Aktualisiert 24.05.2020 15:00

Bundesgerichtsentscheid

So kommst du ans Homeoffice-Geld

Arbeitgeber müssen den Mitarbeitern bei Homeoffice-Zwang einen Teil der Miete bezahlen. Doch nicht jeder hat Anspruch auf Entschädigung. Der Arbeitsrechtsexperte sagt, was Angestellte beachten müssen.

von
Fabian Pöschl
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Wer unfreiwillig im Homeoffice arbeitet, könnte vom Arbeitgeber eine Entschädigung erhalten. (Symbolbild)

Wer unfreiwillig im Homeoffice arbeitet, könnte vom Arbeitgeber eine Entschädigung erhalten. (Symbolbild)

KEYSTONE
Das hat das Bundesgericht in einem wegweisenden Fall geurteilt. Ein Mitarbeiter einer Zürcher Treuhandfirma bekommt nun eine monatliche Mietentschädigung von 150 Franken vom Arbeitgeber.

Das hat das Bundesgericht in einem wegweisenden Fall geurteilt. Ein Mitarbeiter einer Zürcher Treuhandfirma bekommt nun eine monatliche Mietentschädigung von 150 Franken vom Arbeitgeber.

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Die Corona-Pandemie hat viele Menschen ins Homeoffice geschickt. Haben auch sie Anrecht auf eine Mietbeteiligung des Arbeitgebers?

Die Corona-Pandemie hat viele Menschen ins Homeoffice geschickt. Haben auch sie Anrecht auf eine Mietbeteiligung des Arbeitgebers?

KEYSTONE/Anthony Anex

Darum gehts

  • Das Bundesgericht hat entschieden, dass Schweizer Arbeitgeber den Mitarbeitern mit Homeoffice-Zwang einen Anteil an die Wohnungsmiete zahlen müssen.
  • Anspruch auf Entschädigung hat aber nur, wer im Homeoffice stark eingeschränkt ist.
  • Der Arbeitsrechtsexperte plädiert für ein klärendes Gespräch mit dem Arbeitgeber, bei dem alle Parteien Kompromisse eingehen sollten.

Schweizer Arbeitgeber müssen ihren Angestellten einen Anteil an die Wohnungsmiete zahlen, wenn sie diese im Homeoffice arbeiten lassen und ihnen keinen Arbeitsplatz im Büro anbieten. Das hat das Bundesgericht in einem wegweisenden Fall geurteilt.

Ein Mitarbeiter einer Zürcher Treuhandfirma bekommt nun eine monatliche Mietentschädigung von 150 Franken vom Arbeitgeber, wie die «SonntagsZeitung» schreibt. Er erhält die Entschädigung auch rückwirkend. Das Urteil fiel unabhängig von der Corona-Krise, könnte aber schweizweit grosse Auswirkungen haben, wie Arbeitsrechtsexperte Thomas Geiser von der Universität St. Gallen zu 20 Minuten sagt. Hier findest du Antworten auf die wichtigsten Fragen.

  • Wer hat Anspruch auf eine Mietbeteiligung des Arbeitgebers?

Anspruch hat nur, wer unfreiwillig im Homeoffice arbeitet, wie Arbeitsrechtsprofessor Geiser sagt. In dem konkreten Fall stellte der Arbeitnehmer dem Angestellten laut Bundesgerichtsurteil keinen geeigneten Arbeitsplatz zur Verfügung. Der Angestellte musste also zuhause arbeiten. In der Corona-Krise erhielt diese Arbeitsform starken Auftrieb. Speziell ist dabei jedoch, dass Homeoffice bei vielen wohl nur vorübergehend verordnet wurde. Gerichte könnten deshalb argumentieren, dass die kurzfristige Homeoffice-Zeit noch keinen Grund für eine Entschädigung darstellt. Wenn der Angestellte aber mit Frau und Kindern in einer kleinen Wohnung leben und arbeiten müsse, sei die Einschränkung so stark, dass eine Entschädigung denkbar sei. Geiser glaubt, dass Mietentschädigungen fürs Homeoffice in Zukunft selbstverständlich werden.

  • Mit was für einer Entschädigung kannst du rechnen?

In dem aktuellen Fall bekam der Arbeitnehmer eine Entschädigung von 150 Franken pro Monat zugesprochen. Doch weil es der erste Fall war, gibt es noch keine Rechtspraxis, wie Geiser sagt. Andere könnten Anspruch auf mehr Geld haben. Um die Entschädigungssumme zu ermitteln, müsse man die Verhältnisse im konkreten Fall beachten, so Geiser. «Der Arbeitgeber kann sich nicht auf den Standpunkt stellen, dass er nichts leisten muss, aber man kann auch nicht erwarten, dass der Arbeitgeber ein Fünftel der 5-Zimmer-Wohnung bezahlt.»

  • Wie solltest du jetzt vorgehen?

