Lohngespräch 2011: So kommt Bewegung in die Lohntüte
Aktualisiert

Lohngespräch 2011So kommt Bewegung in die Lohntüte

Es ist wieder die Zeit der Quali-Gespräche. Doch wie kommt man zu seinem gerechten Lohn? Wie Experten um eine Lohnerhöhung fragen würden.

von
Gérard Moinat
Damit beim nächsten Mal mehr rausschaut, gibt es einige Grundsätze zu beachten.

Damit beim nächsten Mal mehr rausschaut, gibt es einige Grundsätze zu beachten.

Für die einen ist es das unangenehmste Gespräch des Jahres, andere wiederum brennen schon seit Monaten darauf: Das Jahresend-Gespräch. Doch egal ob Vorfreude herrscht oder nicht — der Teil, wo es um den Lohn geht, ist für viele eine Knacknuss.

Denn bei der Frage ums «Wieviel» wissen viele nicht mehr weiter, oder sind hin- und hergerissen. Genügt mir eine 1,6 prozentige Lohnerhöhung, wie sie die UBS-Ökonomen fürs Jahr 2011 prognostizieren? Oder spekuliere ich auf einen grösseren Zustupf, da ich mich ja mit Leib und Seele einsetze? Oder gebe ich mich doch wieder mit einer Nullrunde zufrieden?

Der auf Vergütungssysteme spezialisierte Berater Urs Klingler rät hier vor allem zur Gelassenheit. So sollte man sich vor einer Lohnverhandlung auf den Kern der Sache konzentrieren. «Eigentlich geht es ja nur darum, dass ich meinem Chef eine Leistung geben kann, die er unbedingt braucht», so Klingler.

Emotionen vor der Tür lassen

Entsprechend sachlich sollte man argumentieren; emotionale Argumente müssen draussen bleiben. Denn der Markt funktioniere, erklärt Klingler, hart, aber simpel: «Wer mehr kann, der wird besser bezahlt.» Deshalb sind für Klingler gerade Themen wie Weiterbildung und Spezialwissen wichtige Voraussetzungen, um erfolgreich mehr Lohn zu fordern.

Ein anderes überzeugendes Argument für eine Lohnerhöhung sei es, beim Chef mit einer Kosteneinsparung zu punkten. Eine Leistung also, die ihm mehr gebracht hat, als es ihn kostete. Und zudem gilt gemäss Klingler: «Die besten Chancen auf eine Lohnerhöhung haben die, die in einem Bereich arbeiten, wo der Kostendruck klein ist.»

Vorbereitung ist zentral

Doch Personalberater wissen: Viele haben unabhängig der bisher aufgezählten Punkte bereits verloren, bevor das Gespräch überhaupt begonnen hat. Denn: «Etwas vom Wichtigsten für ein Qualifikations-Gespräch ist deshalb die Vorbereitung», sagt Personalberaterin Susanne Kuntner.

Dabei sollte man sich vor Augen führen, was im Gespräch im Vorjahr besprochen oder sogar beschlossen wurde. «Wurde ich im letzten Jahr bei der Lohnerhöhung bereits übergangen, hat man beispielsweise bereits ein starkes Argument, um auf eine Lohnerhöhung zu pochen», sagt Kuntner.

Auch sollte man sich nochmals über die Faktenlage vergewissern. Hierzu empfiehlt Kuntner, vor dem Gespräch einen Katalog mit Argumenten vorzubereiten. Wichtige Punkte darin sind: Was ist dieses Jahr gut gelaufen, was weniger gut. Wie lange bin ich schon im Unternehmen. Wo hat meine Firma von mir profitiert, wo konnte ich entscheidend zum Firmenerfolg beitragen.

Sich nicht unter Wert verkaufen

«Eine Lohnerhöhung zu verlangen hat aber auch viel mit einem intakten Selbstwertgefühl zu tun», weiss Kuntner. Entsprechend wichtig ist es, sich nicht unter Wert zu verkaufen. «Denn mit Forderungen kann immer heruntergehen, hinauf aber nicht.»

Auch sollte man sich unbedingt im Vornherein die Frage beantworten, wie viel man überhaupt wolle. Ein Tipp von ihr: Mit den Mitarbeitern über den Lohn sprechen und seine Forderungen entsprechend anpassen.

«Denn die Forderungen dürfen nicht zu überrissen bzw. unrealistisch sein. Das Lohngefüge in der Firma muss stimmen.» Zudem findet sie, man solle auch in seinen Forderungen immer eine Art Grunddemut zeigen, weil es in einer Firma immer ein Geben und ein Nehmen sei. «Und es geht auch darum herauszuspüren, wie es der Firma geht.»

Zudem wichtig: Um eine Lohnerhöhung zu fordern, muss man sich auch während des Jahres für die Firma interessieren. Und vielleicht auch mal mehr als 100 Prozent geben.

Was tun bei einem Nein?

Ist die Antwort auf das Anliegen trotz aller wohlüberlegten Argumente ein schlichtes «Nein», darf man auf keinen Fall verzweifeln. «Am besten fragt man gleich nach einer Begründung und macht sich Notizen davon, die man beim nächsten Gespräch wieder miteinbringt.»

Und schaffe man es trotz allem nicht, den Lohn zu steigern, könne man es ja mit anderen Vergütungen versuchen, wie Mittagessenentschädigung oder einem Zustupf an die Weiterbildung.

Nullrunde wahrscheinlich

Urs Klingler ist überzeugt, dass Fach- und Führungskräfte dieses Jahr mehr als nur 1,6 Prozent Lohnerhöhung erhalten werden, «normale» Angestellte sich aber mit einer Nullrunde zufriedengeben müssen. «Denn findet sich für den gleichen Job so oder so eine Person, die zum gleichen Lohn arbeitet, bietet sich für einen Chef wenig Anreiz, den Lohn zu erhöhen.»

Da aber in der Schweiz in verschiedenen Bereichen immer noch ein Mangel an Fachkräften herrsche, hätten diese gute Chancen auf eine Lohnerhöhung, die auch deutlich über dem Durchschnitt liegen könne.

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