So läuft der Abschlepper-Skandal von Zürich
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So läuft der Abschlepper-Skandal von Zürich

Parkuhr manipulieren, alles abschleppen, was rumsteht und im grossen Stil abkassieren: An der Zürcher Heinrichstrasse läuft eine Abzocke mit abgeschleppten Autos, wie sie in der Schweiz wohl einzigartig ist.

«Habe im Dezember 06 die Erfahrung beim Hotel Senator gemacht, dass das Personal in die richtig gefütterten Parkuhren 50 Rappen nachzahlt und die Parkzeit 'verändert'. Daraufhin wird schön abgewartet bis die neu gestellte Parkzeit abgelaufen ist», erzählt 20-Minuten-User Robert Gödel. Er habe noch versucht, die Person zu stellen, die die Parkuhren 'nachgefüttert' hat. «Leider ohne Erfolg, da es sonst zu Handgreiflichkeiten gekommen wäre», schreibt Gödel. Die Antwort auf seine Frage, warum der Angestellte das tue, war lapidar: «Anweisung vom Chef.»

Anwohner Manuel Faeh bestaunt das Abschlepp-Prozedere jeweils von seinem Balkon aus: Auch die Abschleppfahrer kontrollieren laut Faeh routinemässig die Parkuhren und nehmen unaufgefordert alles mit, «was zu lange dort steht.» Die Autohilfe habe laut Faeh «sichtlich Spass daran», Wagen mitzunehmen, «obwohl deren Besitzer noch während des Abschlepprozederes eintreffen.» An einem Wochenende, schätzt Faeh, werden zirka 40 Autos abgeschleppt. «An Donnerstagen etwas weniger».

Bei 20minuten.ch sind inzwischen rund hundert Fälle und Berichte von Augenzeugen und Betroffenen über den Abschlepper-Skandal an der Zürcher Heinrichstrasse eingetroffenen. Grundtenor: Beim Hotel Senator werden Autoparkierer nach allen Regeln der Abschlepperkunst abgezockt.

Doch wie lässt sich eine Parkuhr überhaupt zurückstellen? Laut Autohilfe-Chef Guido Zuber gar nicht: «Parkuhren lassen sich nicht manipulieren», behauptet er gegenüber 20minuten.ch. Falsch! Alles was man dazu braucht, ist ein Fünfzigrappenstück (siehe «Parkuhren manipulieren?- Nichts einfacher als das!»). Einfach Nachzahlen, und das vormalige Guthaben verfällt. Angezeigt wird nur der neue Betrag. Die Automaten, aufgrund deren Anzeige sich die Abschlepper jeweils beziehen, stellen keine Quittung aus. Die Abgeschleppten haben dadurch keinerlei Beweismöglichkeiten, wenn sie ihr Auto wieder abholen wollen. Zuber kann sich aber trotzdem nicht vorstellen, dass seine Chauffeure irgendwelche krummen Sachen machen. «Sie schaffen ja im Monatslohn und nicht im Akkord», erklärt er gegenüber 20Minuten.ch. Sie hätten ja gar nichts davon.

Von einem «abgekarteten Spiel» kann, laut den Verantwortlichen des Hotels Senator, aber «keine Rede sein». In einem schriftlichen Communiqué erklärt die Direktion: «Das Hotel Senator hat sich in Bezug auf die Zurverfügungstellung von Parkplätzen stets korrekt verhalten.»

Ob das so ist, wird wohl bald Gegenstand einer Strafuntersuchung werden. «Falls tatsächlich Manipulationen durch Hotelangestellte an den Parkuhren vorgenommen werden, ist das widerrechtlich. Welcher Straftatbestand konkret erfüllt ist, muss sorgfältig abgeklärt werden. Dazu benötigt die Stadtpolizei die Angaben von direkt betroffenen Automobilisten. Betroffene Personen können sich bei der Stadtpolizei Zürich melden und Anzeige erstatten.» Schwer zu Glauben, dass die geprellten Autofahrer davon nicht Gebrauch machen werden.

Manuel Bühlmann, Hansi Voigt

Abschlepper-Willkür: Haben Sie auch schon ähnliche Erfahrungen beim Hotel Senator oder an anderen Orten gemacht? Mailen Sie uns Ihr Erlebnis an feedback@20Minuten.ch

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