Geiser plädiert dafür, dass der Arbeitnehmer zuerst mit dem Arbeitgeber über seine Vorstellungen spricht, «wie er das immer tun sollte». Die beiden Parteien sollten sich auf eine für beide akzeptable Lösung einigen und dafür Kompromisse eingehen. Dabei können Arbeitnehmer die Argumentation des Bundesgerichts ins Feld führen: Laut Artikel 327a des Obligationenrechts hat der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer alle durch die Ausführung der Arbeit notwendig entstehenden Auslagen zu ersetzen. Denn es liege eine fast identische Situation vor, wie wenn der Arbeitnehmer für die Homeoffice-Arbeit ein Zimmer mieten müsste, halten Arbeitsrechtler fest. Die Situation sei vergleichbar mit jener der Benützung des privaten Fahrzeugs für Geschäftsfahrten. Falls der Chef den Entscheid nicht kenne, könne es auch sinnvoll sein, die entsprechende Passage auszudrucken und ihm vorzulegen, sagt Geiser.

Sollte der Arbeitgeber keine Gesprächsbereitschaft zeigen, sei das Arbeitsklima meist nicht sehr gut. «Dann lohnt es sich häufig, einen besseren Job zu suchen», sagt Geiser. Der Arbeitnehmer könne seinen Anspruch noch bis zu fünf Jahre später erheben.

  • Was ist das Risiko, wenn du dem Arbeitgeber Forderungen stellst?

Der Arbeitgeber braucht keinen besonderen Grund, um zu künden. Er kann folglich auch künden, wenn der Arbeitnehmer Rechte geltend macht. Das wäre zwar eine missbräuchliche Kündigung, wie Geiser bemerkt, doch sie wäre rechtens. Der Arbeitgeber müsste dafür eine Entschädigung von maximal sechs Monatslöhnen zahlen. Der Arbeitnehmer könnte aber auch befürchten, nach seinen Forderungen schlechter behandelt zu werden. Doch falls dem so sein sollte, habe die Firma ohnehin ein Problem mit dem Arbeitsklima, findet Geiser.

  • Kannst du auch eine Beteiligung am Büromaterial im Homeoffice verlangen?

Ja. Sofern nicht anders im Arbeitsvertrag vereinbart, sieht das Arbeitsrecht vor, dass der Arbeitgeber die Geräte und das Material für den Arbeitseinsatz wie etwa Bürostuhl, PC und falls nötig Drucker bereitstellen muss. Ansonsten hat der Arbeitnehmer Anspruch auf vollständige Entschädigung für das Büromaterial. Sofern der PC aber auch privat genutzt werden darf, müsse die Arbeitgeberin nur nach Massgabe der beruflichen Nutzung aufkommen. Unklar ist laut Geiser etwa die Entschädigung für die höhere Stromrechnung im Homeoffice.

  • Wirst du durch eine Mietbeteiligung höhere Steuern bezahlen müssen?

«Nein», sagt Geiser. Vielmehr haben Arbeitnehmer Anspruch auf einen Steuerabzug, wenn sie einen wesentlichen Teil ihrer beruflichen Tätigkeit zu Hause erledigen müssen. Wenn der Arbeitgeber allerdings einen Teil der Miete übernimmt, schrumpft der Steuerabzug.

Homeoffice

Schweizer wollen zu Hause arbeiten

Wegen des Coronavirus mussten viele Unternehmen von heute auf morgen auf Homeoffice umstellen. Trotzdem bieten nur rund 1 Prozent der ausgeschriebenen Stellen die Möglichkeit für Homeoffice an, wie eine Untersuchung der Firma Jobchannel zeigt. Dabei möchten fast drei Viertel der Schweizer auch nach der Corona-Krise zu Hause arbeiten können. Das zeigt eine Umfrage der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW und der Zürcher Hochschule ZHAW. Das sei nicht erstaunlich, sagt Personalexperte Michel Ganouchi: «Viele Arbeitnehmer haben in der Krise gelernt, von zu Hause aus zu arbeiten, und dabei gemerkt, welche Vorteile das hat.» Viele Menschen würden zu Hause effizienter und produktiver arbeiten. «Natürlich gibt es auch Leute, die Mühe haben im Homeoffice.» Gerade für Eltern mit Kindern im Homeschooling könne das Arbeiten zu Hause schwierig werden. Auch würde gewissen Personen das technische Equipment fehlen. «Wer einmal richtig ausgestattet ist und sich organisiert hat, merkt aber rasch, dass beim Homeoffice mehr Freizeit bleibt, weil der Arbeitsweg wegfällt.»

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192 Kommentare
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Latd

25.05.2020, 13:24

Seit doch zufrieden das ihr Zuhause arbeiten könnt, Arbeitsweg daher Geld und Zeit spart.

Armin Meier

25.05.2020, 10:53

Eine für die Covid19Zeit entsprechende Leistung bezahlen und dem Arbeitnehmer unmittelbar kündigen

Daggi

25.05.2020, 10:34

Mir wäre es lieber, wenn ich meinen Parkplatz im Geschäft nicht zahlen müsste. Ich zahle und andere stellen ihr Auto darauf