preisreduktion muss eine deutliche Nachfragesteigerung erzeugen, nur so kann die Swiss die Absenkung der Preise kompensieren.» Falls eine Preisreduktion zu keiner deutlichen Nachfragesteigerung führen würde, werde der optimale Ertrag eher über den Durchschnittsertrag erreicht. Sprich: Die Preise sind eher höher.

Gegen den Strom schwimmen

Flexibilität ist der Leitsatz, der dem Günstig-Bucher noch den letzten Schliff verleiht. Regali empfiehlt hier, solche Buchungsmaschinen zu berücksichtigen, bei denen der Buchende mit einer Abfrage gleich eine ganze Reihe von Angeboten bekommt. Bei Ebookers beispielsweise nennt sich diese Funktion «3 Tage vorher und nachher suchen».

Auch bezüglich Zeit und Wochentag sollten Reisende flexibel sein, bzw. gegen den Strom schwimmen. Montag abfliegen und Freitag abends zurückkommen ist regelmässig am teuersten. Hier sein Tipp: Mittwoch abfliegen und Mittwoch in der Folgewoche zurückkommen. Zudem Tickets ausserhalb der Rush-Hour buchen — ganz früh oder ganz spät.

Und am Schluss lüftet Swiss noch ein gut behütetes Geheimnis der Airline-Industrie: Weshalb einfache Flüge teurer sind als Retourflüge. Die Mehrheit der Swiss-Passagiere, sprich mehr als 95 Prozent, kommen an ihren Ausgangsort zurück — sie benötigen also ein Retourticket. Das heisst: «Die allerwenigsten möchten nur einen Einfachflug von A nach B buchen und bleiben in B.» Deshalb basiert die Swiss-Preisgestaltung auf einem Return-Ticket — es gibt allerdings auch Airlines mit One-Way-Konzept – ohne «Strafgebühr».

Folgende Parameter fliessen in die Preiskalkulation ein

Markt- und Konkurrenzumfeld

Zielgruppen-Segmentierung (Firmen- oder Privatkunden)

Nachfrageelastizität der Strecke

fixe und variable Kosten

strategische Ausrichtung

Das «bezahlt» man mit einem Flugticket

Hin- und Rückflug

Flughafentaxen und Gebühren

Treibstoff

Freigepäck

Sitzplatzreservation

Miles & More Meilen

Bordverpflegung

Service

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